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IOC ergreift Maßnahmen

Japans Olympische Athleten kämpfen mit Cybermobbing

Für die japanischen Athleten sind die Olympischen Spiele zurzeit ein voller Erfolg und sie konnten den eigenen Goldmedaillen-Rekord brechen. Gleichzeitig erfahren viele aber auch Hass und Cybermobbing online.

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Für Daiki Hashimoto war vor einigen Tagen die Freude groß als er für Japan im Turn-Mehrkampf der Männer Gold gewann. Online freuten sich die Fans der anderen Turner jedoch nicht mit. Der Sieg sei unfair, da Hashimoto beim Sprung angeblich zu gut bewertet wurde und Japan habe den anderen Ländern die Medaille gestohlen, heißt es auf Twitter.

Zahlreiche Athleten berichten von Mobbing und Hasskommentaren

Die Nachrichten nahmen so eine überhand, dass sich der Sportler auf Instagram zu den Anschuldigungen meldete. Er versicherte, dass alles seine Richtigkeit hat und er entschuldigte sich dafür, das er eine solche Kontroverse ausgelöst hat.

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Auch die Turnerin Mai Murakami, die bei den Frauen nur Fünfte wurde, berichtete unter Tränen von dem Cybermobbing in den sozialen Medien gegen sie. Das gemischte Tischtennis Doppel erhielt ebenfalls Hassnachrichten nach ihrer Goldmedaille, wie der Spieler Jun Mizutani bekannt gab.

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Kanoa Igarashi gewann im Surfen Silber für Japan. In einem Interview bestätigte er gleichermaßen, dass er über die sozialen Medien Hassnachrichten bekommt.

Die japanischen Athleten sind damit nicht allein. Andere Sportler sind dem Frust der Fans ausgesetzt, wenn sie nicht die erwarteten Leistungen bringen oder gegen ihren Favoriten gewinnen. Der psychische Druck ist deswegen enorm.

Der amerikanische Turn-Superstar Simone Biles trat wegen der mentalen Belastungen vom Mehrkampf zurück. Zuvor sprach sie davon, wie sie die online die Zielscheibe für Hassnachrichten geworden ist. Experten drängen deswegen dringend zu Maßnahmen.

Hilfsangebote sind dringend notwendig

Dai Tamesue, ein ehemaliger japanischer Hürdenläufer wies darauf hin, dass der Informationsfluss für die Sportler während der Spieler gestoppt werden soll, um sie vor Mobbing und Hasskommentaren zu schützen. Besonders vor und nach dem Wettkampf sei die Psyche der Athleten instabil wie Tamesue erklärte. Die Sportler sollten dabei auch selbst lernen, ihre Zeit auf den sozialen Medien zu reduzieren.

Um gegen das Cybermobbing anzukämpfen, hat das japanische Olympische Komitee (JOC) ein spezielles Team eingerichtet, das die Social-Media-Konten von Sportlern beobachten soll. Das JOC hat zum ersten Mal eine solche Einheit eingeführt und hofft so Sportler vor hasserfüllten Kommentaren zu schützen.

Das Internationale Olympische Komitee hat einen Hilfsdienst mit einer 24-Stunden-Hotline für Athleten gestartet, die Opfer von Anfeindungen werden. Fachkundige Berater unterstützen Sportler in 70 Sprachen und helfen ihnen bei ihren psychischen Problemen weiter.

Ausreichend tut das laut Experten jedoch nicht, da es das eigentliche Problem nicht löst. Shinichi Yamaguchi, ein außerordentlicher Professor an der International University of Japan, fordert ein allgemeines System zur Unterstützung von Sportlern.

Ihm geht es dabei auch um eine Strafverfolgung und Sportverbände sollen Athleten bei Gerichtsverfahren unterstützen, sowie sich um ihre psychische Gesundheit kümmern. In Japan gibt es seit April ein angepasstes Gesetz gegen Cybermobbing, um Anklagen zu vereinfachen und zu beschleunigen. Bei den Olympischen Spielen kommt das Gesetz aber an seine Grenzen, da ein großer Teil der Nachrichten aus dem Ausland kommen und dagegen ist man machtlos.

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