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HomeNachrichten aus JapanSoziales & LebenKoreanische Gruppe reicht Beschwerde gegen NHKs Hiroshima-Twitter-Projekt ein

Sender versäumt angemessenen Umgang mit brisantem Tweet

Koreanische Gruppe reicht Beschwerde gegen NHKs Hiroshima-Twitter-Projekt ein

Im September hatte der japanische öffentlich-rechtliche Sender NHK auf Twitter ein ungewöhnliches Projekt gestartet. In Echtzeit berichten drei Accounts davon, wie drei Atombombenüberlebende damals den Abwurf und die Zeit danach erlebten. Ein Account sorgte jedoch mit einem negativen Tweet zu Koreanern für Aufsehen. NHK entschuldigte sich, was einer koreanischen Gruppe jedoch nicht ausreicht, die deswegen nun eine Beschwerde einreichten.

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Am Mittwoch reichte die Korean Residents Union in Japan (Mindan) gegen NHK aufgrund des Projekts Hiroshima Timeline bei dem Hiroshima Legal Affairs Bureau den Antrag ein. Sie fordern Hilfsmaßnahmen für die Verletzung von Menschenrechten. Ebenfalls soll Hiroshima NHK, die für das Projekt verantwortlich sind, eine Verwarnung erhalten.

Tweet spiegelt Vorurteile wider

Zu dem besagten kontroversen Tweet kam es auf dem Account des damaligen Schuljungen Shun. Seit März hatte das Profil zusammen mit dem Account einer Hausfrau und eines Journalisten über ihr Leben in Hiroshima geschrieben, basierend auf den Berichten und Tagebucheinträgen der realen Personen. Am 20. August, 5 Tage nach dem Abwurf, schrieb der Shun-Account über Koreaner.

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Er schrieb, dass in Osaka die siegreichen Koreaner einen Zug stürmten, Personen herauswarfen und Fenster zerschlugen. Da Tweets als Teil des Projekts unkommentiert blieben, sei ein negativer Eindruck entstanden, der Vorurteile gegenüber Koreanern widerspiegelt.

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Mindan erklärte dazu, dass der Tweet die angebliche Unmoral der Koreaner betont und wichtige Hintergrundinformationen fehlen. Noch heute leiden Koreaner in Japan unter Diskriminierungen, die auf Vorurteilen aus der Kriegszeit beruhen. Aus diesem Grund reagierte die Gruppe sehr empfindlich und sieht in dem Tweet eine Verletzung des internationalen Übereinkommens zur Beseitigung von Diskriminierungen der Herkunft und dem japanischen Gesetz gegen Hassreden.

NHK will sich bessern

Gegenüber dem Hiroshima Legal Affairs Bureau gab die Gruppe an, dass es keine Erklärung von NHK zu bestimmten Ereignissen gab, die zu dem Tweet führten. Ebenfalls stellten sie keine Gegenmaßnahmen auf, um eine Wiederholung solcher Vorfälle zu verhindern. Deswegen soll es eine Warnung und Untersuchung für den Sender geben.

Der besagte Tweet ist bis heute nicht gelöscht und NHKs Entschuldigung sahen viele nur als halbherzig an. Lee Keun Chool, 66, Vorsitzender des Menschenrechtsschutzausschusses, sieht das ähnlich. Die Reaktion des Senders sei unaufrichtig und sie sollten den Tweet wirklich löschen.

Der Leiter des Hiroshima Hauptquartiers in Mindan, Lee Yeong Jun, zeigte sich empört. Er sei enttäuscht, dass der Sender so unüberlegt die sozialen Medien verwendet. Eine Untersuchung sei deswegen sehr wichtig, da so etwas wieder passiert, wenn die Gründe nicht bekannt sind. Auch NHK gab dazu erneut an, dass sie nicht als diskriminierungsfördernd gelten wollen. Sie wollen deswegen gründliche Maßnahmen ergreifen, um solche Vorfälle in der Zukunft zu verhindern.

MS

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