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Kimarite – die Sprache des Sumo

Das Durchschnittsgewicht eines Sumotori ist in den letzten Jahrzehnten angestiegen. Trotzdem können sich schlankere Kämpfer in der Top-Division behaupten. Dafür brauchen sie vor allem eines: kreative Technik.

Seit Bekanntgabe des ersten SARS-CoV-2 Falls unter den Sumokämpfern sind keine Details über den Zustand des Kämpfers nach außen gedrungen. Lediglich, dass sein Zustand unverändert sei, berichtet Nikkansports. Weitere Fälle wurden nicht gemeldet, was beruhigend ist.

Viele Rikishi setzen mit ihrer Kampfstrategie auf Masse und haben die Balance zwischen Training und Chanko-nabe zugunsten des Essens verschoben. Daher sind diese Kämpfer schon durch ihr eigenes Gewicht belastet und neigen zu Folgeerkrankungen der Fettleibigkeit, wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Problemen. Auch ohne das Coronavirus ist dies eine unschöne Seite am Sport. Das Virus stellt nun eine zusätzliche Gefahrenquelle für vorbelastete Sumotori dar.

Fehlende Gewichtsklassen führen zu hohem Kampfgewicht

Da es keine Gewichtsklassen im Sumo gibt, haben sich schwere Kämpfer immer wieder gegen eine Vielzahl an Gegnern behaupten können und es bis zum Yokozuna gebracht, wie Hawaiianer Akebono mit 230kg Kampfgewicht. Hawaiianer Konishiki hat es mit 270 kg zum zweithöchsten Rang Ozeki geschafft. Es ist beunruhigend, dass im Laufe der letzten Jahrzehnte das durchschnittliche Gewicht eines Sumotori um mehrere 10 Kilo gestiegen ist.

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Denn auch kleine und zierlichere Kämpfer, wie Fanliebling Enho oder der wendige Terutsuyoshi, sind Dauergäste in der Makunouchi Division. Sie können große und schwere Gegner durch Schnelligkeit, Kreativität und schlaue Angriffe besiegen. Das macht nicht nur die Kämpfe spannend, sondern es zeigt auch, dass Kämpfer nicht nur durch Masse in diesem Sport erfolgreich sein können. Der Aufwärts-Trend beim Körpergewicht muss daher nicht zwingend anhalten.

Kimarite – Siegtechniken und Sprache des Sports

Durch technisch vielseitige Rikishi besteht zudem die Möglichkeit, selten genutzte Kimarite zu beobachten. Kimarite sind nicht nur reine Siegtechniken. Sie sind auch kulturelles Erbe und Sprache des Sports. Sie werden verzeichnet und dokumentiert. Sumotori werden zum einen stets an ihrem höchsten Rang gemessen und nach dem Rücktritt entsprechend betitelt. Zum anderen werden sie in der Geschichte für ihre besonderen Kämpfe gefeiert, ihre seltenen Kimarite werden überliefert.

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Es lohnt sich also, von Zeit zu Zeit einen genaueren Blick auf die Kimarite und ihre Häufigkeit zu werfen. Die Auswertung alter Daten gestaltet sich dabei schwierig, da die Klassifizierung und Namensgebung immer wieder wechselten.

Erst sei 1955 gibt es eine vom Sumoverband standardisierte Liste mit Siegtechniken, die zunächst aus 58 Kimarite bestand und heute bei 82 plus fünf ‘Nicht-Techniken’ liegt. Die Nicht-Techniken sind die Eigentore im Sumo, also selbstverursachte Niederlagen.
Weiterentwicklung und genauere Kategorisierung der Siegtechniken macht eine akkurate Rückverfolgung bis zu den Anfängen der Aufzeichnung von Kämpfen Mitte des 18. Jahrhunderts nur begrenzt möglich. So gibt es circa 60 alte Siegtechniken in der heutigen Liste nicht mehr. Zudem dokumentierten einige Kommentatoren und Reporter Kimarite nach ihrer eigenen Beurteilung, was eine umfassende Auswertung zusätzlich erschwert.

Noch nie genutzte Kimarite

Zwei heute offiziell gelistete Kimarite wurden noch nie benutzt, der Kakezori und der Sototasukizori. Der Kakezori wird übersetzt als ‘Einhakender-Rückwärts-Körperwurf’, bei dem der Kämpfer seinen Kopf unter den Arm des Gegners steckt und mit einem Griff am Mawashi und dem Arm versucht, den Gegner auf den Rücken zu werfen.

Der Sototasukizori wird übersetzt als ‘Äusserer-Umgekehrter-Rückwärts-Körperwurf’, bei dem der Kämpfer den Arm des Gegners quer über die Brust fixiert und mit der anderen Hand die Innenseite des Oberschenkels greift, sie anhebt, und so den Gegner dazu bringt seine Hand auf den Dohyo zu setzen. Anhand der Beschreibung wird schon deutlich, wie kompliziert und detailliert der Ablauf der Bewegungen bei einigen Kimarite ist.

Wie wird die Siegtechnik im Turnier ermittelt?

Während eines Sumoturniers gibt es ein Gremium, welches mithilfe von Videoanalyse den Kimarite in Sekundenschnelle bestimmt. Oft geschieht dies einstimmig, seltener muss kurz diskutiert werden. Nach gemeinsamem Beschluss ruft der Vorsitzende des Gremiums den Ring-Sprecher an und gibt den Kimarite durch. Der Sprecher ruft diesen dann offiziell aus. All das geschieht in wenigen Sekunden nachdem der Kampf vorbei ist.

Der Sumoverband ermutigt die Rikishi, Kimarite zu lernen und anzuwenden, nur so kann das Wissen um sie am Leben gehalten werden. Ein Repertoire an Siegtechniken abrufbereit zu haben, steht hierbei ganz im Gegensatz zu den täglich sich wiederholenden Basisübungen, die ein Kämpfer im Schlaf runterbeten kann.

Manche Bewegungsabläufe sind zudem, je nach Physis der beiden Kontrahenten, eher unwahrscheinlich. Das limitiert die Wahrscheinlichkeit für manche Kimarite und Paarungen. Andere Bewegungen hingegen sind je nach Konstellation umso wahrscheinlicher. So können kleinere Rikishi eher die Köpfe in die Achseln der Gegner stecken, so wie es Enho fast in jedem Kampf macht, oder die Füße und Beine greifen. Größere Kämpfer können dagegen leichter über die Schultern greifen oder Gegner besser anheben.

Kimarite passieren nicht einfach so

Es bleibt dem Kämpfer aber immer ein gewisser Spielraum, in dem er durch gezielte Taktik einen unerwarteten Kimarite hervorzaubern kann. Die Chance darauf, einen raren oder spektakulären Kimarite live zu beobachten, macht einen Teil des Reizes an einem Sumokampf aus. Die Kimarite-Zähler laufen weiter. Und beim nächsten Turnier hoffen Sumo-Fans und der Sumoverband darauf, dass durch einen raren Kimarite wieder Sumogeschichte geschrieben wird.

Falls es euch jetzt gepackt hat: Eine kleine bebilderte Faltkarte mit Kimarite kann im Ryogoku Kokugikan, dem Sumostadion in Tokyo, gekauft werden. Und während der Besucher für Getränke, Snacks und Souvenirs im Erdgeschoss ansteht, kann er über dem Kiosk die Kimarite an großen Tafeln bewundern. In der Japantimes gibt es außerdem ein Spezial über Sumotechniken der drei letzten Jahre inklusive Comics. Diese Übersicht ist nicht nur was für Kimarite-Fans. Und wer lieber bewegte Bilder ansehen möchte, der wird bei den ‚Grand Sumo Highlights‘ auf der Homepage des Senders NHK fündig.

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