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Weiter warten auf Normalität 10 Jahre nach Fukushima

Eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes hat im März vor 10 Jahren das Leben der Bewohner von Fukushima für immer verändert. Ein Tsunami traf das Atomkraftwerk – mit verheerenden Folgen.

Das von einer Nuklearkatastrophe gebeutelte Fukushima hat seit 2011 eine Transformation durchlebt, die Außenstehenden zeigt: Der Nordosten Japans kämpft sich zurück ins Leben. Straßen wurden restauriert, die öffentliche Infrastruktur wieder hergestellt; Häuser und Geschäfte wurden wieder errichtet. Der Ausbau erneuerbarer Energien in Form von Solaranlagen scheint ein Schritt in die richtige Richtung für die Präfektur.

Zukunft von Fukushima Daiichi

Doch das Bild, das der Rest Japans von Fukushima hat, deckt sich nicht ganz mit den Eindrücken der Anwohner. Das sagt die Autorin Ichie Watanabe (76), wohnhaft in Tokyo, die seit der Katastrophe die Entwicklungen in Fukushima verfolgt. Damit steht Watanabe nicht allein da: Neben Anwohnern sorgen sich auch andere Japaner, die die Transformation seit der Katastrophe beobachten, weiter um die Zukunft Fukushimas. 10 Jahre nach dem Unglück leben offiziellen Daten zufolge noch immer 36 000 Menschen außerhalb ihrer ehemaligen Heimat. Und Unternehmen kämpfen um ihr wirtschaftliches Überleben.

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Eine der vermeintlich größten Sorgen: Was wird aus dem Kernkraftwerk Fukushima Daiichi? Die gesamte Stilllegung ist ein komplexer Prozess, der womöglich noch Jahrzehnte in Anspruch nehmen wird. Es bleibt ungewiss, ob diese wie geplant zwischen 2041 und 2051 abgeschlossen werden kann. Dazu kommt: Die radioaktive Strahlung ist wohl größer als bisher angenommen.

Ichie Watanabe erinnert sich noch gut an den Moment, als sie gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Autor Makoto Shiina, die Explosion des 1. Reaktors im Fernsehen verfolgte. Es geschah am 12. März, einen Tag nach einem massiven Erdbeben, welches einen Tsunami zur Folge hatte. Der Tsunami traf den von der Tokyo Electric Power Company Holdings Inc. betriebenen Atomkomplex und löste in drei Reaktoren Schmelzen aus.

Die Stadt Nami zum Zeitpunkt der Katastrophe.
Die Stadt Nami zum Zeitpunkt der Katastrophe. Foto: Kyodo

Weil sie mit eigenen Augen sehen wollte, was vor Ort passiert, beschloss Watanabe im August 2011 zu helfen: Sie besuchte Minamisoma, um die dort verbliebenen Bewohner zu unterstützen. Die kreisfreie Stadt in der Präfektur Fukushima liegt teilweise innerhalb des von der Regierung festgelegten 20-Kilometer-Radius um das Kraftwerk. Seitdem hält Watanabe ihre Beobachtungen mit regelmäßigen Besuchen in der Präfektur fest.

Und auch den Anwohnern gibt die Autorin eine Stimme. Ihre Geschichten hat sie in Büchern und Magazinen veröffentlicht. In Tokyo hat sie bereits mehr als 30 Veranstaltungen organisiert, bei denen Betroffene ihre Lebenssituation erklärten. Die Menschen dürfen nicht vergessen, wie es ist, mit einem massiven Stromausfall zu leben, meint Watanabe. Sie hofft außerdem, dass die Menschen, die diese Geschichten hören, ihren Umgang mit Energiequellen überdenken.

Gebet für den Wiederaufbau von Fukushima

Auch die Regierung unterstützt den Kampf gegen das Vergessen. In Futaba wurde 2020 ein Museum eröffnet, welches Gegenstände im Zusammenhang mit der Nuklearkatastrophe archiviert und für die Öffentlichkeit ausstellt. Doch der Zustand der Straßen, die zum Museum führen, ließ zu wünschen übrig. Diese wurden umgebaut und instand gehalten, um den Zugang für Besucher zu erleichtern. In der Nähe des Museums wird außerdem ein großer Park zum Gedenken an die Katastrophe und zum Gebet für den Wiederaufbau von Fukushima errichtet.

Watanabe warnt in diesem Zusammenhang vor einem falschen Eindruck der Wiederaufbauarbeiten. Einige Bereiche in Futaba und Okuma, wo das Kernkraftwerk steht, zeugen mit zerstörten Häusern und Gebäuden noch heute von Ausmaß der Katastrophe. Gleichzeitig sind sie Symbol dafür, wie viel Arbeit der Präfektur Fukushima noch bevorsteht auf dem Weg zurück zur Normalität.

Das Engagement der Autorin ebbt auch 10 Jahre nach Fukushima nicht ab. Dennoch lässt sie das Gefühl nicht los, dass die Erschütterung über das Geschehene außerhalb Fukushimas und im Rest der Welt nach und nach verblasst. Das liegt Watanabe zufolge auch daran, dass mittlerweile die Coronavirus-Pandemie im Mittelpunkt des Weltgeschehens steht. Dennoch dürfe weder die Regierung noch die Öffentlichkeit eines nicht vergessen: Als abgeschlossen bezeichnet werden kann die Transformation Fukushimas erst, wenn die Anwohner wieder in Frieden in ihren Heimatorten leben können.

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