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Kaum Informationen über Hilfsangebote

Obdachlose Menschen kämpfen in Japan ums überleben

Im Kampf gegen die Pandemie hat Japan viele Maßnahmen ergriffen, die Hilfe für Obdachlose und generell arme Menschen wird allerdings nur halbherzig behandelt.

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Mittlerweile sieht man immer mehr,  dass insbesondere junge Menschen um Hilfe betteln müssen, weil sie sich nicht mehr selbst zu helfen wissen. Es gibt zwar Angebote, allerdings sind diese nur schwer in Anspruch zu nehmen und nur wenige wissen davon.

Angebote für obdachlose Menschen kaum bekannt

So auch ein 35-jähriger Mann, der am Westtor der JR Shinjuku Station betteln muss. Der Mann hält ein Stück Pappe mit der Aufschrift: „Bitte helfen Sie mir, ich kämpfe wegen Corona.“  Er hofft Geld von Passanten zu bekommen, die ihm ab und zu eine Münze zuwerfen.

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Durch den Coronavirus hat er seinen Job verloren und bisher keinen neuen gefunden. Über die Neujahrsfeiertage wohnte er im Haus eines Freundes, sagt aber, dass er nicht ewig von ihm abhängig sein könne und nun lebt er auf der Straße und hofft, dass er etwas Geld bekommt.

Zwar hat die Stadtverwaltung von Tokyo 1.000 Hotelzimmer für die vorübergehende Unterbringung von Obdachlosen zur Verfügung gestellt, allerdings weiß kaum einer davon. So auch der Mann nicht, der sagte: „Ich habe von einem Bekannten von dem Programm gehört, aber ich weiß nicht, wie ich die Hilfe in Anspruch nehmen kann.“

Pandemie hat viele den Job gekostet

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Ren Onishi Direktor der zertifizierten, gemeinnützigen Organisation Moyai Support Centre for Independent Living sagt zur Situation der Obdachlosen: „Es gibt viele andere da draußen, die auf gleiche Weise kämpfen, besonders unter den jungen Leuten. Der durch die Pandemie hervorgerufene wirtschaftliche Einbruch fordert seinen Tribut, insbesondere von Teilzeitbeschäftigten, Tagelöhnern und anderen mit unsicheren Arbeitsverhältnissen.“

Am 9. Januar hatten mehr als 2000 Menschen im Rahmen eines Programms in Tokyo Lebensmittel verteilt. Die Zahl der Empfänger war 2,5 Mal so hoch wie im vergangenen Jahr.

Laut einer Erhebung des Ministeriums für Gesundheit, Arbeit und Wohlfahrt wurden in Japan durch die Pandemie 80.000 Menschen entlassen.

Aufforderung Unterstützung zu beanspruchen

Auf einer Pressekonferenz am 25. Dezember 2020 rief Norihisa Tamura, Minister für Gesundheit, Arbeit und Soziales, die Menschen dazu auf, Unterstützung für den Lebensunterhalt zu beantragen: „Menschen, die wirklich in Not sind, haben das Recht, Leistungen zu erhalten, also möchte ich, dass sie sich ohne zu zögern bewerben.“ Eine außergewöhnliche Aufforderung von einem Minister.

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Die japanische Regierung hat ebenfalls eine Reihe von Hilfsprogrammen auf den Weg gebracht und scheint bereit zu sein, auf die aktuelle Notlage zu reagieren.

Aber selbst, wenn es mehr Hilfsmaßnahmen gibt, müssen die Menschen, die sie benötigen, auch an die Informationen darüber kommen.

Es wird nicht genug getan, um zu informieren

Viele Obdachlose wohnen zum Beispiel in Internetcafés, eigentlich eine gute Möglichkeit, die Informationen weiterzugeben, aber die Regierung sieht davon ab.

Laut eines Sprechers der Abteilung für Wohlfahrt der Tokyoker Stadtverwaltung, gibt es auch keine Absicht, dies zu tun und das, obwohl, dies eine sehr effektive Methode wäre.

Immer mehr Mitarbeiter von Organisationen, die sich um obdachlose Menschen kümmern, berichten, dass sie oft hören, dass Betroffene die Hilfsmaßnahmen gar nicht kennen.

Ein weiteres Problem ist auch der Scham, die viele empfinden, wenn sie eine Hilfsleistung in Anspruch nehmen. Davon berichtet auch Onishi: „Selbst, wenn Bedürftige von der Unterstützung wissen, wollen einige die Hilfe nicht in Anspruch nehmen.“

„In Japan wird Armut als eine Sache der persönlichen Verantwortung gesehen. Diejenigen, die so denken, sollten angesprochen und überzeugt werden, damit sie sich bei der Inanspruchnahme von Unterstützungsleistungen wohlfühlen“, so Onishi.

Dazu kommt, dass viele Menschen gegenüber Obdachlosen feindselig eingestellt sind, was auch dazu führt, dass man Hilfsmaßnahmen nicht in Anspruch nehmen möchte.

Er fügte hinzu: „Es reicht nicht aus, nur Beratungsstellen zu eröffnen und darauf zu warten, dass die Leute kommen. Ich möchte, dass die Verwaltungsinstitutionen die Führung bei der Zusammenarbeit mit privaten Unterstützungsgruppen übernehmen, damit die Menschen die Dienste proaktiver nutzen können.“

Hinweis:

Wer Hilfe in Anspruch nehmen möchte, kann dies in Tokyo unter der Telefonnummer 0120-874-225 (in japanischer Sprache) und nur für Frauen unter 0120-874-505 (in japanischer Sprache) oder auf der Webseite der Stadt tun.

Hinweise zum Notfall-Kredit und weitere Unterstützung gibt es auf der Website des Ministeriums für Gesundheit, Arbeit und Soziales (nur japanisch). Auf Englisch gibt es die Informationen auf der internationalen Webseite des Ministeriums.

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