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Gremium soll Maßnahmen erarbeiten

Japans Regierung will die Einsamkeit im Land bekämpfen

Junge Mitglieder der japanischen Regierung planen die Einsamkeit, die durch die Pandemie verschlimmert wird, zu bekämpfen und wollen dafür ein Gremium einführen, das sich mit diesem Problem befassen soll.

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Das Gremium soll noch diesen Monat mit seiner Arbeit beginnen und zusammen mit Menschen, die unter Einsamkeit leiden, Vorschläge für die Regierung ausarbeiten.

Einsamkeit in Japan betrifft nicht nur Hikikomori

Das Problem der Einsamkeit beschränkt sich in Japan nicht mehr nur auf Einsiedler (Hikikomori) oder ältere Menschen, sondern wird mittlerweile als ein Problem angesehen, das Menschen aller Generationen und Einkommensschichten betrifft.

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Die Coronavirus-Pandemie hat das Problem verschlimmert und es gibt immer mehr Besorgnis darüber, dass die Zahl der Menschen, die unter Einsamkeit leiden, in Japan zunimmt. Da auch die Zahl der Selbstmorde in Japan seit Juli vergangenen Jahres steigt und einige Politiker vermuten, dass es einen Zusammenhang mit der Einsamkeit gibt, wird ein Gremium als dringend notwendig erachtet, um das Problem zu bekämpfen.

„Das Problem der ‚ungewollten Einsamkeit‘ ist durch die Coronavirus-Krise offensichtlich geworden“, sagte Takako Suzuki, der Hauptorganisator des Gremiums und Mitglied des Repräsentantenhauses, der unteren Kammer des Parlaments. „Der Staat sollte die zugrundeliegenden Probleme analysieren und die notwendige Hilfe leisten.“ Suzuki betonte die Notwendigkeit für die Regierung, Einsamkeit als politisches Ziel zu betrachten und ministeriumsübergreifende Anstrengungen zu unternehmen, um das Problem zu bewältigen.

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Auf der Suche nach politischen Leitlinien plant das Gremium, sich mit den Erfahrungen Großbritanniens zu befassen, das als eine fortschrittliche Nation bei Maßnahmen gegen Einsamkeit gilt. Großbritannien hat sich auf nationaler Ebene verpflichtet, sich mit dem Problem der Einsamkeit zu befassen und hat 2018 sogar einen Minister für Einsamkeit ernannt.

Laut einer Umfrage im Jahr 2017 waren mehr als 13 Prozent der britischen Bevölkerung von Einsamkeit betroffen, wobei die damit verbundenen wirtschaftlichen Verluste auf umgerechnet 4,7 Billionen Yen jährlich geschätzt werden. Auch aus der Privatwirtschaft wurden Forderungen nach staatlichen Maßnahmen gegen die Einsamkeit laut.

Beratungsdienste boomen

Im März letzten Jahres gründete Koki Ozora, ein 22-jähriger Student der Keio-Universität, eine gemeinnützige Organisation, die einen Online-Beratungsdienst betreibt. Bis Ende November hatte die Organisation mehr als 300.000 Anfragen von etwa 26.000 Menschen erhalten. „Einsamkeit ist das gemeinsame Thema ihrer Beratungsanfragen“, so Ozora. „Unser Beratungsangebot ist nur eine unterstützende Hilfe, wir brauchen einen grundlegenden Ansatz, um das Thema anzugehen.“

Am 3. Dezember traf sich Ozora in Begleitung des Abgeordneten Suzuki mit dem Kabinettschef Katsunobu Kato und schlug vor, dass die Regierung eine landesweite Umfrage zum Thema Einsamkeit durchführt, einen grundsätzlichen Plan zu Gegenmaßnahmen erarbeitet und einen Minister ernennt, der die Bemühungen zur Bekämpfung des Problems leitet. Auf einer Pressekonferenz am 4. Dezember sagte Kato, dass die Regierung Einsamkeit als eine wichtige Herausforderung im Zusammenhang mit dem Leben der Menschen sieht.

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