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HomeNachrichten aus JapanSoziales & LebenSchokoladengeschäft in Zentraljapan floriert, geraden wegen der vielen behinderten Mitarbeiter

Die Japaner sind von der Initiative und der Qualität der fertigen Pralinen überzeugt

Schokoladengeschäft in Zentraljapan floriert, geraden wegen der vielen behinderten Mitarbeiter

Die La Barca Group Association ist ein großer Schokoladenhersteller mit Hauptsitz in Kyodo (Zentraljapan). Das 2014 gegründete Unternehmen wollte seit Beginn eine integrative Gesellschaft fördern und stellte deswegen viele Mitarbeiter mit Behinderungen oder psychischen Probleme ein. Diese stellen dort hochwertige Schokolade her.

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Mittlerweile hat das Unternehmen Niederlassungen überall in Japan. Im Juni 2021 kam eine neue Fabrik mit dem Namen „Pulverlabor“ dazu. Dort arbeiten zehn Menschen mit schweren geistigen Behinderungen. Sie übernehmen kleine Aufgaben, die sonst nur schwer in den Produktionsprozess integriert werden können. So stellen sie aus speziellen Blättern unter anderem Grüntee-Pulver her, das für die feine Abstimmung der Schokoladen benötigt wird.

Schokolade für den besonderen Geschmack

Viele große Hersteller lagern diese Aufgaben aus und lassen große Mengen herstellen, allerdings entstehen dabei oft nur standardisiertes Pulver, die die La Barca Group nicht verwenden möchte. Die behinderten Arbeitnehmer verdienen dazu wesentlich mehr als Menschen, die in Sozialeinrichtungen arbeiten.

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Die Menschen mit Behinderung verdienen etwa 50.000 Yen (etwa 385 Euro) im Monat, wobei sie an fünf Tagen in der Woche jeweils fünf Stunden arbeiten. Dies entspricht in etwa dem Doppelten dessen, was sie in einer Wohlfahrtseinrichtung erhalten würden. Dort haben die Mitarbeiter 2020 nur etwa 220 Yen (etwa 1,70 Euro) die Stunde verdient. Der Geschäftsführer des Schokoladenherstellers ließ außerdem schon durchblicken, dass er die Gehälter weiter erhöhen möchte.

Das Unternehmen umfasst aktuell 550 Mitarbeiter, wobei einige auch in verschiedenen Franchise-Filialen tätig sind. Mehr als die Hälfte, nämlich 350, haben entweder eine geistige oder körperliche Behinderung, eine Entwicklungsstörung oder eine psychische Beeinträchtigung. Bekannt ist der Hersteller für seine Terrine-Pralinen, von denen es rund 150 unterschiedliche Geschmacksrichtungen gibt. Für das laufende Geschäftsjahr wird ein Umsatz von 1,5 Milliarden Yen (11,5 Millionen Euro) erwartet, was einem Anstieg von 25 gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Unternehmen wächst stetig weiter

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Mittlerweile gibt es Niederlassungen an 52 Standorten. Viele der Mitarbeiter mit Beeinträchtigungen haben schon früh anfangen beim Schokoladenhersteller zu arbeiten und übernehmen dort wichtige Aufgabe, wie die Überwachung der Temperatur der Schokolade. Sie sind mit ihren Aufgaben, die auf ihre Beeinträchtigungen angepasst sind, sehr glücklich und wollen nirgendwo anders arbeiten.

Auch transgender Menschen arbeiten inzwischen in den verschiedenen Geschäften, wo sie Schokolade und andere Leckereien an die Kunden bringen. Sie sind ebenfalls von der sehr offenen Stimmung im Unternehmen angetan. Der Geschäftsführer musste anfangs viele Schwierigkeiten überwinden, bevor er mit seinem Schokoladen-Unternehmen richtig durchstarten konnte.

Schokolade für einen besonderen Anlass
Exklusive Präsente Bild: La Barca Group Association

2003 gründete er eine Bäckerei, die ebenfalls Menschen mit geistiger Behinderung beschäftigte, nachdem er gehört hatte, wie wenig die Menschen in den örtlichen Wohlfahrtseinrichtungen verdienen. Der Japaner wollte einen Ort schaffen, an dem auch behinderte Menschen einen ordentlichen Lohn für ihre Arbeit erhalten.

Die Bäckerei erwies sich aber als Flaggschiff, das eine schwere Bruchlandung erlitt. Die behinderten Angestellten kamen mit dem Zeitdruck, der bei der Herstellung von Teig und Broten entsteht, nicht zurecht. Auch ein Café, bei dem aber auch Schnelligkeit gefragt war, erwies sich als nicht rentabel und überforderte die beeinträchtigen Angestellten.

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Später lernte der Mann einen Chocolatier kennen, die seine Pralinen an Luxushotels und berühmte Restaurants lieferte. Er erklärte, dass jeder Schokolade mit hochwertigen Zutaten und den richtigen Verfahren herstellen könne. Je mehr der Japaner über die Herstellung von Schokolade lernte, desto sicherer wurde er, dass auch Menschen mit Behinderungen sie problemlos machen könnten.

Aufgaben angepasst an die Mitarbeiter

Die Schokolade der La Barca Group stammt aus über 30 Ländern und wird ohne den Zusatz von Öl hergestellt, sodass bei der Produktion viele Aufgaben in Handarbeit durchgeführt werden müssen. Eile ist hierbei eher selten geboten und wenn etwas schiefgeht, können die fertigen Produkte einfach wieder eingeschmolzen werden. Es gehe auch nicht darum, die Menschen zu ändern, sondern sie sollen ihre Fähigkeiten so einsetzten, wie sie können und als Team zusammenarbeiten.

Das Unternehmen will sich zu einer der führenden Schokoladenmarken in Japan entwickeln. Vor allem zum Valentinstag steigen die Verkaufszahlen jedes Jahr mehr. Die hohe Qualität der Pralinen soll die Menschen überzeugen und nicht die Tatsache, dass sie von Menschen mit Behinderung hergestellt wird.

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