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Vor allem Teenager werden ungewollt schwanger

Ungewollte Schwangerschaften während der Pandemie sorgen in Japan für Besorgnis

Im April waren Japaner im Rahmen des Ausnahmezustandes angehalten so wenig herauszugehen wie möglich. In dem Zeitraum stiegen landesweit die unerwünschten Schwangerschaften schlagartig an. Das sorgte vor allem bei der Regierung für Besorgnis, die sich nun genauer mit der Situation befassen will.

Ein eigenes Forschungsteam des Gesundheitsministeriums soll sich genauer mit den Gründen befassen, wieso Frauen dieses Jahr abgetrieben haben. Es soll untersucht werden, wie viele Abtreibungen es in diesem Jahr gab und wie sie mit Arbeitslosigkeit durch die Pandemie und einem geschrumpften Einkommen zusammenhängen.

Auswirkungen vom Ausnahmezustand sollten schnell erforscht werden

Ebenfalls sollen die Schwierigkeiten erfasst werden, die Frauen hatten, als sie zu Hause blieben. Für die Studie bittet das Ministerium 190 medizinische Einrichtungen, die Abtreibungen durchführen, mit ihnen zusammenzuarbeiten.

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Mit der geplanten Umfrage wird gehofft, Frauen in dieser schwierigen Situation besser zu helfen. Tomoko Adachi, Geschäftsführer der Japanischen Vereinigung der Geburtshelfer und Gynäkologen, und Mitglied des Forschungsteams, erklärte, wie wichtig die Daten sind.

Es ließe sich zurzeit nicht sagen, wann die Menschen wieder offiziell gebeten werden zu Hause zu bleiben. Aus diesem Grund müssen sie die Hintergründe der ungewollten Schwangerschaften und Abtreibungen untersuchen, um sie zu reduzieren, so Adachi. Ebenfalls sind Maßnahmen zum Schutz der Frauen und auch Kinder wichtig. Die genaue Analyse der Umfrage wird es vermutlich jedoch erst am Ende des aktuellen Geschäftsjahres geben.

Ungewollte Schwangerschaften bei Teenagern

Gruppen machen hingegen seit Monaten darauf aufmerksam, dass es besonders bei Teenagerinnen und Frauen in den Zwanzigern zu den ungewollten Schwangerschaften kommt. Grund dafür könnten unter anderem die Schulschließungen sein. Laut einer gemeinnützigen Organisation aus Mikkumie, Mie spielen die Schließungen im Frühjahr eine wichtige Rolle bei Teenie-Schwangerschaften. So gab eine Vertreterin an, dass es bei ihnen einen Anstieg an Beratungsgesprächen gibt.

Von April bis September hatten sie 70 Konsultationsanrufe, was fast so viel wie die Gesamtzahl von 100 Anrufen von 2019 ist. Etwa die Hälfte der Anrufer waren noch Teenager. Einige gaben an, dass sie aufgrund fehlender Clubaktivitäten und der geschlossenen Schule sich über soziale Medien mit Fremden trafen. Die Vertreterin gab an, dass es wohl allgemein einen Anstieg an derartigen Konsultationen gibt, was eine Folge der Pandemie zu sein scheint.

SOS Shinjuku-Kids & Family, eine Organisation, die jungen Müttern hilft, zeigt sich hingegen besorgt. Während des Ausnahmezustandes stieg gleichzeitig der sexuelle Missbrauch in Japan. Sie befürchten, dass immer mehr junge Frauen Opfer von sexueller Gewalt werden, weil sie zu Hause bleiben.

Sexuelle Gewalt ist ein großes Problem

Direktorin Hatsumi Sato erklärte, dass Opfer von Übergriffen zu ihnen als letzte Hoffnung kommen, da sie glauben, dass sie nicht mit ihren Müttern oder der Polizei sprechen können. Häufig sind nämlich Brüder und Väter die Täter, die sich an ihnen vergreifen.

Auch der Regierung sind die gestiegenen Zahlen zur sexuellen Gewalt bekannt. Letzten Monat gab die Ministerin für Gendergleichstellung, Seiko Hashimoto, an, dass die Zahlen der Übergriffe gestiegen sind. Zwischen April und September gab es in Hilfszentren 23.050 Beratungen, was im Vergleich zum Vorjahr im selben Zeitraum ein Anstieg von 15,5 Prozent ist.

Hashimoto gab zu den Ergebnissen an, dass sie den Menschen deutlich machen müssen, was für Auswirkungen die Pandemie auf die sexuelle Gewalt gegen Frauen haben kann. Sie fordert deswegen, dass die Regierung Frauen mehr unterstützt.

Babyklappe wird überrannt

Bis dahin versuchen gemeinnützige Organisationen so gut es geht zu helfen. In Funabashi, Chiba wurde im Oktober ein Gemeinschaftswohnhaus eröffnet, das vor allem sehr junge schwangere Frauen aufnimmt, die wegen einer ungewollten Schwangerschaft Misshandlungen erleiden oder anderen Probleme haben.

Das Haus ist ein Projekt der Organisation Baby Bridge, die auch Beratungen und spezielle Adoptionen anbieten, die für Frauen landesweit zugänglich sind. Die Organisation hatte das Haus mit 14 Räumen organisiert, nachdem das Jikei Krankenhaus in Kumamoto eine Rekordzahl an Schwangerschaftsberatungen bei Mädchen der Mittel- und Oberstufe gemeldet hatte. Das Krankenhaus ist der Betreiber von Japans bisher einziger Babyklappe. Die erlebt aufgrund der Pandemie einen regelrechten Ansturm, denn das Krankenhaus kaum bewältigen kann.

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