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Aufmunternde Zeilen

Tagebuchprojekt eines Schreibwarenladens aus Kamakura macht Menschen Mut

Handgeschriebene Zeilen von Unbekannten, die anderen Menschen während der Pandemie ein Lächeln ins Gesicht zaubern – das ist die Idee des Tagebuchtausches, entstanden in Kamakura.

In einer immer schnelllebigeren Welt mit Fokus auf Digitalisierung erscheint es schon fast revolutionär, sich wieder vermehrt von Hand geschriebenen Texten zu widmen. Das dachte sich auch Kyoko Hidaka, Illustratorin und Mitinhaberin von Kotori, einem Schreibwarengeschäft in Kamakura. Mithilfe von Kotori haben Menschen die Möglichkeit, Tagebuch zu schreiben. Das Besondere daran: Menschen, die sich nicht kennen, füllen gemeinsam ein Buch aus.

Teilnehmer empfinden Projekt als beruhigend

Das Tauschprojekt wird bereits jetzt, nach nur kurzer Laufzeit, mit positivem Feedback bedacht. Die Teilnehmer empfinden es als beruhigend, ihre Gedanken handschriftlich in dem bunten Buch zu verewigen. Das A5 große Tagebuch überzeugt die Menschen außerdem mit seinen bunten Illustrationen und Buchstaben.

Um das Projekt ins Rollen zu bringen, schickt das Geschäft einem Teilnehmer ein leeres Notizbuch zu. Der Empfänger darf es seinen Vorstellungen entsprechend befüllen und dabei maximal vier Seiten vollschreiben. Dann schickt er es zurück an das Geschäft. Vom Geschäft aus wird das Buch dann an den nächsten Teilnehmer versandt. 60 Menschen haben sich für das Projekt angemeldet.

Motivierende Notizen im Tagebuch-Format

Die Einträge in dem Buch sind so unterschiedlich wie die Verfasser selbst. Viele Zeilen befassen sich thematisch mit der Coronavirus-Pandemie. Es finden sich auch Mut machende Notizen darin wieder, wie zum Beispiel: „Ich hoffe, dass sich die Situation bald beruhigt und wir eine strahlende Zukunft haben können, die die besten Teile unseres alten und neuen Lebensstils vereint. Jeden Tag sage ich: ‚Wenn das Coronavirus vorbei ist‘, aber wir müssen uns nur noch ein wenig gedulden. Lasst uns alle unser Bestes geben!“

Das Tagebuchprojekt weckt bei so manchem Teilnehmer Erinnerungen an die Schulzeit. So ganz neu ist das Projekt nämlich nicht: In einigen Schulen war es vor allem in den 1990er-Jahren üblich, mit Freunden ein Tauschtagebuch zu führen. „Es fühlt sich nostalgisch an“, sagt einer der Teilnehmer in Erinnerungen schwelgend. Das Projekt erlebt heute ein Revival, an dem er sich gern beteiligt.

Erinnerungen an die Schulzeit

In seinem Tauschtagebuch hinterließ er eine Erinnerung daran, wie er in der Schule aus der Klasse geworfen wurde, als der Lehrer den Schreiber und einen Freund dabei erwischte, wie sie während des Unterrichts einen Brief herumreichten.

Aktuell sind zwei Notizbücher im Umlauf. Etwa acht Personen pro Monat haben bislang ihre Gedanken in den bunten Büchern miteinander geteilt.

Diese Doppelseite eines Tagebuches wurde von der Projektteilnehmerin Ayumi Sakai gestaltet.
Diese Doppelseite eines Tagebuches wurde von der Projektteilnehmerin Ayumi Sakai gestaltet. Bild: MA

Eine von ihnen ist Ayumi Sakai aus der Präfektur Aichi. Sie erhielt das Buch im Januar zu einer Zeit, in der sich viel in ihrem Leben veränderte. Sie heiratete, wechselte ihren Job, zog dafür um, konnte jedoch aufgrund des Coronavirus an vielen Tagen nicht zur Arbeit gehen. Die handgeschriebenen Zeilen ließen sie eine Wärme spüren, die sie durch eine Maske oder über einen Online-Bildschirm nicht fühlen könne.

Das Tauschtagebuch war für sie wie „eine einmalige Begegnung“. Sie füllte ihre Seiten mit farbenfrohen Einträgen in der Hoffnung, dass auch diejenigen, die das Buch nach ihr kommen, ein Gefühl der Fröhlichkeit verspüren werden.

Notizen sind Zeugen der jeweiligen Zeit

„Handgeschriebene Briefe haben Wärme und können die Atmosphäre der jeweiligen Zeit ausdrücken. Es macht einfach Spaß, ein von Herzen kommendes Tagebuch anzuschauen“, sagt Kyoko Hidaka. Sie hofft, dass die Menschen nach der Pandemie in den Laden kommen werden, um sich die ausgefüllten Bücher dort anzusehen.

Das Schreibwarengeschäft Kotori in Kanagawa erfreut sich großer Beliebtheit. Der zwölf Quadratmeter große Laden zieht auch viele Kunden außerhalb der Präfektur an. Das urige Geschäft befindet sich im ersten Stock eines Privathauses. Bunte Farben bestimmen das Bild des Lädchens.

Schreibwarenladen besteht seit zehn Jahren

In diesem Jahr besteht Kotori seit zehn Jahren und hat, wie viele andere Geschäfte auch, mit den Folgen der Pandemie zu kämpfen. Die Zahl der Kunden ist um die Hälfte zurückgegangen. Um das Geschäft wieder etwas zu beleben, kam Mitinhaberin Hidaka auf die Idee, das Tauschtagebuch Projekt ins Leben zu rufen.

Sie habe nach etwas gesucht, „an dem Menschen, die den Laden nicht besuchen können, teilnehmen können, das sich außergewöhnlich und aufregend anfühlt“. Das scheint Hidaka mit den nostalgisch anmutenden Tauschtagebüchern gelungen zu sein.

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