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Coronavirus im Sumo – Chancen und Risiken

Die Nachricht kommt nicht überraschend: An Karfreitag wurde der erste Rikishi positiv auf das neue Coronavirus getestet.

Nachdem der Kämpfer, dessen Name und Stallzugehörigkeit nicht offengelegt wurden, über Fieber, Müdigkeit und Husten klagte, wurde er auf das neue Coronavirus getestet. Das Testergebnis war anfangs positiv, wurde dann aber vom Krankenhaus auf negativ geändert. Ein zweiter Test war erneut positiv. Der Kämpfer befindet sich nun im Krankenhaus und wird versorgt. Weitere Details zu seinem Zustand sind aktuell unbekannt.

Erster COVID-19 Fall im Sumo

Alle Angehörigen eines Stalls stehen unter Hausarrest, während auswärtig lebende Stallmitglieder die jeweiligen Heyas nicht betreten dürfen. Die Identität des erkrankten Rikishi wurde von Shibatayama Oyakata, Kommunikationsdirektor des japanischen Sumoverbandes, gegenüber der Presse am Karfreitag nicht offengelegt. Jedoch sprach er von einem Toriteki, so nennt man die Athleten der vier nicht bezahlten Divisionen, der zu einem Heya mit mehreren Sekitori gehört.

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Die Analyse des Haru-Banzuke ergibt achtzehn mögliche von derzeit 44 Heyas, welche mindestens drei Sekitori beherbergen, also Kämpfer in den beiden bezahlten Divisionen Juryo und Makunouchi. Takasago-beya, Heya von Shin-Ozeki Asanoyama, gehört jedoch nicht dazu.

Heya – mehr als nur eine Unterkunft

Das Heya, was übersetzt ‚Zimmer‘ oder ‚Wohnung‘ bedeutet, bildet die Lebens- und Trainingsgemeinschaft um einen Sumokämpfer herum. Es handelt sich dabei um ein Haus, welches oft aus mehreren Stockwerken besteht. Über dessen Eingang prangt ein Holzschild, genannt Kanban, mit dem Stallnamen. Durch dieses Charakteristikum kann man ein Heya sehr einfach identifizieren. Im Erdgeschoss, oft direkt hinter dem Eingang, befindet sich der Dohyo. Hier trainieren die Stallmitglieder jeden Tag mehrere Stunden beim Asa-geiko. In den darüber liegenden Stockwerken befinden sich die Schlafräume der Rikishi.

Toriteki teilen sich ein Zimmer und schlafen mit Futons auf dem Tatamiboden. Privatsphäre und Rückzugsmöglichkeiten gibt es keine. Einzelzimmer sind nur erfolgreichen Sekitori vorbehalten. Fanliebling Enho zum Beispiel, zugehörig zur Miyagino-beya, beherbergt ein kleines Zimmer von ca. 4 Quadratmetern. Der ranghöchste Rikishi des Miyagino-beya hingegen, Yokozuna Hakuho, lebt in einem eigenen Apartment außerhalb des Heya zusammen mit seiner Familie. Der Oyakata hingegen lebt mit seiner Frau, genannt ‚Okami-san‘, in einer eigenen Etage im Heya.

Neben den geteilten Räumlichkeiten und dem gemeinsamen Training verbindet die Bewohner noch eine weitere Alltags-aktivität, das gemeinsame Speisen. Jeden Tag kochen die Toriteki einen großen Topf Chanko-nabe. Anschließend wird in fester Reihenfolge, ausgerichtet nach Rang und Status, gemeinsam gegessen. Zuerst dürfen Oyakata, Sekitori und etwaige Gäste essen und sich die besten Zutaten aus dem Eintopf herausfischen. Dabei stehen ihnen Toriteki für die Bedienung zur Verfügung. Anschließend kommen die Toriteki selbst an die Reihe und stärken sich.

Chancen und Risiken für Heyas durch das Coronavirus

Diese enge Lebensgemeinschaft bietet leider ideale Bedingungen für die Übertragung und rasante Ausbreitung des neuen Coronavirus‘ innerhalb des gesamten Heyas. Die weitgehende Isolation der Sumowelt und der Heyas hingegen ermöglicht einen Verbleib des Virus innerhalb dieses kleinen Kreises. Momentan sind keine weiteren Fälle innerhalb des Sumoverbandes und damit auch keine innerhalb der Heyas bekannt. Wie das positive Testergebnis des einen Rikishi und eine damit mögliche Infizierung des Stalls sich auf den Fortgang des anstehenden Natsu-basho im Mai auswirkt, ist bisher offen.

Da die Turniere, welche die Haupteinnahmequelle für die Heyas darstellen, nur alle zwei Monate stattfinden, blieb ein finanzieller Schlag bisher aus. Selbst die fehlenden Zuschauer und damit Einbußen durch Ticketverkäufe beim Haru-Basho im März konnten durch die Fernsehübertragung abgemildert werden. Da sich die Jahreseinnahmen auf so wenige Turniere verteilen, bleibt der Sumosport gegenüber anderen Sportarten wohl auch bei Absage des Mai- und Juliturniers weitgehend von einer Finanzkrise verschont.

Die Heye-Blase – weitgehend normaler Tagesablauf weiterhin möglich

Der isolierte Lebensstil der Sumowelt ermöglicht zudem einen weitgehend normalen Alltag während des Hausarrests. Rikishi können, sofern gesund, weiterhin in den Heya-eigenen Dohyos trainieren und ihre Fitness und Routinen aufrechterhalten. So können sie ihre Leistungsfähigkeit bis zum nächsten Turnier beibehalten und sind sofort einsatzbereit. Das Ausfallen von Regionaltouren, die normalerweise zwischen den Turnieren stattfinden, gibt ihnen außerdem eine zusätzliche Pause, um ihre Verletzungen zu heilen und sich von ihren Turnier-Blessuren zu erholen.

Etwas Gutes hat die Pandemie aber auch für Sumofans. Einige Heyas haben begonnen, ihr Asa-geiko im Internet zu übertragen. Dies machen sie, da momentan auch keine Stallbesuche mehr für Gäste und Gönner möglich sind. Jetzt wünschen sich Sumofans nur noch, dass die Soziale-Medien-Sperre wieder aufgehoben wird, die seit dem Knebelvorfall im letzten November verhängt wurde. In der derzeitigen Situation ist selbst in der traditionsgeprägten Welt des Sumo sehr viel Moderne möglich.

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