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Das Plakat aus Fukushima entstand in Zusammenhang mit den Olympischen Spielen in Tokyo 2021

Plakat für die Olympischen Spiele ruft dazu auf, Menschen mit Behinderung nicht zu vergessen

Der zeitgenössische Künstler Akira Yamaguchi hatte zu Anfang wenig Lust, sich an einer Werbe-Kampagne für die Olympischen Spiele in Tokyo 2021 zu beteiligen. Er brachte weder den Spielen noch dem Drumherum auch nur ein wenig Interesse entgegen.

Wie viele andere Japaner auch, hatte der Künstler Zweifel, was die ausufernden Kosten, die vermutete Korruption und die Kontroversen im Zusammenhang mit dem neuen Nationalstadion angeht. Gleichzeitig wollte er nicht, dass seine Kunstwerke als Propaganda für die Olympischen Spiele genutzt werden.

Japan als Gastgeberland der Olympischen Spiele in der Kritik

Allerdings betrachtete Yamaguchi das Angebot, ein Plakat für die Spiele zu entwerfen, auch als Chance, die Umstände im Gastgeberland darzustellen. Vor allem die Tatsache, dass sein Plakat für die Paralympics werben sollte, brachte die Künstler dazu, seine Meinung zu überdenken.

Mehr zum Thema:  Pandemie verschärft in Japan die Herausforderungen für Menschen mit Behinderung

In Japan sei es so, dass Proteste gegen etwas oftmals von den Feierlichkeiten übertönt würden. Deswegen dachte Yamaguchi, solle er seine Stimme durch seine Plakate direkt in die Spiele tragen. Sein Kunstwerk „Horseback Archery“ („Bogenschütze zu Pferd“) zeigt neben einer behinderten Bogenschützin außerdem das Atomkraftwerk Fukushima Nr. 1 und die radioaktiv verseuchten Wassertanks.

Yamaguchi kombinierte für seine Darstellung Techniken der japanischen Yamato-e-Malerei mit europäischen Zeichnungen. „Horseback Archery“ zeigt eine Frau in einem langärmeligen Kimono ohne Arme auf einem Pferd, die mit ihrem Mund eine Bogensehne spannt. Im Hintergrund sind Behälter mit radioaktiv verseuchtem Wasser um das Nationalstadium sowie das Kernkraftwerk Fukushima Nr. 1 und das Meer in Fukushima zu sehen.

Gerade in der aktuellen Zeit schlägt sein Kunstwerk große Wellen, weil es die Menschen dazu aufruft, die Schwächsten in der Gesellschaft, die Menschen mit Behinderungen, nicht zu vergessen, was in Japan noch immer gern gemacht wird. Gleichzeitig würden die Olympischen Spiele und die Paralympics an diese Menschen erinnern. Ob die Spiele wegen der aktuellen Pandemie-Situation überhaupt stattfinden können, ist bisher allerdings noch nicht geklärt. Jetzt 200 Tage vor dem Start der Olympischen Spiele in Tokyo werden Stimmen lauter, die die Austragung auch in diesem Jahr infrage stellen.

Anfang Januar 2021 stellte das Organisationskomitee für die Spiele die 20 offiziellen Plakate vor. Derzeit tourt eine Ausstellung dieser Entwürfe durch Japan und auch die Illustration Yamaguchis ist zu sehen. Die Rückmeldungen zu seiner Illustration erweisen sich als äußerst positiv, sein Bild erhielt in den sozialen Netzwerken schon mehr als 10.000 Likes.

Olympische Spiele auch für Menschen mit Behinderungen
Illustration für die Olympischen Spiele und Paralympics 2020 Bild: Tokyo 2020 / Akira Yamaguchi

Menschen mit Behinderung weiterhin in der Gesellschaft kaum Thema

Schon der Vater von Akira Yamaguchi arbeitete mit behinderten Menschen, deswegen war der Künstler seit frühester Kindheit mit Menschen mit Behinderung verbunden. Während er erwachsen wurde, bemerkte der Künstler, dass Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft oftmals unsichtbar waren.

Gleichzeitig ärgerte sich der Künstler, dass viel Geld für die Olympische Spiele investiert werde, ohne auf die Lebensumstände von Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft einzugehen.  Deswegen soll seine Illustration gleichzeitig dazu aufrufen, die japanische Gesellschaft zu reformieren.

In den Details finden sich viele weitere Darstellungen von Menschen mit Behinderungen und mit welchen Einschränkungen sie im Alltag zu kämpfen haben. In sein Plakat ließ Yamaguchi immer wieder Beispiele aus seinem persönlichen Umfeld einfließen. Die „Horseback Archery“ soll die Menschen aber auch daran erinnern, wie schnell sie selbst in eine ähnliche Situation geraten könnten.

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