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Gemeinden uneins über weitere Verwahrung

Todesfallprotokolle erreichen 10 Jahre nach Erdbeben Aufbewahrungsfrist

Protokolle über indirekte Todesfälle aufbewahren oder entsorgen? Diese Frage stellen sich zehn Jahre nach dem großen Erdbeben in Ostjapan mehrere Gemeinden aus Iwate, Miyagi und Fukushima.

Nach dem Erdbeben und dem darauffolgenden Tsunami 2011 wurden von den 29 betroffenen Gemeinden der drei Präfekturen Untersuchungsausschüsse für katastrophenbedingte Todesfälle eingerichtet. Sie haben Protokolle erstellt, die sensible Informationen über den Tod zahlreicher Menschen enthalten. Protokolliert wurden außerdem Aussagen der Hinterbliebenen. Für die Verifizierung verwandter Todesfälle seien diese Daten unerlässlich, heißt es.

Protokolle über indirekte Todesfälle

Bei diesen Datensätzen geht es jedoch nicht um Todesfälle, die direkt auf eine Katastrophe wie zum Beispiel ein Erdbeben zurückzuführen sind. Protokolliert werden die Fälle, die eine gewisse Zeit nach einer Katastrophe eintreten. Dazu zählen unter anderem Vorerkrankungen, die sich aufgrund einer längeren Evakuierung verschlimmert haben.

Mithilfe dieser Protokolle können Ärzte und Anwälte erklären, ob es einen Zusammenhang zwischen einer Katastrophe und einem Todesfall gibt. Das ist für die Hinterbliebenen von besonderer Bedeutung. Ist der Zusammenhang nachweisbar, steht ihnen eine sogenannte Kondolenzzahlung zu.

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Nach Angaben der japanischen Wiederaufbaubehörde beläuft sich die Zahl der indirekten Todesopfer der Katastrophe von 2011 auf insgesamt 3775, darunter 470 in der Präfektur Iwate, 929 in der Präfektur Miyagi und 2320 in der Präfektur Fukushima.

Fünf von 29 Gemeinden haben nun beschlossen, die Protokolle der Ausschüsse zum Erdbeben und zum Tsunami dauerhaft zu speichern. Dazu zählen die Hauptstadt der Präfektur Miyagi, Sendai, die Präfekturstädte Ishinomaki und Kesennuma, die Präfekturstadt Ogawara sowie das Dorf Iitate in der Präfektur Fukushima.

18 Gemeinden sind noch unentschlossen

Weitere sechs Gemeinden hatten die Protokolle bereits entsorgt oder beschlossen, sie vorschriftsmäßig zu entsorgen. 18 Gemeinden wissen noch nicht, ob sie die Protokolle aufbewahren oder beseitigen wollen. Das sind 60 Prozent aller Befragten.

„Wir haben beschlossen, die Protokolle dauerhaft als Referenzmaterial aufzubewahren, da auch in Zukunft Anträge auf Überprüfung von Todesfällen im Zusammenhang mit der Katastrophe gestellt werden könnten“, sagte Vertreter der Stadtverwaltung von Ishinomaki. Die Stadtverwaltung Sendai will die Protokolle nach der Aufbewahrungsfrist von 10 Jahren im Stadtarchiv unterbringen.

Am 12. März kam es zu einer Explosion im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi, die durch einen Tsunami ausgelöst wurde. Nicht jeder Todesfall, der seitdem protokoliert wurde, hat direkt mit der Naturkatastrophe zu tun.
Am 12. März kam es zu einer Explosion im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi, die durch einen Tsunami ausgelöst wurde. Bild: AS

Protokolle mit einer Aufbewahrungsfrist von 5 Jahren wurden in den Städten Iwaki und Soma (Präfektur Fukushima) bereits entsorgt. Vier weitere Stadtverwaltungen, darunter Fukushima und Koriyama, wollen ihre Protokolle entsorgen, wenn die zehnjährige Aufbewahrungszeit abgelaufen ist. Ein Sprecher der Stadt Higashimatsushima in der Präfektur Miyagi sagte, dass die Protokolle „bis auf Weiteres“ aufbewahrt werden.

Wie lange Verwaltungsdokumente aufbewahrt werden, entscheidet jede Gemeinde auf Grundlage ihrer eigenen Regeln. Auch auf den vorhandenen Platz kommt es an: Einige lokale Regierungen hätten schlichtweg keinen Platz, um die Unterlagen aufzubewahren, heißt es von einem Beamten des Kabinettsbüros. Die Politik könne deswegen nicht einheitlich verlangen, alle Protokolle aufzubewahren.

Indirekte Todesfälle sind bei jedem Unglück Thema

Viele Regierungen scheinen dennoch zögerlich zu sein mit der Entsorgung der Dokumente, da sie als Aufzeichnungen der Katastrophe von 2011 dienen. Die Protokollierung indirekter Todesfälle ist bei jeder Naturkatastrophe in Japan ein Thema. Beim Kumamoto-Erdbeben im April 2016 machten die indirekten Todesfälle etwa 80 Prozent der Gesamt-Todesfälle aus. In Bezug auf das Erdbeben und den Tsunami waren es 20 Prozent.

Der Vorsitzende des Katastrophenhilfekomitees der japanischen Vereinigung der Anwaltskammern, Susumu Tsukui, spricht sich aus diesem Grund für den Erhalt der Dokumente aus. „Sie sollten nicht weggeworfen, sondern für Maßnahmen zur Katastrophenvorbeugung verwendet werden“, sagt Tsukui.

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