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Finanzielle Unterstützung durch Gönner und Sponsoren

Geld im Sumo – Eine Frage des Erfolgs

Während das neue Coronavirus auch vor der Sumo-Welt nicht Halt macht, veröffentlichen japanische Medien die Einnahmen-Ausfälle des Sumoverbandes. Dies ist ein guter Moment, um einen Blick auf die Finanzen der Sumotori zu werfen.

Am letzten Sonntag wurden sechs weitere Corona-Infektionen in den Reihen der Heyas gemeldet. Takadagawa Oyakata sowie Hakuyozan – welche beide zu Takadagawa-beya gehören – mussten ins Krankenhaus, um behandelt und überwacht zu werden. Vier weitere Rikishi, deren Stallzugehörigkeit nicht genannt wurde, folgten ihnen. Nach nur wenigen Tagen im Krankenhaus konnten die sechs Patienten mit negativem PCR-Testergebnis bereits wieder entlassen werden.

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Sumo-Patient Null hingegen, dessen Identität noch immer nicht offengelegt wurde, ist weiterhin im Krankenhaus und muss behandelt werden. Es scheint als verbessere sich sein Zustand, sagte Shibatayama Oyakata, Sprecher des Sumoverbandes, gegenüber japanischen Medien am 30. April. Eine Entscheidung darüber, ob oder wie das bereits verschobene Natsu-Basho im Mai stattfinden soll, wird noch abgewartet.

1.5 Milliarden Yen pro Turnier

Die Einnahmen des Sumoverbandes während eines Basho werden laut Nikkan-Gendai auf 1.5 Milliarden Yen geschätzt (rund 12 Millionen Euro). Ein Drittel davon bezahlt allein der Sender NHK für die Übertragung im Fernsehen. Den Einnahmen gegenüber stehen unter anderem die Löhne von Tokoyama, den Sumo-Friseuren, Yobidashi, den Ringhelfern, sowie der Rikishi selbst.

Die Kämpfer der beiden oberen Divisionen Juryo und Makunouchi erhalten monatlich einen fixen Lohn vom Sumoverband. Rikishi in der Juryo-Division verdienen durchschnittlich eine Million Yen. Gegenüber dem Leben als Toriteki in den vier unbezahlten Divisionen macht dies mit rund 8.000 Euro monatlich einen grossen Unterschied.

Kleiner Gehaltsunterschied zwischen Ozeki und Yokozuna

Yokozunas erhalten monatlich circa drei Millionen Yen, was ungefähr 25.000 Euro entspricht. Das klingt zunächst viel, ist aber verglichen mit anderen Top-Athleten wenig. Die anderen Rikishi der Makunouchi-Division verdienen zwischen 1.4 Million Yen und 2.5 Million Yen, abhängig vom Rang. Der Unterschied zwischen Ozeki und Yokozuna ist beachtenswert gering, gemessen an der hohen Qualifikations-Schwelle und dem Leistungsdruck, den der Yokozuna-Rang mit sich bringt.

Die Lohnstruktur im Sumo ist alles andere als einfach zu durchblicken, weswegen genaue Zahlen schwer zu ermitteln sind. Die Löhne teilen sich in einen Fixbetrag und einen variablen Betrag basierend auf einem Bonussystem auf. Das Bonussystem, man nennt es Mochikyuukin, ist eine Art Konto, auf dem der Rikishi während seiner Karriere Punkte für positive Ereignisse sammelt. Positive Ereignisse sind Kachi-koshi, Yusho und Kinboshi. Alle Punkte bilden den Multiplikator für den variablen Lohnanteil des jeweiligen Sekitori.

Kensho-kin – Preisgelder von Firmen und Paul McCartney

Während eines Turniers haben die Rikishi zudem die Möglichkeit, Preisgelder zu verdienen. Die sogenannten Kensho-kin können ausschliesslich von Firmen oder in Ausnahmefällen Geschäftsleuten auf einen Kampf ausgesetzt werden. Wenn vor einem Kampf bunte Werbebanner von Yobidashi um den Dohyo herumgetragen werden, steht jedes Banner für 70.000 Yen Preisgeld – rund 600 Euro.

Nach dem Kampf erhält der Sieger die Hälfte des Geldes in weissen Umschlägen gebündelt vom Gyoji. Die andere Hälfte erhält der Kämpfer abzüglich einer Gebühr für den Sumoverband nach seinem Rücktritt. Bei spannenden Kämpfen zwischen zwei Spitzenkämpfern wurden schon über 60 Kensho gezählt.

Obwohl Kensho mehrheitlich nur von Firmen platziert werden dürfen, konnte Paul McCartney, bekennender Sumofan seit seiner Japan-Tournee 1993, im Kyushu-basho November 2013 eine ganze Reihe an Kensho-Bannern zu verschiedenen Kämpfen mit seinem Album ‘NEW’ darauf sponsern.

Die Rolle der Sponsoren

Neben den Geldern vom Sumoverband und den Preisgeldern spielen Koenkai, die Sponsorenvereine, eine überaus wichtige Rolle bei der Finanzierung des Sports. Koenkai-Mitglieder sind wohlhabende Leute, die durch Beziehungen zu den Heyas in die Koenkai eingeladen werden.

Sie unterstützen ein Heya oder einen einzelnen Rikishi mit enormen Summen, zum Beispiel beim Erwerb des Toshiyori-kabu, dem Oyakata-Titel, und der Übernahme eines Stalls. Auch Übersee-Fans ist es möglich, das Lieblings-Heya zu unterstützen, da viele Koenkai mittlerweile Webseiten mit einer klaren Preisstruktur besitzen und man einfach eine Mitgliedschaft beantragen kann.

Tanimachi – private Gönner im Sumo

Ausserdem gibt es die Tanimachi, Gönner und Privatsponsoren, die ihre Favoriten in teure Restaurants ausführen, ihnen Geschenke machen und enorme finanzielle Unterstützung bieten. Oft spenden sie Shimekomi, die farbigen Seidengürtel, sowie prachtvolle, wertvolle Kesho-Mawashi, welche Sekitori beim Dohyo-Iri tragen.

Obwohl die Sponsoren und Gönner sich eher im Hintergrund halten, kann man sie doch ab und zu sehen. Nach dem Yusho sammeln sie sich gemeinsam mit Freunden und Familie um den Turniersieger herum und posieren für das Siegerfoto mit Kaiserpokal und Banzai-Pose in der Umkleide. Auch Lukas Podolski konnte man bereits auf dem Siegerfoto mit Yokozuna Hakuho entdecken, wenn auch als Freund und nicht als Gönner.

Trotz Sponsoren zur Finanzierung – Hoffnung auf Mai-Turnier bleibt

Im Sumo werden auch beim Thema Geld nur die erfolgreichsten Kämpfer belohnt. Lässt die Leistung nach, was oft nach Verletzungen der Fall ist, muss der harte Fall in untere Divisionen, durch die Schallmauer zwischen Juryo und Makushita hindurch, verkraftet werden. Nicht nur das Selbstbewusstsein des Kämpfers und sein öffentliches Ansehen leiden dabei, sondern auch der Geldbeutel. Sowohl die Bezahlung durch den Sumoverband als auch das der Sponsoren bricht dann weg.

Dass der Nihon Sumo Kyokai, der Japanische Sumoverband, das anstehende Natsu-Basho im Mai in Tokyo noch nicht abgesagt hat, kann man nachvollziehen, da sie auf die Einnahmen zur Bezahlung seiner Top-Athleten angewiesen sind. Doch durch das Vorhandensein einer breiten Sponsorenszene, die den Sport finanziert, wie es das kaum in einer anderen Sportart gibt, dürfte der grosse finanzielle Sturzflug auch bei Absage der nächsten Turniere ausbleiben.

Trotzdem hoffen Sumo-Fans, dass der Sumoverband ein Geisterturnier wie im März wiederholen kann.

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