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Ehemaliger Maegashira Sokokurai beendet Karriere als aktiver Sumokämpfer

Sokokurai wird erster chinesischer Oyakata in der Sumogeschichte

Das Sumoturnier im März, das Haru-basho, liegt hinter uns und wird als ein denkwürdiges Ereignis in die Sumo-Geschichte eingehen.

Es fand, wegen der Angst vorm Einbringen des SARS-CoV-2 in die Heyas, ohne Zuschauer und unter strengen Hygienevorschriften statt. Während rund um den Globus Sportveranstaltungen wegen SARS-CoV-2 abgesagt werden, hat der Sumoverband es geschafft, ein Stückchen Normalität und Ablenkung zu verbreiten, indem er das fünfzehntägige Turnier durchführen konnte.

Das nächste Turnier findet regulär im Mai statt und wurde am 03. April 2020 vom Sumoverband zunächst um zwei Wochen nach hinten verschoben. Damit kauft sich der Verband Zeit bis zur finalen Entscheidung, ob und mit welchen Auflagen das Turnier stattfinden kann, abhängig davon, wie sich die Pandemie-Situation in den kommenden Wochen entwickelt.

Gebürtiger Chinese Sokokurai geht in Sumorente

Im Anschluss an das Haru-basho im März gab Sokokurai seinen Rücktritt bekannt. Er war der mit Abstand erfolgreichste von nur zwölf Chinesen im Sumo. Sein höchster Rang war Maegashira zwei, womit er mehr als eine ganze Division Vorsprung zum zweiterfolgreichsten Sumotori ‘Kosei’ hatte. Erst im November 2019 erwarb Sokokurai die japanische Staatsbürgerschaft.

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Dies ist der Vorbote für den nahenden Ruhestand eines ausländischen Sumotoris. Auch Yokozuna Hakuho hat diesen Schritt bereits getan. Im September 2019 tauschte er den mongolischen Pass gegen den japanischen ein und hat damit den Weg in den Sumoverband geebnet. Dies ist notwendig, da Japan keine doppelte Staatsbürgerschaft zulässt. Die Loyalität ausländischer Kämpfer zum Sumo wird so besonders auf die Probe gestellt.

Sokokurai ist nun Ältester, Oyakata. Damit ist er der erste gebürtige Chinese, dem dieser Kraftakt gelingt. Um dem Sumosport als Ältester erhalten zu bleiben und damit junge Rikishi ausbilden zu können, muss ein Kämpfer hohe Anforderungen erfüllen. Als Erstes muss er zwingend Japaner sein. Als Zweites eine erfolgreiche Karriere gehabt haben. Die Definition einer erfolgreichen Karriere ist nicht absolut, beinhaltet aber im Wesentlichen einen langen Verbleib in den bezahlten Divisionen Juryu und Makunouchi oder einen hohen Rang in letzterer. Als Drittes braucht der Zurückgetretene eine von nur 105 Lizenzen zum Verbleib im Sumoverband als Ältester, das Toshiyori-kabu.

Kabu – Lizenz zum Ausbilden

Sokokurai’s Stallmeister und Ältester, Arashio-Oyakata, hat am 29. März mit 65 Jahren das Mindestalter für den Ruhestand erreicht. Durch den damit verbundenen Austritt aus dem Sumoverband konnte er sein Kabu an Sokokurai weiterreichen. Dieser ist nun Heya-Ältester und hat bereits am 31. März sein erstes Morgentraining, das Asa-geiko, als neuer Arashio-Oyakata abgehalten.

Sokokurai musste, wie alle Lizenzeigentümer, das Arashio-Kabu kaufen. Oft kommen neben den Kosten für die Lizenz noch Kosten für den Erwerb des Heyas und des Grundstücks, auf dem es steht, dazu. Das bedeutet einen enormen finanziellen Kraftakt für einen ehemaligen Rikishi, welcher ohne die Unterstützung von Gönnern und Fanclubs nicht zu stemmen wäre.

Nachdem ein Rikishi den Rücktritt bekannt gegeben hat, wird der Termin für die Rücktrittszeremonie festgelegt, die Intai-zumo. Dieses Privileg einer großen Veranstaltung bleibt erfolgreichen Rikishi vorenthalten. In den circa neun Monaten bis zur Rücktrittszeremonie und dem damit verbundenen Abschneiden des Haarknotens, trägt der Zurückgetretene westliche Kleidung. Erblickt man nun auf der Strasse einen ehemaligen Kämpfer im maßgeschneiderten Anzug und Mage, so nennt man den Haarknoten, ist dies ein besonderer Anblick. Der Rücktritt ist unumkehrbar.

Neues Leben nach der Kämpferkarriere

Nur die besten Kämpfer steigen auf und nehmen einen der festen 28 Juryo-Plätzen oder gar einen der 42 Makunouchi-Plätzen im Banzuke ein. Die Mehrheit der Sumokämpfer verbringt ihre Karriere jedoch in den nicht bezahlten Divisionen Jonidan, Jonokuchi, Sandanme und Makushita. Diese Kämpfer haben nach ihrem Rücktritt nicht die Möglichkeit auf den Erwerb eines Kabu oder den Weg in den Sumoverband. Für sie bedeutet der Rücktritt somit auch den endgültigen Abschied von der Sumowelt.

Das ist eine Herausforderung für viele ehemalige Kämpfer, die außerhalb des Heya keine Ausbildung genossen haben, in der sie seit ihrer Jugend gelebt und trainiert haben. Nach einem Leben geprägt von Disziplin, Unterordnung, Verletzungen und harten Trainings, müssen sie sich ein neues Leben außerhalb des Sumo aufbauen. Klassische Jobs im Leben nach der Sumokarriere sind Restaurantbesitzer oder Koch, Angestellter im Sicherheitsdienst, Profi-Wrestler in anderen Ländern oder eine einfache Tätigkeit, für die es keine spezielle Ausbildung benötigt.

Im Sumo-Stadtteil Tokyos, Ryogoku, findet man viele Chanko-nabe Restaurants, die ehemaligen Kämpfern gehören. Oft übernehmen sie das Rezept aus ihrem früheren Heya als Grundlage und ändern es nach ihrem Geschmack ab. Chanko-nabe ist ein Eintopf mit viel Gemüse und proteinreichen Einlagen wie Fleisch oder Tofu. Er wird jeden Tag von den Rikishi in den unteren Rängen frisch zubereitet und nach dem Morgentraining gegessen. Am Ende einer Sumokarriere kommen so einige tausend Portionen Chanko-nabe zusammen, dessen Zubereitung in Fleisch und Blut übergegangen ist.

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