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60 Prozent haben keinen Notfallplan für Toiletten

Mehrheit der japanischen Großstädte hat im Katastrophenfall keine Toiletten

Japans Gemeinden sind dazu angehalten sich für einen Katastrophenfall in jeder Hinsicht ausreichend vorzubereiten. Allerdings hängen einige Kommunalverwaltungen vor allem bei der Sicherstellung von Toiletten ziemlich hinterher, wie eine Umfrage von der Mainichi Shimbun zeigte.

In der Umfrage von August wurden die 20 von der Verordnung festgelegten Städte und die 23 Sonderbezirke von Tokyo befragt, die alle antworteten. Die Zeitung wollte dabei wissen, ob es einen Plan zur Bereitstellung und Verwaltung von Toiletten im Falle von Naturkatastrophen gebe. 60 Prozent gaben an, dass sie keinen Plan haben, obwohl dies von dem Regierungskabinett gefordert ist.

18 Verwaltungen gaben an, dass sie einen Plan auf Basis von Schätzungen umgesetzt haben. Darunter sind Kyoto, Osaka, Kobe, Nagoya, Chiba und Yokohama. Bei den Sonderbezirken von Tokyo waren es mit Sumida, Arakawa, Setagaya, Suginami und Nerima lediglich fünf mit einem Plan.

Im Katastrophenfall sind Toiletten sehr wichtig

Gleichzeitig gaben allerdings 50 Prozent aller Befragten an, dass sie nicht genügend Toiletten für den Katastrophenfall gesichert haben. Tragbare Versionen waren dabei schon mit eingeschlossen. Aus diesem Grund können sie zurzeit nicht die vorgegebenen Richtlinien für die größtmögliche Nummer an Evakuierten erfüllen.

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Toiletten gelten als einer der wichtigsten Faktoren nach einer Naturkatastrophe. Wenn die Infrastruktur zerstört ist, werden viele Toiletten unbrauchbar. Das ist ein höheres Risiko für die Gesundheit von Bewohnern und könnte unter anderem Infektionskrankheiten sowie andere gefährliche Erkrankungen verbreiten.

Vor allem in Städten mit einer großen Bevölkerung wird sich Sorgen gemacht, dass eine Toilettenknappheit verheerende Auswirkungen auf die Situation von Überlebenden haben kann. Das Bedenken ist aufgrund der derzeitigen Pandemie dazu nur noch gewachsen, da Evakuierungszentren sich bereits jetzt vor Clusterinfektionen fürchten.

Fehlende Toiletten sind ein Gesundheitsrisiko

Das Problem der Toilettenknappheit fand erst zum Hanshin Erdbeben 1995 größere Aufmerksamkeit. 2011 zum Erdbeben zeigte sich, dass Vorbereitungen dringend notwendig sind. Wasserwerke stoppten teilweise ihren ganzen Betrieb, sodass Toiletten unbrauchbar wurden. Das hatte Auswirkung auf Evakuierte, die versuchten so wenig wie möglich auf Toilette zu gehen.

Unter anderem kam es zu Fällen von Venenthrombosen. Andere versuchten wenig zu trinken und zu essen. Ebenfalls kam es zu Infektionskrankheiten, da Badezimmer nicht sauber waren. Auch beim Chuetsu Erdbeben 2004 in Niigata und beim Kumamoto Erdbeben 2016 würden ähnliche gesundheitliche Probleme beobachtet. Dazu ist die Frage der Toilettensicherung nicht nur eine gesundheitlich, sondern auch eine der Menschenwürde, wie der stellvertretende Direktor der Society for Disaster Shelter and Refuge Life erklärte.

Aufgestellte Richtlinien werden ignoriert

Aus diesem Grund hatte das Kabinettsbüro April 2016 Richtlinien für die Sicherung und Verwaltung von Toiletten im Katastrophenfall aufgestellt. Es wurde dabei festgelegt, dass pro 50 Personen eine Toilette direkt nach der Katastrophe vorhanden sein soll. Bei Langzeit-Evakuierungen soll es hingegen eine Toilette auf 20 Personen sein. Allgemein wird erwartet, dass die Toiletten durchschnittlich pro Person fünfmal am Tag verwendet werden.

Die Richtlinien des Kabinettsbüros wurden allen Kommunalverwaltungen über die Präfekturregierungen mitgeteilt. Das Bewusstsein der Kommunalbehörden hat sich jedoch nicht geändert. Somit gibt es auch kaum einen Fortschritt bei der Umsetzung des Plans. Daher wird erneut dazu aufgefordert eine Bevorratung von temporären Toilettenanlagen und Toiletten voranzutreiben und mit anderen Verwaltungen zusammenzuarbeiten, um das Ziel zu erreichen.

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