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Gemeinnützige Vereine schlagen Alarm

Pandemie verstärkt in Japan die Armut bei jungen Menschen

Junge Menschen in Japan, besonders diejenigen, die keine Familie haben, leben oft in Armut. Die Pandemie verschlimmert die Situation immer mehr.

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Immer mehr Menschen berichten, dass sie sich nur einen Becher Instant-Nudeln pro Tag leisten können oder ein Monatsgehalt von nur 30.000 Yen (ca.231,27 Euro) haben.

Gemeinnützige Organisationen versuchen jungen Menschen zu helfen

Viele dieser jungen Menschen haben nur wenige Personen, an die sie sich wenden können, wenn überhaupt. Da die Pandemie besonders die Menschen getroffenen hat, die eine Teilzeitbeschäftigung haben, oder nur sehr unregelmäßig arbeiten, müssen sie um ihr Überleben kämpfen.

Private Organisationen in Japan versuchen diesen Menschen mit Spenden zu unterstützen, allerdings ist dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

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Masterpiece ist so eine Organisation, die jungen Menschen unterstützt, die nach dem sie ein Pflegeheim verlassen haben, nun versuchen auf eigenen Beinen zu stehen.

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Die Organisation bekommt Hilferufe wie zum Beispiel: „Ich kürze meine Lebensmittelkosten und esse nur noch eine Tasse Instan-Nudeln am Tag“, oder „Mein Gehalt lag im Februar unter 30.000 Yen. Mein Vater ist verstorben und ich habe keinen Kontakt zu meiner Mutter.“

Als weiteres Beispiel nannte Masterpiece den Fall einer 19-jährigen Frau aus Tokyo, die in ein Pflegeheim aufgenommen wurde, als sie im zweiten Jahr der Highschool war. Ihre Mutter misshandelte sie, weswegen sie zum Schutz aus der Familie genommen wurde.

Obwohl sie seit ihrem Schulabschluss im März 2020 bei Ihrem Vater und ihren jüngeren Brüdern lebt, muss sie alle anfallenden Kosten selbst zahlen.

Sie arbeitet als Teilzeitkraft, besucht die Berufschule und kümmert sich sogar um ihre jüngeren Geschwister.

100.000 Yen der Regierung nicht erhalten

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Obwohl der japanische Staat im vergangenen Frühjahr 100.000 Yen an jeden Einwohner des Landes auszahlte, sagt die junge Frau, dass sie von dem Geld nichts wusste, was daran liegt, dass das Geld an den Haushaltsvorstand ausgezahlt wurde und ihr Vater behielt das Geld für sich.

Viele Organisationen gehen davon aus, dass der Fall der jungen Frau kein Einzelfall ist und viele junge Menschen das Geld der Regierung nicht erhalten haben, obwohl sie es dringend benötigen.

Zusätzlich verschärft die Pandemie die Arbeitsbedingungen für viele dieser Menschen. Im Fall der jungen Frau wurde ihr Gehalt auf knapp 30.000 Yen gekürzt, die Hälfte ihres eigentlichen Gehalts.

Mit diesem Geld muss sie ihre Nebenkosten, also Essen usw., selbst zahlen. Daher reicht es nicht einmal, um sich eine vernünftige Mahlzeit zuzubereiten.

Die Frau hat sich an Masterpiece gewandt, um einen Zuschuss zu ihrem Gehalt zu bekommen und sagt: „Ich habe bereits einmal eine unangenehme Erfahrung gemacht, als ich mich einem Freund anvertraut habe, deshalb fällt es mir schwer, mit meinen Freunden darüber zu reden.“

Zweiter Ausnahmezustand hat die Situation verschlimmert

Marika Kikuchi, Leiterin von Masterpiece, äußerte sich besorgt über die aktuelle Situation: „Während des zweiten Ausnahmezustands gab es keine vorübergehenden Schulschließungen und bei vielen Menschen hatte die Maßnahme kaum Auswirkungen auf ihr tägliches Leben. Auf der anderen Seite sind die Einkommen junger Menschen, die in Teilzeit oder als irreguläre Arbeiter arbeiten, nur gesunken, und einige sagen, dass es sogar noch schlimmer ist als beim letzten Ausnahmezustand“. Die Notlage mancher Menschen ist noch versteckter geworden.“

Oft können sich die jungen Menschen anderen Personen nicht anvertrauen, sei es aus Angst oder weil sie befürchten, noch mehr isoliert zu werden
Oft können sich die jungen Menschen anderen Personen nicht anvertrauen, sei es aus Angst oder weil sie befürchten, noch mehr isoliert zu werden. Bild: Sushipaku

Nach Angaben des Ministeriums für Gesundheit, Arbeit und Soziales gibt es in ganz Japan etwa 27.000 Kinder in Pflegeeinrichtungen, die aufgrund von Missbrauch und anderen Gründen nicht bei ihren Erziehungsberechtigten leben.

Jugendliche, die im Alter von 18 Jahren solche Einrichtungen verlassen, neigen dazu, sich zu isolieren, da sie kaum Erwachsene haben, auf die sie sich verlassen können. Es gibt auch eine große Anzahl solcher Personen, sowohl Studenten als auch berufstätige Erwachsene, die in finanziellen Schwierigkeiten stecken.

Nach dem Auszug oft keine Hilfe

Obwohl das japanische Kinderschutzgesetz vorschreibt, dass die Einrichtungen, mit denen die ausziehen, sprechen und ihnen beim Übergang in die Selbstständigkeit helfen müssen, ist diese Unterstützung nicht ausreichend, da es unter anderem an Mitarbeitern und finanziellen Mitteln mangelt.

Daher wurde in den letzten Jahren die Bedeutung der Nachbetreuung für junge Menschen, die die Einrichtungen verlassen haben, hervorgehoben.

Darüber hinaus ist es, selbst wenn sie allgemeine öffentliche Unterstützung erhalten möchten, für die Betroffenen schwierig,  einen Antrag bei der zuständigen Behörde zu stellen, was daran liegt, dass sie keine Informationen finden und es oft vorkommt, dass man sie nicht versteht.

Behörden versuchen abzuschrecken

Experten sagen, dass viele junge Menschen zögern, die Behörden aufzusuchen, weil sie an den Beratungsfenstern schlecht behandelt werden, nachdem sie ihre Situation erklärt haben, dass sie niemanden haben, auf den sie sich verlassen können.

Das Tokyo Voluntary Action Center (TVAC), das vom Tokyo Council of Social Welfare betrieben wird, führte zwischen Mai und August 2020 im Rahmen des Outreach Project, einem Unterstützungsprogramm in Zusammenarbeit mit Goldman Sachs, eine Umfrage durch.

Diese Umfrage ergab, dass fast die Hälfte der Befragten antwortete, dass sich ihre Lebensbedingungen im Vergleich zu vor dem Coronavirus verschlechtert hatten.

Einkommen durch die Pandemie gesunken

Darüber hinaus gaben 40 Prozent derjenigen, die derzeit arbeiten an, dass ihr Einkommen aufgrund der Pandemie gesunken sei.

Während 28 Prozent der Befragten – die größte Gruppe – von einem Rückgang zwischen 20 Prozent und 40 Prozent berichteten, machten diejenigen, die angaben, dass ihr Einkommen um mehr als 60 Prozent gesunken sei, 13 Prozent aus.

Die japanische Regierung wird ab dem nächsten Geschäftsjahr Betreuer zur Unterstützung des Übergangs der jungen Menschen in die Selbstständigkeit in landesweiten Pflegeeinrichtungen einsetzen.

Allerdings sagten gemeinnützige Organisationen, dass ein System besser wäre, dass verschiedene Ausgaben abdeckt wie zum Beispiel Umzugskosten oder auch Kosten für Essen und Kommunikation, was dabei Hilft, dass diese Menschen es einfacher haben, Vertraute zu finden.

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