Stats

Anzeige
Home News Soziales & Leben Japans Transmenschen werden als Opfer von sexuellem Missbrauch oft vergessen

Gesellschaft muss offener werden

Japans Transmenschen werden als Opfer von sexuellem Missbrauch oft vergessen

In den letzten Jahren sind die Proteste gegen sexuelle Gewalt in Japan mit der #MeToo-Bewegung und den Blumendemonstrationen immer lauter geworden. Auch wenn es teilweise Fortschritte gibt, sind vor allem Transmenschen die unsichtbaren Missbrauchsopfer, an die keiner denkt.

Einer der Betroffenen ist der Transmann Hotta, der als Kind von seinem älteren Bruder sexuell missbraucht wurde. Jedoch wird er oft als Opfer nicht wahrgenommen und bei Hilfsangeboten ausgeschlossen. Als er auf seiner ersten Blumendemo war, freute man sich darüber, dass er als männlicher Unterstützer gekommen ist.

Missbrauch in der eigenen Familie

Hotta hatte sich sehr überwunden zu der Veranstaltung zu kommen. Er wollte sich aber zur sexuellen Gewalt an dem Ort äußern, an dem er als Kind gelebt hat und wo er immer noch vorbeikam. Dass er aufgrund seines Aussehens überhaupt nicht als ein Opfer in Betracht gezogen wurde, hat ihn jedoch schockiert.

LESEN SIE AUCH:  Viele Opfer von sexueller Gewalt melden in Japan die Übergriffe nicht

Am Ende enttäuschte ihn die Demonstration. Viele Menschen hielten zwar ihre Reden, aber es ging immer nur darum, dass Frauen sexuelle Gewalt erleiden. Hotta wurde auch aufgefordert etwas zu sagen, jedoch hatte es ihm die Sprache verschlagen und er lehnte ab.

Hotta sagt dazu, dass es sich anfühlte, als wenn Menschen wie er sich so fühlen sollen, als wenn es sie gar nicht gibt. Dabei ist seine Geschichte die von vielen. In den meisten Fällen sind Familienmitglieder die Täter. Da der Missbrauch in jungen Jahren stattfindet, sind sich die Missbrauchsopfer meistens erst viel später bewusst, was mit ihnen passiert ist.

Auch Hotta, der erstmals mit sechs Jahren von seinem drei Jahre älteren Bruder missbraucht wurde, wurde erst viel später klar, was mit ihm gemacht wurde. Er schämt sich deswegen auch, weil er sich damals nicht gewehrt hat. Selbst als sein Bruder in der Highschool begann ihn zusammenzuschlagen, war die Situation für ihn schwer verständlich.

Wissenschaft beschäftigt sich nur wenig mit dem Thema

Erst als Hotta auszog und zur Universität ging, wurde ihm der Missbrauch bewusst. In der Zeit stellte er auch fest, dass er trans ist, was er während seiner Kindheit verdrängt hatte. Endlich wurde er von anderen akzeptiert und sein Leben beruhigte sich, sodass er sich richtig mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen konnte.

Als er jedoch begann, sich mit sexueller Gewalt zu beschäftigen, stellte er fest, dass nur die Rede von Frauen ist und Kinder nur durch Erwachsene misshandelt werden. Da es keine Fälle wie seinen gab, zweifelte Hotta lange daran, ob er überhaupt als Opfer galt. Ein weiteres Problem war, dass er nicht wusste, wo er Hilfe bekommen konnte.

Nach seinen ersten Erfahrungen mit der Blumendemo kam Hotta zum nächsten Event zurück und hielt doch eine Rede. Er machte dabei deutlich, dass er auch ein Missbrauchsopfer ist und sexuelle Gewalt jeden treffen kann. Deswegen will er nun die Situation für seine Freunde ändern, die auch nicht wissen, mit wem sie über die Übergriffe reden können.

Am Ende bat er die Menschen darum, auch sexuelle Minderheiten zu unterstützen, die Opfer geworden sind. Tatsächlich schien sein Mut etwas bewirkt zu haben und die Menschen sprachen weniger nur über Frauen als Betroffene. Auch auf der Website der Blumendemos wird betont, dass man mit allen Opfern solidarisiert.

Jedes Missbrauchsopfer soll Hilfe erhalten

Trotzdem fühlt Hotta sich manchmal immer noch ausgeschlossen, wie beim Internationalen Frauentag, wo auch gegen sexuelle Gewalt protestiert wird. Er versteht dabei, dass Frauen eher unterdrückt werden, eher zu Opfern werden, was er auch in keiner Hinsicht herunterspielen will. Jedoch würde er gerne, dass die Menschen andere Betroffene nicht vergessen.

So fand er eine Gruppe für Opfer, die von nahen Verwandten missbraucht wurden. Sie war jedoch nur für Frauen, weswegen es keinen Platz für Hotta gab. Spezialisierte Einrichtungen für psychologische Hilfe sind selten, insbesondere in ländlichen Gebieten. Hotta fordert deswegen, dass Beratungs- und medizinische Einrichtungen ihre Systeme verbessern, damit allen Missbrauchsopfern in einer bequemen Umgebung geholfen werden kann.

Ebenfalls wünscht er sich, dass Menschen, die mit Kindern zusammenarbeiten, besser über die Anzeichen von sexueller Gewalt aufgeklärt werden. Allgemein will Hotta, dass die Gesellschaft besser darüber aufgeklärt wird, dass auch sexuelle Minderheiten Opfer von sexueller Gewalt werden. Er hofft deswegen, dass seine Geschichte dabei hilft.

Anzeige
Anzeige