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Erneuter Vorfall erschüttert Menschen

Japans Sumo steckt weiterhin in der gewaltsamen Vergangenheit fest

Der traditionelle Sport Nummer eins in Japan ist das Sumo. Allerdings hat der in den letzten Jahren durch zahlreiche Skandale deutlich seinen Glanz verloren. Mit all seinen Traditionen steckt der Sport weiterhin in der Vergangenheit fest, die geprägt von Gewalt, Machtverhältnissen und Diskriminierungen ist.

Zu den neuesten Vorfällen gehört eine Meldung vom 13. Juli. Die Japan Sumo Association (JSA) gab bekannt, dass der Stallmeister Nakagawa seine Schüler wiederholt körperlich und verbal misshandelt hat. Schüler wurden geschlagen oder getreten, weil sie einschliefen oder kleine Fehler machten. Weiter wurde gedroht, die Sportler zu feuern oder umzubringen.

Strafen bleiben fragwürdig

Die Misshandlungen wurden nach einer Untersuchung des JSA durch einen Expertenausschuss bekannt. Ein denkbar schlechter Moment für die JSA, da am 19. Juli erstmals wieder ein Turnier vor Zuschauern stattfinden soll.

Überrascht scheinen die Menschen von dem Vorfall jedoch nicht zu sein. Tatsächlich sind derartige Skandale in den letzten Jahren regelrecht zu einem traurigen Alltag geworden. Der jüngste Übergriff zeigt nur erneut, dass der Sumo-Sport ein ernsthaftes Problem hat, was jedoch gekonnt ignoriert wird.

Dass die JSA derartige Vorfälle nicht wirklich interessiert und sie nur Schadensbegrenzung betreiben, zeigt die Strafe von Nakagawa. Sein Stall wird zwar geschlossen, aber er darf weiterhin Teil des Verbands sein. Er wurde lediglich auf den niedrigsten Rang degradiert, auf einen Sumo-Ältesten. Rechtliche Konsequenzen muss er wohl nicht fürchten. Begründet wurde die Entscheidung damit, dass die Opfer angeblich um Milde gebeten haben.

Kernproblem wird weiter umgangen

Auch in anderen Fällen fielen die Konsequenzen für die Person eher milde aus. Das hat die Übergriffe jedoch nicht weniger schockierend gemacht. 2007 wurde ein Schüler auf Anweisung eines Trainers zu Tode geprügelt. Weiträumige Maßnahmen blieben vom Verband aus. Es folgte 2017 ein weiterer großer Skandal um den Ringer Harumafuji, der einen jüngeren Sportler mit einer Flasche schlug. Er wurde lediglich in den Ruhestand versetzt.

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Es wurde anschließend von dem Verband versprochen, dass es für die Ringer und Stallmeister härtere Strafen gibt. Viel war davon jedoch in den letzten Jahren nicht zu spüren, wie bei Nakagawa zu sehen ist. Dass sendet eine komplett falsche Botschaft und kommt vor allem in der Öffentlichkeit gar nicht gut an.

Es müssen jedoch nicht immer direkt Misshandlungen sein. Auch Machtmissbrauch bleibt weiter ein großes Thema. Mittlerweile wurde von der Regierung ein Gesetz gegen Mobbing und Ähnliches am Arbeitsplatz erlassen, dass auch den Sport mit einschließt. Während andere in der japanischen Sportwelt darauf reagieren, zeigt sich die JSA wenig beeindruckt.

Es gibt war mittlerweile Vorträge von Experten für Mitarbeiter und Sportler zu dem Thema, das Kernproblem wird jedoch umgangen. Die meisten Stallmeister sind einfach zu schlecht ausgebildet und wissen nicht, wie sie richtig mit Schülern umgehen sollen.

Forderung nach Lizenzsystem

Eine wirkliche Ausbildung zum Meister gibt es nicht. Wer Schüler unterrichten darf, hängt nur von der Bilanz im Sumoring selbst ab, weswegen Stallmeister grundsätzlich ehemalige Ringer sind. Zwar müssen die Trainer mittlerweile Wissen zum umfassenden Coaching haben und zur Stallverwaltung, die letzten Vorfälle zeigen jedoch, dass das bestehende System nicht ausreicht. So wird immer wieder ein offizielles Lizenzsystem vorgeschlagen, wie es in anderen Sportarten bereits vorhanden ist. Oder eine Zusammenarbeit mit Bildungsgemeinschaften scheint ebenfalls ein Lösungsansatz zu sein.

Sicher ist jedoch, dass nur eine umfassende Reform im Sport das Sumo aus dem Mittelalter holt und die schwerwiegenden Probleme löst. Ändern muss sich jedenfalls etwas, denn das Interesse an dem Sport sinkt und auch der Nachwuchs bleibt aus. Wer die Menschen in der heutigen Zeit begeistern will, sollte deswegen auch mit der Gesellschaft gehen.

TAS

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