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Immer mehr Anfragen bei Hilfsorganisationen

Pandemie führt zu einem Anstieg der Selbstmordrate in Japan

Durch die wirtschaftliche Belastung der Pandemie ist die Selbstmordrate in Japan gestiegen, mittlerweile schlagen Hilfsgruppen Alarm.

Nach Angaben der National Police Agency (NPA) ist die vorläufige Zahl der Selbstmordfälle im August im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 15,7 Prozent gestiegen und auch die Regierung hat erklärt, dass die Selbstmordgefahr steigen könnte. Nichtregierungsorganisationen und andere Gruppen, die sich um Selbstmordprävention bemühen, erhalten immer mehr Anfragen.

Organisationen stehen einer Flut von Anfragen gegenüber

„In dem Restaurant, das ich diesen Frühling eröffnet habe, gibt es keine Kunden. Ich habe keine andere Wahl, als es zu schließen“, sagte eine Frau, die im Juli bei „Befrienders Osaka“ – einer gemeinnützigen Organisation in der west-japanischen Stadt – anrief.

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Sie befand sich in einer schwierigen Situation, da wegen der Verbreitung des Coronavirus kaum noch Kunden in ihr Geschäft kamen. „Ich habe so hart für die Eröffnung gearbeitet“, sagte die Frau, die offenbar zu müde war, um überhaupt eine Motivation für die Suche nach einem neuen Job zu finden.

Befrienders Osaka sagt, die Anfragen im Zusammenhang mit der Pandemie begannen im Juli zu steigen, und die Zahl der Anfragen nach Beratungen ist seit dem Auftreten der Pandemie insgesamt um etwa 30 Prozent gestiegen.

Die Abteilung für Gesundheitsförderung der Stadtverwaltung von Tokyo bietet im Rahmen von Maßnahmen zur Suizidprävention Konsultationen über eine Hotline und soziale Medien für Einwohner und Arbeitnehmer in der Hauptstadt an. Auch die Abteilung sagt, dass die Zahl der Anfragen im Vergleich zum Vorjahr zunimmt.

Nach Angaben der NPA ist die Zahl der Selbstmordfälle in den letzten Jahren weiter zurückgegangen und erreichte 2019 mit 20.169 Personen den niedrigsten Stand seit Beginn der Erfassung der Zahlen im Jahr 1978.

Selbstmordrate im August gestiegen

Obwohl die Selbstmordfälle während des Höhepunktes der ersten Welle neuartiger Coronavirus-Infektionen im April im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 17,7 Prozent zurückgingen, war die Zahl im Juli ähnlich hoch wie im Vorjahr. Im August stieg die Zahl um 251 Fälle auf 1.854 Personen.

Von den Fällen im August waren 651 Menschen, die sich das Leben nahmen, Frauen, was einem Anstieg von 40,3 Prozent im Vergleich zum gleichen Monat im Jahr 2019 entspricht.

Die japanische Regierung fordert eine Verstärkung der Maßnahmen zur Suizidprävention und sagt, seit Juli gibt es Anzeichen für einen Aufwärtstrend.

Dabei wurde auf den Zusammenhang zwischen der Zahl der Selbstmorde und der wirtschaftlichen Situation und der Arbeitslosenquote hingewiesen, wie etwa auf den Anstieg der Fälle Ende der 1990er-Jahre nach dem Zusammenbruch der „Finanzblase“.

In diesem Jahr stieg die Arbeitslosenquote, die im Februar 2,4 Prozent betrug, im August auf 3 Prozent, und die Zahl der Arbeitslosen in Japan erreichte etwa 2,06 Millionen.

Masaharu Maeda, Professor für Katastrophenpsychiatrie an der Medizinischen Universität Fukushima, erklärte, dass der Hauptgrund für den jüngsten Anstieg die Arbeitslosigkeit sein könnte.

Diese Menschen könnten aufgrund der Arbeitslosigkeit ihr Zuhause verlieren und ihr geistiger und körperlicher Zustand könnte sich verschlechtern, da sie keine Hilfe erhalten können. Sie laufen Gefahr isoliert zu werden.

Bei den Teilzeitarbeitnehmern, die mit dem Problem der Entlassung und der Beendigung von Arbeitsverträgen konfrontiert sind, handelt es sich zumeist um Frauen und laut Maeda  könnte dies mit der Zunahme von Selbstmordfällen unter Frauen im August zusammenhängen.

Die Bemühungen zur Verhinderung von Selbstmorden werden auch durch die Coronavirus-Präventionsmaßnahme der körperlichen Distanzierung beeinträchtigt.

Organisationen versuchen Menschen über Social Media zu erreichen

„Mokuteki no aru Tabi“, eine in der nordjapanischen Präfektur Akita ansässige gemeinnützige Organisation, sagte eine Veranstaltung ab, bei der junge Menschen im April und Mai frei über ihre Anliegen diskutieren konnten.

Obwohl sie im Juni wieder stattfand, gab es eine Zeit, in der nur eine Person daran teilnahm. Es ist das erste Mal in ihrer achtjährigen Geschichte, dass die Organisation eine solche Situation erleben, und Direktor Tsuyoshi Kusano kommentierte: „Die Teilnehmerzahl nimmt aus Angst vor einer Ansteckung ab. Menschliche Beziehungen fallen jetzt leicht auseinander“.

Aufgrund solcher Situationen versuchen Bürgerinitiativen und Kommunalregierungen, die Systeme zur Bereitstellung von Konsultationen, auch über soziale Medien, zu stärken.

Um solche Bemühungen zu unterstützen, hat das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Wohlfahrt 870 Millionen Yen für den zweiten Nachtragshaushalt für dieses Finanzjahr bereitgestellt.

Anmerkung der Redaktion: Sollten Sie Suizidgedanken haben, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge (http://www.telefonseelsorge.de). Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen helfen konnten, einen Ausweg aus einer problematischen Situation zu finden.

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