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Missbrauch findet meistens in der Schule statt

Mehrheit der missbrauchten Schüler in Japan erkennt erst Jahre später die Übergriffe

In Japan ist Kindesmissbrauch weiterhin ein großes Problem. Neben Verwandten gehören oft auch Lehrer zu den Tätern. Eine Umfrage ergab nun, dass Schüler, die von Lehrkräften missbraucht wurden, die Übergriffe meistens erst Jahre später als solche auch wahrnehmen.

Zwischen dem 9. bis zum 31. Juli wurde eine Online-Umfrage unter Personen durchgeführt, die in der Schule Opfer von sexuellem Missbrauch wurden oder fast Opfer wurden. 149 hatten auf die Umfrage reagiert, wobei bei den Fragen mehrere Antwortmöglichkeiten erlaubt waren.

Schüler bemerken Missbrauch meistens nicht sofort

80 Prozent der Befragten gaben an, dass sie zum damaligen Zeitpunkt sich nicht dem Missbrauch bewusst waren. Die Mehrheit mit 22,6 Prozent bemerkte es erst innerhalb von zehn Jahren. 12,2 Prozent erkannten den Übergriff innerhalb von fünf Jahren und 10,4 Prozent erst innerhalb von 15 Jahren. In vielen Fällen werden die sexuellen Übergriffe als Unterricht getarnt.

Mehr zum Thema:  Fälle von Kindesmissbrauch in Japan sollen auf sexuellen Missbrauch untersucht werden

Bei der Art des Missbrauchs gaben 24,8 Prozent an, dass sie ungewollt angefasst wurden. 20,8 Prozent waren sexuellen Gesprächen ausgesetzt und 12,7 Prozent hatten Kontakt mit sexuellen Handlungen. Ebenfalls gaben 12,7 Prozent an, dass sie angeguckt wurden. Allgemein gaben 80 Prozent an, dass die Übergriffe in der Schule stattfanden, wobei 30 Prozent davon sich während des Unterrichts ereigneten.

Die Zahlen zeigen, dass selbst bei eindeutigen Übergriffen die Schüler den Missbrauch zuerst nicht bemerken. Oft glauben Opfer, dass sie sich nur etwas eingebildet haben oder dass die Lehrer sie eigentlich gut behandelt haben. Das führt dazu, dass Opfer mit niemandem darüber sprechen, weil sie in den Lehrern gar kein Täter sehen und der Missbrauch bleibt lange unbemerkt.

Andere Lehrer schauen weg

Umso wichtiger ist es, dass umstehende Personen die Übergriffe bemerken und etwas dagegen unternehmen. Bei 41 Prozent hatten andere Lehrkräfte den Missbrauch bemerkt. Allerdings gaben dazu 63,4 Prozent an, dass nichts gemacht wurde.

Bezogen auf die 108 Personen, die mehrmals Übergriffe erlebten, haben nur fünf Personen Hilfe von den Eltern oder Polizei erhalten. Bei mehr als der Hälfte endete der Missbrauch sofort mit ihrem Abschluss oder ihrer Versetzung. Bei den Konsequenzen für die Täter sind hingegen die Zahlen erschreckend niedrig. Unter allen 149 Personen wurden nur in zwei Fällen Lehrer entlassen.

Die Ergebnisse der Umfrage wurden am 10. Dezember auf einer Pressekonferenz des Presseklubs des Bildungsministeriums der stellvertretenden Bildungsministerin Yoko Wanibuchi vorgestellt. Vorgetragen wurden sie von Ikuko Ishida, die auch die Umfrage indiziert hatte.

Bildungsministerium soll Maßnahmen ergreifen

Die 43-Jährige wurde in der Junior Highschool auch Opfer von sexuellem Missbrauch durch einen Lehrer und setzt sich seitdem gegen Missbrauch in der Schule ein und ist an dem Projekt Schoolmetoo beteiligt. Sie startete auch aus diesem Grund die Umfrage, um die Realität von sexueller Gewalt in japanischen Schulen deutlich zu machen.

Ishida zeigte sich ernsthaft besorgt, dass Kinder nicht nach Hilfe fragen können, auch wenn sie den Missbrauch stoppen wollen. Sie bat deswegen Wanibuchi Maßnahmen zu ergreifen, welche die Realität der Opfer widerspiegeln. Nach der aktuellen Situation können Täter nämlich weiter ihrem Treiben nachgehen, da Opfer sich nicht melden.

Ishida fordert unter anderem, dass es verpflichtend für Ausschüsse von Dritten ist, bei Ermittlungen Psychologen und Anwälte mit einzubeziehen. Oft würden die Zuständigen nämlich weggucken, wenn von anderen behauptet wird, dass die Täter gar nicht dazu fähig sein oder Opfer Übergriffe für sich behalten sollen.

Es sind deswegen umfassendere Untersuchungen dringend notwendig. Gleichzeitig ruft Ishida Lehrkräfte dazu auf Missbrauch sofort zu melden, wenn sie ihn bemerken.

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