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HomeNachrichten aus JapanSoziales & LebenTokyo geht gegen Tagelöhner vor

Angeblich zum Schutz vor der Sommerhitze

Tokyo geht gegen Tagelöhner vor

Die Stadtverwaltung von Tokyo hat für den gesamten Juli und August alle Arbeiten für Tagelöhner gestrichen. Als Grund wurde die Sommerhitze genannt und dass man vermeiden möchte, dass sie einen Hitzschlag erleiden.

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Das ist das erste Mal in diesem Jahr, dass die Stadtverwaltung diese Jobs gestrichen hat, die für Bedürftige geschaffen wurden, um sie zu unterstützen.

Tagelöhner sollen vor der Sommerhitze geschützt werden

Zwar wird die Sommerhitze als Grund dafür genannt, wieso man Tagelöhnern keine Jobs mehr anbieten will, allerdings dürfte der eigentliche Grund die Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele sein, denn auch Obdachlose wurden bereits aus dem Stadtbild entfernt.

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Für viele Obdachlose sind die Tagelöhnerjobs die einzige Einnahmequelle, viele bezahlen damit ihren Aufenthalt in Internetcafés.

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Die Aussetzung im Juli und August wurde im Frühjahr angekündigt und mangels Alternativen müssen sich sozial schwachen Menschen noch mehr einschränken.

Nach Angaben der Abteilung für Arbeitsförderung der Stadtverwaltung Tokyo, wurden die Jobs für Tagelöhner 1972 im Bezirk Sanya eingeführt. Es war als Ergänzung gedacht und sollte Menschen helfen, über die Runden zu kommen.

Die Arbeiten erstrecken sich dabei hauptsächlich auf die Reinigung von Grundstücken, die der Stadtverwaltung gehören, also Parks und Straßen.

Der Tageslohn beträgt etwa 8.000 Yen (ca. 62 Euro) für knapp 6 Stunden Arbeit. Im Haushaltsjahr 2020 arbeiten 1.529 Tagelöhner für die Stadt, 90 Prozent davon waren über 60 Jahre alt. Die Jobs werden über private Arbeitsvermittler weitergegeben.

Olympische Spiele der eigentliche Grund?

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Im August 2020 brach ein Tagelöhner zusammen und starb an einem Hitzschlag, für die Stadtverwaltung der Grund, Maßnahmen gegen Hitzschläge einzuführen, die in diesem Jahr noch einmal verstärkt worden.

Nachdem die Maßnahmen beschlossen wurden, wollten einige Tagelöhner mit der Verwaltung reden, doch sie wurden gar nicht erst in das Gebäude, in dem das Amt seinen Sitz hat, hereingelassen. Dabei wurde sich auf Sicherheitsmaßnahmen während der Olympischen Spiele berufen.

Überhaupt scheinen in diesem Jahr die Olympischen Spiele der eigentliche Grund dafür zu sein, wieso man im Juli und August keine Jobs für Tagelöhner vergeben will. Denn Tokyo hat einiges umgebaut, darunter auch auf Geländeflächen, die zu dem Projekt gehören, wo man die Menschen arbeiten lässt. Außerdem hat die Stadtverwaltung vor den Spielen versucht, Obdachlose zu vertreiben, um sie so aus dem Blickfeld verschwinden zu lassen.

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