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HomeNachrichten aus JapanSoziales & LebenRehabilitationseinrichtung für Süchtige kämpft in Kyoto um Akzeptanz

Aber die Ansichten ändern sich

Rehabilitationseinrichtung für Süchtige kämpft in Kyoto um Akzeptanz

In Japan haben es ehemalige Drogenabhängige schwer und viele von ihnen werden rückfällig. Sogenannte Rehabilitationseinrichtungen sollen diesen Menschen helfen, allerdings treffen sie teilweise auf heftigen Widerstand aus der Bevölkerung.

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In Kyoto wollte das gemeinnützige Drug Addiction Rehabilitation Center (DARC) 2018 im Fushimi Bezirk eine Wohneinrichtung bauen. Das Projekt traf allerdings auf heftige Proteste von Anwohnern, welche die Einrichtung nicht in der Nachbarschaft haben wollten.

Einrichtung für ehemalige Drogensüchtige ist unerwünscht

Schon 2003 wurde eine Zweigstelle von DARC in der Gegend eröffnet, die in einem Privathaus war und dazu ein Tageszentrum betrieb. Zu dem Zeitpunkt gab es noch keine Probleme. Erst mit dem Bauprojekt begannen die Proteste.

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Eine gemeinsame Nachbarschafts-Task-Force wurde von einem Zusammenschluss an Nachbarschaftsverbänden gegründet. In der Stadt wurden überall Flyer verteilt und bei mehreren Treffen wurden Einwände gegen die Baupläne erhoben.

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Dazu wollten die Anwohner wissen, was die DARC davon hält, so eine Einrichtung an der Straße zur Grundschule zu bauen. Dazu kam das Argument auf, dass Süchtige gar nicht krank sind und deswegen die Rehabilitationseinrichtung nicht brauchen.

Allerdings gab es auch nicht nur Anfeindungen. Ein Nachbarschaftsverband stellte sich 2019 gegen die Proteste. Sie wiesen darauf hin, dass DARC von dem Gesundheitsministerium, der Präfektur Kyoto und der Stadtregierung anerkannt wird. Die Proteste könnten deswegen Diskriminierungen und Vorteile schüren.

Das rührte die Betreiber des geplanten Hauses sehr und sie schöpften neuen Mut. Später gab der Vorsitzende des Nachbarschaftsverbandes an, dass es allgemein eine Menschenrechtsverletzung sei, sich in den Bau einzumischen, da jeder das Recht auf Wohnraum hat.

Studierende gründen Unterstützungsprojekt

Er hatte zwar zu Anfang auch Bedenken wegen der kriminellen Vergangenheit vieler Mitarbeiter und Bewohner. Als er jedoch sah, wie sie bei Gemeinschaftsfesten und -veranstaltungen halfen und wirklich hart an ihrer Genesung arbeiteten, änderte er seine Meinung. Sie würden einen wichtigen Teil zur Gemeinschaft beitragen, was viele aber gar nicht merkten.

Auch einige Studierende begannen das Projekt zu unterstützen. Sie versuchten auf die Wichtigkeit der Einrichtung aufmerksam zu machen und die Menschen über Drogensucht aufzuklären. Als Studentengruppe REAH arbeiteten sie später mit den Bewohnern zusammen und verkauften mit ihnen selbst gemachte Accessoires. In der Zukunft sind noch weitere Aktivitäten geplant.

Der Streit über das Haus spaltete die Gemeinde am Ende trotzdem tief, nachdem auch andere Verbände ihre Meinung geändert hatten. Einen gegenseitigen Austausch gibt es wohl nicht mehr. Obwohl die Einrichtung mittlerweile seit letztem September offen hat und es keine Vorfälle gab, bleibt die Task-Force misstrauisch. Für sie seien es alles Kriminelle, die immer Süchtige bleiben. Protestieren tun sie aber nicht mehr.

Rehabilitationszentren erweisen sich als erfolgreich

Das Drug Addiction Rehabilitation Center wurde 1985 von dem ehemaligen Drogenabhängigen Tsuneo Kondo gegründet. Die private Einrichtung ist auf die Unterstützung der Genesung von Alkoholikern und Drogenabhängigen spezialisiert. Viele der Mitarbeiter sind dabei selbst ehemalige Abhängige. Zurzeit gibt es 60 Branchen des Zentrums in 42 Präfekturen.

Mit ihrem Konzept hat das Zentrum großen Erfolg. Laut einer Umfrage des National Center of Neurology and Psychiatry im Jahr 2018, hatten 88 Prozent der Personen bereits nach sechs Monaten keine Rauschmittel mehr konsumiert. Nach zwei Jahren lag die Zahl immer noch bei 63 Prozent. Mittlerweile hat auch die japanische Polizei verstanden, dass eine ernsthafte Rehabilitation mehr bringt, als Gefängnisstrafen.

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