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HomeNachrichten aus JapanSoziales & LebenSanitärboxen für Hygieneartikel erobern die Männertoiletten in Tokyo

Ernster Hintergrund

Sanitärboxen für Hygieneartikel erobern die Männertoiletten in Tokyo

In mehreren der 23 Tokyoter Bezirke werden inzwischen Sanitärboxen für Hygieneartikel in Männertoiletten aufgestellt, allein in Edogawa zum Beispiel in 56 Einrichtungen.

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Was sich zunächst nach einem etwas missglückten Versuch der Steigerung der Gendergerechtigkeit in Japan anhört, hat leider einen ernsthaften Hintergrund.

Keine Hygienebehälter auf normalen Herrentoiletten

Aufgrund der Überalterung der japanischen Gesellschaft gibt es immer mehr Männer, die aus Altersgründen oder aufgrund einer Prostatakrebserkrankung gezwungen sind, Windeln oder Binden zu tragen

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Nach Untersuchungen des „National Cancer Center“ Japans gab es schon im Jahre 2018 über 92.000 Prostatakrebserkrankungen und der Markt für Einlagen bei Blasenschwäche bei Männern hat sich seit 2014 versechsfacht.

Diese Inkontinenzartikel dürfen jedoch nicht einfach in der nächsten (in Japan ohnehin kaum vorhandenen) Mülltonne entsorgt werden, und mit Ausnahme von Mehrzwecktoiletten und Krankenhaustoiletten gibt es auf klassischen Herrentoiletten keine Hygienebehälter.

Bewegung zu Förderung von mehr Sanitärboxen

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Im Februar führte die Japan Toilet Association eine Umfrage durch, bei der
26 von 38 Männern, die Artikel zur Behandlung von Harninkontinenz benutzen, angaben, dass sie Entsorgungsprobleme aufgrund der fehlenden Hygienebehälter hätten.

Inzwischen gibt eine Bewegung in Japan, die versucht, das öffentliche Problembewusstsein in Japan zu schärfen, und die Aufstellung von Hygienebehältern, nicht nur in kommunalen Regierungsgebäuden in ganz Japan, sondern auch in privaten Unternehmen, zu fördern.

Diese Bewegung wurde von Frau Takako Otani ins Leben gerufen, die in einer Kolumne der Saitama Shimbun im Januar 2022 das erste Mal öffentlich auf das Problem aufmerksam machte, über das japanische Männer bisher aus Scham nicht sprechen wollten oder konnten.

Genderneutrale Multifunktionstoiletten als Lösung?

Neben den Bezirken Minato, Koto, Shinagawa, Ota, Nakano, Suginami, Arakawa und Nerima wollen auch Toshima, Taito und Adachi und Bunkyo Sanitärboxen aufstellen, von den verbleibenden zehn Bezirken planen zumindest 8 die Aufstellung dieser Behälter.

An manchen Stellen herrscht bisher noch die Besorgnis, dass die Sanitärboxen für die Entsorgung anderer Abfälle genutzt werden könnten und daher die Notwendigkeit bestünde, das allgemeine Bewusstsein über die Funktion der Boxen zu schärfen. Vermutlich wird also demnächst ein Schaubild mit Mangabildern über die richtige Benutzung der Sanitätsboxen aufklären.

Vereinzelt werden die Sanitärboxen in (genderneutralen) Multifunktionstoiletten als ausreichend erachtet, allerdings erfordert dies langfristig wiederum Maßnahmen, die eine Überbenutzung dieser Toiletten verhindern.

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