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Paare mit unterschiedlichen Nachnamen fürchten sich vor rechtlichen Schwierigkeiten

Pandemie zeigt ungerechte Behandlung von japanischen Common Law Paaren

Die Pandemie sorgt bei vielen Menschen für Angst und Unsicherheit. In Japan machen sich vor allem Paare unter dem Common Law mit verschiedenen Nachnamen große Sorgen, da sie im Fall einer Infizierung nicht die gleichen Rechte haben wie Ehepaare. Aus diesem Grund werden die Forderungen lauter, das zu ändern.

Betroffen von dem Problem sind vor allem Paare unter dem sogenannten Common Law. Es ist in Japan die einzige Möglichkeit unter dem System den eigenen Nachnamen zu behalten. Bei einer normalen Ehe muss sich das Paar nämlich für einen Namen entscheiden. Da allerdings die alternativen Partnerschaften rechtlich nicht komplett abgesichert sind, überlegen viele sie jetzt in eine richtige Ehe umzuwandeln.

Pandemie macht Probleme deutlicher

Nun stehen sie jedoch vor dem Problem sich zwischen Sicherheit oder Individualität entscheiden zu müssen. Vor allem Frauen müssen sich entscheiden, ob sie ihren Namen ablegen. Da viele von ihnen sich unter ihrem Namen ein Berufsleben aufgebaut haben, ist es eine sehr schwere Entscheidung.

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Auf der anderen Seite müssen die Paare auf Ehegattensteuerabzüge verzichten. Auch beim Erbrecht und dem Erziehungsrecht gibt es weiterhin Probleme. Mit der Pandemie kommen nun neue Schwierigkeiten hinzu, die zeigen wie problematisch das System ist.

Bei einer Einlieferung ins Krankenhaus wird befürchtet, dass Partner nicht als Familienmitglieder anerkannt werden und keine wichtigen Gesundheitsupdates bekommen. Auch die Zustimmung für medizinische Behandlungen im Namen des anderen könnte verweigert werden.

Unterlagen zur Bestätigung reichen nicht aus

In Hinsicht der Kinder kann es passieren, dass wenn der Partner mit dem Namen stirbt, den die Kinder haben, dass das andere Elternteil kein Recht auf das Sorgerecht hat. Das Gleiche gilt für rechtliche Angelegenheiten, die nur über einen der Familiennamen laufen.

Eine Bürgergruppe aus Tokyo bestätigte, dass sie seit Beginn der Pandemie zahlreiche Anrufe von Common Law Paaren bekamen, die besorgt um ihre Rechte waren. Naho Ida, Leiter der Gruppe, will deswegen mehr öffentliche Aufmerksamkeit erreichen, damit verschiedene Nachnamen endlich normalisiert werden.

Professor Shuhei Ninomiya von der Ritsumeikan University in Kyoto erklärt, dass Paare zwar versuchen können mit offiziellen Dokumenten ihren Status zu bestätigen. Es gibt aber keine Garantie von der Regierung, dass die Unterlagen als Beweise angenommen werden. Außerdem löst es am Ende nicht das eigentliche Problem.

Professor Masayuki Tanamura von der Waseda University sagte dazu, dass das System veraltet ist und an die aktuellen Familiensituationen angepasst werden sollte. Auch die Bevölkerung sieht das so. In einer Umfrage von 2017 gaben von 3.000 Befragten 42,5 Prozent an, dass sie eine Änderung des Gesetzes unterstützen. Nur 29,3 Prozent waren dagegen. Geändert hat sich bis jetzt jedoch nicht viel.

Verständnis für Common Law Paare wächst nur langsam

Einige Paare versuchen deswegen allein gegen das Gesetz anzukommen und klagen. Bisher ohne jeglichen Erfolg und Gerichte sehen die Reglung nicht als verfassungswidrig an, den Familiennamen zu verweigern. Eine Begründung ist unter anderem, dass verheiratete Paare mit gemeinsamem Namen eine besondere Bedeutung haben.

Ein Ausschuss der Vereinten Nationen zur Beseitigung der Diskriminierung der Frau fordert hingegen eine schnelle Änderung des Systems der Common Law Paare. Auch wenn japanische Gerichte keine Geschlechtsdiskriminierung bei den Familiennamen sehen, sind es weiterhin 96 Prozent der Frauen, die ihren Namen ablegen. Dazu gibt es immer noch starke Vorurteile unter Politikern.

Trotzdem lässt ein Umdenken in der Regierung auf sich warten. Die Pandemie könnte nun jedoch den konservativen Block zum Bröckeln bringen. Der neue Premierminister Yoshihide Suga überraschte kürzlich damit, dass er das Thema zumindest vorsichtig diskutieren will. Die Bürgergruppe gibt dazu an, dass sie mehr Studiensitzungen mit Experten und Abgeordnete veranstalteten, auch konservative Politiker würden vermehrt kommen.

MS

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