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Familien wünschten sich nur einen besseren Service und sprachen über ihre Gedanken

Tageseinrichtung in Gunma schmeißt behinderte Kinder nach Kritik am Service raus

In Japan ist es durchaus nicht einfach einen Platz für Menschen mit schweren Behinderungen zu finden, wo sie gut und sicher aufgehoben sind. Mehrere Familien hatten aus diesem Grund den Betreiber einer Tageseinrichtung für behinderte Personen gebeten, seinen Service zu verbessern. Als Reaktion wurden jedoch einfach die Kinder aus der Einrichtung geworfen.

Die Mainichi Shimbun berichtete kürzlich von dem erst jetzt bekannt gewordenen Vorfall, der sich rund um ein Wohlfahrtsunternehmen in Isesaki, Gunma ereignete. Die Betreuung von vier Personen wurde von dem Betreiber Kashinoki abgesagt, nachdem die Familien um eine Verbesserung des Services gebeten hatten. Auslöser dafür war eine Mitteilung im Februar 2016.

Tageseinrichtung kündigt überraschend

Kashinoki gab bekannt, dass sie ihren Dienst reduzieren und kürzen werden. Die Familien trafen sich daraufhin mit dem Unternehmen für eine Erklärung. Ihnen wurde dabei unter anderem erklärt, dass sie keine Unterstützung anbieten können, die viel Personal erfordert.

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Unzufrieden mit der Begründung wandten sich die Familien an die Wohlfahrtsabteilung für Menschen mit Behinderungen der Stadtregierung. Zusammen reichten sie August 2016 ein Schreiben mit ihren Gedanken und Wünschen zu der Situation ein. Statt jedoch Verständnis zu erreichen, kam es genau anders.

Im September 2016 erhielten die Familien der vier Kinder in der Tageseinrichtung eine Mitteilung vom Unternehmen. In dem Schreiben wurde ihnen gesagt, dass die Fortsetzung der Unterstützung schwierig sei und sie deswegen den Vertrag mit Ende des Monats auflösen. Die Familien versuchten über die Stadtregierung Kashinoki umzustimmen, jedoch erfolglos.

Familien gerieten in Schwierigkeiten

Nach der Kündigung kämpften die Familien damit, einen neuen Platz für ihre Familienmitglieder zu finden. Für viele hatte sich urplötzlich ihr Leben total geändert und sie gerieten in eine verwirrende Situation. Es war schwer für die Menschen eine neue Einrichtung zu finden, da sie aufgrund ihrer teilweise schweren Einschränkungen besondere Pflege benötigten, die nicht jeder anbot.

Einige waren gezwungen sich Urlaub zu nehmen oder gar ihren Job zu kündigen, um sich um ihre Familienmitglieder zu kümmern. Das führte dazu, dass nun einige Haushalte zusätzlich mit finanziellen Schwierigkeiten kämpfen. Es dauerte zwischen sechs Monate bis zwei Jahre, bis alle vier wieder in einer Tageseinrichtung waren.

Rückblickend sind viele Familienmitglieder immer noch sehr schockiert von der Reaktion des Betreibers. Eine Person erzählte, dass sie aufgrund der schwierigen Situation nirgends hin konnten und sozial isoliert sowie verzweifelt waren. Ein anderer Vormund gab an, dass er ratlos wegen des Rückschlags war. Er begann den Menschen zu misstrauen und war jeden Tag besorgt, was er nun tun sollte. Eine Person gab sogar an, dass sie darüber nachdachte ihr Kind zu misshandeln.

Betreiber spricht von Vertrauensbruch

Trotz der Verzweiflung sind viele jedoch noch eins nach all den Jahren, wütend. Ein Vormund fragte, ob Menschen mit Behinderungen nicht ihre Unzufriedenheit ausdrücken dürfen und ob sie in einer schwachen Position nicht trotzdem von der Gesellschaft gehört werden sollen.

Kashinoki selbst reagierte nun auf die Offenlegung des Falls. Direktor Masami Okabe gab an, dass sie sich betrogen fühlten, als die Familien der Kinder, die schon viele Jahre bei ihnen waren, mit der Stadtregierung sprachen. Das Vertrauen zwischen der Tageseinrichtung, des Unternehmens und den Familien sei laut ihm zerstört gewesen.

Weiter erklärt Okabe jedoch, dass sie die Beziehung wieder verbessern wollten und anboten den Vertrag für Oktober 2016 wieder aufzunehmen. Laut ihm haben alle Familien jedoch eine erneute Unterzeichnung des Vertrags abgelehnt. Die Familien geben allerdings etwas anderes an. Sie haben nie eine Erklärung für eine mögliche Neuunterzeichnung erhalten. Dazu äußerte sich Kashinoki bisher noch nicht.

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