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Stadt weigerte sich, Ehepaar anzuerkennen

Wegen Japans Zettelwirtschaft wird Baby als uneheliches Kind geboren

Die japanische Bürokratie liebt ihren Papierkram und treibt damit viele Menschen in den Wahnsinn. Nicht nur, dass die Zettelwirtschaft zeitaufwendig ist, sie führt auch gerne zu Missverständnissen und Fehlern. So kam es nun in der Präfektur Aichi, dass ein Baby als uneheliches Kind geboren wurde, weil die Behörden mit den Dokumenten überfordert waren.

September letzten Jahres hatte ein Ehepaar in Toyohashi versucht, ihre Ehe offiziell registrieren zu lassen. Das eigentlich relativ simple Verfahren machte allerdings deutlich mehr Problem erwartet und Grund dafür ein Missverständnis mit den benötigten Dokumenten.

Behörde forderte Geburtsurkunde, die es gar nicht gibt

Als das Ehepaar die Stadtregierung besuchte und alle Unterlagen vorlegte, wurde dem Mann gesagt, dass seine Unterlagen zur Identifizierung nicht ausreichen. Der zuständige Mitarbeiter gab an, dass er seine Geburtsurkunde einreichen müsse.

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Das Problem war jedoch, dass die Heimat des Mannes in Südamerika gar keine Geburtsurkunden ausstellt. Aus dem Grund wurde dem Paar die Heiratsurkunde verweigert. Die Frau versuchte daraufhin das Problem zu lösen und besuchte zweimal die Behörde, um eine Registrierung zu erreichen. Beide Male wurde sie wegen der fehlenden Urkunde abgelehnt.

Erst diesen Herbst wurde die örtliche Zweigstelle des Justizministeriums benachrichtigt. Die stellte fest, dass das Dokument aufgrund der Herkunft des Mannes gar nicht benötigt wird und dass andere Unterlagen zur Identifizierung komplett ausreichen. Im August wurde die Ehe dann offiziell von der Stadt akzeptiert.

Ehemann muss seine Vaterschaft beim Baby beweisen

Die Entscheidung kam jedoch für das Paar bereits zu spät, denn diesen Mai wurde die Frau Mutter eines Jungen. Das Baby musste allerdings ohne einen offiziellen Vater eingetragen werden, da ihre Mann zu dem Zeitpunkt offiziell noch nicht ihr Ehemann war und ist nun als „unehelich“ registriert. Der Mann muss nun beweisen, dass er tatsächlich der legitime Vater des Babys ist und sich erneut durch den Papierkram der Behörden kämpfen.

Bei einer Pressekonferenz am 27. November hatten Stadtbeamte den Fall rund um die Heiratsregistrierung öffentlich gemacht und sich entschuldigt. Sie gaben dabei zu, dass von dem Paar ein Dokument gefordert wurde, dass gar nicht erforderlich war. Aufgrund des entstanden psychischen Stress wollen sie dem Paar zusätzlich eine Entschädigung von umgerechnet vier Tausend Euro zahlen.

Gleichzeitig versprach die Stadtregierung, dass sie ein neues Verfahren einführen wollen, damit so ein Missverständnis nicht wiederholt. In der Zukunft sollen nun alle Treffen mit Besuchern im Gebäude der Stadtregierung aufgezeichnet und ausgetauscht werden, damit einsehbar ist, wie sich die verschiedenen Verfahren entwickeln.

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