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HomeNachrichten aus JapanSoziales & LebenJunge Menschen in Tokyo leben wieder vermehrt in traditionellen japanischen Wohnungen

Ein eigenes Bad ist nicht mehr unbedingt nötig

Junge Menschen in Tokyo leben wieder vermehrt in traditionellen japanischen Wohnungen

In den großen Ballungsräumen in Japan sind Wohnungen Mangelware. Die Wohnmöglichkeiten, die es gibt, sind dann sehr teuer. Allerdings kann man auch sparen, wenn man bereit ist, auf einige Annehmlichkeiten zu verzichten. Wohnungen ganz oben in Häusern ohne Aufzug sind genauso preiswert erhätlich, wie Räumlichkeiten ohne eigenes Bad. Ersparnisse von knapp 10.000 Yen (etwa 70,50 Euro) pro Monat sind durchaus möglich.

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Einer Umfrage zufolge suchen viele junge Japaner sogar explizit nach Wohnungen ohne Bademöglichkeiten. Viele Studenten kommen nach Tokyo, um dort zu studieren und wollen dann auch in der Nähe leben. Für diese sind Wohnungen ohne Bad eine Möglichkeit, denn diese liegen preislich dann bei circa 33.000 Yen (circa 230 Euro).

Sento als mögliche Alternative

In Japan waren Wohnungen ohne eigenes Bad lange normal und auch heute sind solche Räumlichkeiten kein Problem. Wer kein eigenes Bad hat, kann eines der öffentlichen Badehäuser, Sento genannt, besuchen, die es bis heute überall in Japan gibt. Zwar ist die Zahl in den letzten Jahren geringer geworden, trotzdem gibt es sie noch. Es gibt sogar eine eigene Webseite, Tokyo Sento Fudosan, die den Mietern in Wohnungen ohne eigenes Badezimmer hilft, ein Sento in der Nähe zu finden.

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 Die Webseite ließ auch die Umfrage durchführen, bei der herauskam, dass für viele junge Japaner auch der nostalgische Faktor bei der Entscheidung für eine Wohnung ohne Bad eine Rolle spielt. Vor ein paar Generationen war es noch normal, ein öffentliches Badehaus zu nutzen und viele mögen die besondere Atmosphäre und das Ritual, das mit einem solchen Besuch verbunden ist. Außerdem sind die Sento in der Regel geräumiger als viele Mini-Badezimmer, die in einigen Wohnungen vorhanden sind. Da die Nachfrage nachgelassen hat, sind große Menschenmenge, die sich eine der Wannen teilen, ebenfalls nicht mehr zu erwarten.  

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 Viele Mieter solcher traditionellen Wohnungen investieren ihr Geld lieber in ihre Hobbys oder sparen es für größere Anschaffungen, die sie in der Zukunft planen. Das Echo in den sozialen Netzwerken auf die Umfrage ist gespalten. Viele Menschen werfen den Verantwortlichen vor, Armut auf diese Weise zu positiv darzustellen. Andere wiederum fühlen sich an alte Anime erinnert, in denen ebenfalls solche Wohnungen vorgestellt werden.  Die meisten Japaner können sich aber ein Leben ohne eigenes Bad mit Dusche oder Badewanne nicht mehr vorstellen.

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Wohnen ohne eigenes Bad kann ein Abenteuer sein

Die Angebote der Sento haben sich ebenfalls verändert, so stehen die meisten Badehäuser nicht 24 Stunden am Tag zur Verfügung, wer also im Schichtdienst oder sehr lange arbeitet, hat kaum die Zeit, das Badehaus zu nutzen. Ein Besuch kostet heute in der Regel 500 Yen (3,50 Euro), wenn man also jeden Tag ein solches aufsucht, belaufen sich die Ausgaben schnell auf 15.000 Yen (etwa 105 Euro) im Monat. Außerdem ist der Gang zum Sento nicht zu jeder Jahreszeit ein kleines Vergnügen nach getaner Arbeit.

Wer allerdings das besondere Erlebnis schätzt weiß, kann durch die öffentlichen Angebote sehr gut auch ohne eigenes Badezimmer durch den Tag kommen. Überdies arbeiten auch die Badehäuser daran, ihr Angebot auszubauen, um wieder interessanter zu werden, sodass ein Sento-Besuch durchaus ein Highlight nach einem anstrengenden Arbeitstag sein kann.

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