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HomeNachrichten aus JapanSoziales & LebenTraditionelle Süßwarengeschäfte in Japan verschwinden allmählich

Immer weniger Dangashiya in Japan

Traditionelle Süßwarengeschäfte in Japan verschwinden allmählich

Jeder, der sich ein wenig mit Japan beschäftigt, kennt die traditionellen Süßwarengeschäfte (dagashiya), die ein großes Angebot, insbesondere an Dagashi, haben. Im typischen Klischeebild werden diese Geschäfte meistens von einer alten Dame geführt.

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Man kann die Dagashiya mit „Tante-Emma-Läden“ vergleichen, klein, ein großes Angebot und überall zu finden. Doch was bei „Tante-Emma-Läden“ bereits passiert ist, erleben gerade die Dagashiya, sie verschwinden allmählich.

Traditionelle Süßwarengeschäfte sterben in Japan langsam aus

Nach Angaben der japanischen Regierung ist die Zahl der traditionellen Süßwarengeschäfte von 228.123 im Jahr 1972 auf nur noch 74.304 im Jahr 2016 gesunken.

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Das ist auch darauf zurückzuführen, dass man Dagashi mittlerweile in jedem 100-Yen-Shop oder im Konbini findet.

Kurze Erklärung Dagashi sind nicht unbedingt als Süßigkeit zu bezeichnen, denn es gibt auch herzhafte Varianten. Im Ausland kennt man sie allerdings kaum, da ist Wagashi den meisten eher ein Begriff.

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Dagashiya sind tief verwurzelt in Japan und es gibt wohl nur wenige, die sich nicht an ihre Kindheit erinnern, wie sie zu so ein Süßwarengeschäft gegangen sind und mit leuchtenden Augen Süßigkeiten gekauft haben.

Dabei ging es allerdings nicht unbedingt nur um die Naschereien, sondern auch um die Verpackung und die Präsentation. Denn überall sah man Figuren aus Anime oder Manga. Ein kleines Kinderparadies eben.

Dangashiya in Kawagoe (Saitama)
Dagashiya in Kawagoe (Saitama). Bild: Dailytransit / Wikimedia

Mit Dagashiya verschwindet auch ein Ritual vieler Kinder

Man könnte sagen, dass die Dagashiya ein Äquivalent der Sakariba sind (Vergnügungsviertel für Erwachsene). Eine Art „Zwischenstation“ zwischen den Verpflichtungen in der Schule, den sozialen Anforderungen und den Einschränkungen Zuhause.

Mittlerweile haben Convenience Stores diese Rolle übernommen, können sie aber nicht so gut ausfüllen.

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Kinder haben heute weniger Freizeit in Japan, der Besuch des Dagashiya nach der Schule war daher eine Art „Ritual“, nicht nur um Süßigkeiten zu kaufen, sondern um seine sozialen Kontakte zu pflegen.

Die Frage, die sich selbst Experten in Japan stellen, was kann diesen sozialen Aspekt ersetzen?

Dagashiya in Yokohama
Dagashiya in Yokohama / Bild: Dpika / Wikimedia

Das Aussterben geht weiter

Mittlerweile gibt es sogenannte „Dagashiya-Jäger“, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, diese Süßwarengeschäfte aufzuspüren und zu besuchen. Mittlerweile hat sich eine große Community daraus entwickelt, aber auch sie können nicht verhindern, dass diese Geschäfte immer weiter aussterben.

Die Blütezeit der traditionellen Süßwarengeschäfte ist leider vorbei, denn wie so vieles, wird das traditionelle durch etwas Modernes ersetzt.

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