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Zweite und finale Woche bietet spannende Rikishi-Paarungen und spektakuläre Kämpfe

Sumoturnier Osaka – Highlights der Finalwoche

Die zweite und finale Woche des Sumoturniers in Osaka konnte trotz der vielen Einschränkungen wegen des neuen Coronavirus durchgeführt werden. Am Anfang gab es jedoch einen kurzen Moment der Sorge. 

Test auf Infektion mit dem neuen Coronavirus bei Chiyomaru

Maegashira #15 Chiyomaru hatte an zwei aufeinanderfolgenden Tagen bei Kontrollmessungen 37,5 °C Körpertemperatur. Er wurde daraufhin gemäß der besonderen Regelungen für dieses Basho ab Nakabi, dem achten Turniertag, ausgeschlossen und auf Influenza und Coronavirus getestet.

Die Tests verliefen negativ und Chiyomaru konnte ab Tag elf wieder regulär teilnehmen. Das Turnier kann weiterhin jederzeit abgebrochen werden, sollte es einen bestätigten Coronavirus-Fall geben. Der Negativbefund brachte große Erleichterung unter Sumofans, die schon spekulierten, wie der Japanische Sumoverband ein unfertiges Basho auswerten würde.

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Wenn ein Kämpfer aus dem Feld der 42 Rikishi während eines laufenden Basho ausfällt, oft durch Verletzungen, bekommt der jeweilige Kontrahent am Ausfalltag einen ‚Fusensho‘. Dies ist ein Sieg durch Abwesenheit des Gegners. An den darauffolgenden Tagen wird die entstandene Lücke durch einen Kämpfer aus der Juryo Division gefüllt. Juryo Rikishi bekommen dann einen Gastauftritt in der Makunouchi Division. In diesem Fall waren das Hidenoumi an Tag neun und Kotoyuki an Tag zehn.

Yokozuna Hakuho gibt Führung ab

An Turniertag zehn verlor Yokozuna Hakuho gegen den beeindruckend kraftvollen Maegashira #5 Onosho und gab damit seinen sauberen Stand und die alleinige Führung ab. Onosho stieß Hakuho so kraftvoll aus dem Ring, dass er den Shimpan (Ringrichter) unterhalb des erhöhten  Dohyos vom Kissen riss. Bei solchen Kämpfen laufen die Zuschauer, die normalerweise direkt hinter dem Shimpan sitzen, Gefahr sich ernsthaft zu verletzen.

Randbemerkung: Wie erklärt man einen Sumoschlag der Versicherung? Wer damit Erfahrung hat, bitte melden.

Der ‚blaue Berg‘ Maegashira #13 Aoiyama mischt in diesem Turnier plötzlich auf der Bestenliste mit. Aoiyama hat noch nie einen Titel geholt und sein höchster Rang war Sekiwake im September 2012. Seine Höchstleistungen sind schon eine ganze Weile her. Doch erfahrungsgemäß sind niedrigrangige Rikishi sehr motiviert und setzen ungeahnte Kräfte frei, wenn die Trophäe in greifbare Nähe rückt. Es bleibt spannend.

99 kg gegen 188 kg – Extreme Konstellation

An Turniertag elf konnte man wieder die Wendigkeit und Schnelligkeit von Fanliebling Enho bestaunen. Er trat gegen den Überraschungssieger des Hatsu-Turniers im Januar, Tokushoryu, an. Tokushoryu ist mit 180 cm und 188 kg nicht nur 12 cm größer, sondern auch fast doppelt so schwer wie Enho mit 168 cm und 99 kg. Solche Kämpfe sind von Anfang an spannend, da ein physisch unterlegener Rikishi anders zum Sieg kommt als nur durch den Gewichtsvorteil. Enho gewann durch schnelles Wegdrehen am Rand des Dohyo, während Tokushoryu, beim Versuch Enho zu stoßen, einen Bauchklatscher hinlegte.

An Turniertag 13 verkleinert sich das Feld der möglichen Sieger. Gibt es viele Kämpfer auf der Bestenliste, finden zunehmend Entscheidungskämpfe statt. An Tag 13 trat Ozeki-Hoffnung Asanoyama gegen Yokozuna Hakuho an. Beide gingen mit einer 10–2 Bilanz in den Ring. Hakuho konnte sich diesen Sieg holen und wieder mit Yokozuna Kakuryu und Aoiyama aufschließen.

Finaltag – wer holt sich die Kaiser-Trophäe?

Den Finaltag oder ‚Senshuraku‘ kann man am Sonntag, 22.03.2020 ab 08:30 MEZ live auf NHK World ansehen. Letzte Gelegenheit für die einzigartige Geräuschkulisse der Sumowelt in diesem besonderen Turnier ohne Zuschauer.

Wer die Highlights der einzelnen Turniertage noch einmal anschauen möchte, kann dies ebenfalls bei NHK World Japan tun. Im Netz oder in der App findet man täglich einen 20-minütigen Zusammenschnitt aller spannenden Kämpfe mit englischen Kommentaren.

Detailanalyse: Katasukashi – Eine Siegtechnik

Unter dem Punkt Detailanalyse wird es in zukünftigen Artikeln gelegentlich Analysen von Zahlen und Statistiken geben. Dieser historische Sport, der sich seit Jahrhunderten in seinem Wesen kaum verändert hat, bietet hierfür eine reiche Datenbasis.

Am Nakabi konnten wir gleich zweimal einen selten genutzten Kimarite (Siegtechnik) beobachten. Die beiden mit 168 cm kleinsten Rikishi, Enho und Ishiura, siegten durch einen ‚Katasukashi‘ oder ‚Unter-Schulter-Abschwung‘. Enho nutzte diesen Kimarite bisher bei 1,4 % aller Kämpfe, Ishiura sogar bei 1,8 %. Schaut man sich die Zahlen von großen Rikishi an, wird ein Unterschied deutlich. Die Statistik des ehemaligen Ozeki Kotooshu (202 cm) zeigt 0,3 % Katasukashi. Die von Yokozuna Hakuho (193 cm) zeigt 0,4 %. Die kleinen Sumotori nutzen diese Technik ca. 4-6 mal häufiger als ihre großen Kontrahenten.

Charakteristik dieses Wurfes ist das Ergreifen des Schulterblattes unter der Achsel hindurch und das Herunterziehen mit diesem Griff. Kleine Kämpfer kommen aufgrund ihrer Statur öfter in die Situation von unten anzugreifen und den Gegner in irgendeiner Form nach unten zu ziehen. Daher ist ein Zusammenhang zwischen Körpergröße und Wurftechnik gegeben und im Falle des ‚Katasukashi‘ mit Zahlen belegbar.

Begriffe im Sumo

Basho: Sumo-Turnier

Juryo: zweithöchste Division

Fusensho: Sieg durch Abwesenheit des Gegners. Der anwesende Kämpfer muss nicht kämpfen, spart seine Kräfte und bekommt einen Sieg an diesem Turniertag. Trotzdem muss er ganz normal zum Turnier kommen, den Dohyo betreten und seinen Sieg samt Preisgeld mit dem ‚Tegatana-o-kiru‘ Ritual annehmen.

Kimarite: So nennen sich Siegtechniken im Sumo. Es gibt über 80 Arten unterteilt in sieben Gruppen. Darunter Basistechniken, die sehr häufig vorkommen, Wurftechniken, die zum Teil sehr spektakulär und gefährlich aussehen sowie Rückwärts-Wurftechniken, bei denen der Gegner von der Rückseite angegriffen wird. Als Besonderheit gibt es fünf Kimarite, die keine echten Techniken darstellen, sondern als selbstverschuldete Ausrutscher zu werten sind. Fusensho sind keine Kimarite.

Tegatana-o-kiru: Dabei handelt es sich um eine rituelle Danksagung des Rikishi an drei Shintogötter. Der Rikishi durchschneidet dreimal die Luft mit der senkrechten Hand und nimmt dann das Preisgeld und Sonderpreise an sich.

Maegashira: Die Makunouchi Divison teilt sich in fünf Ränge auf. Aufsteigend sind das die Maegashira, Komusubi, Sekiwake, Ozeki und Yokozuna.

Nakabi: Heißt übersetzt Mitteltag. Im Sumo ist es der achte Turniertag und somit immer der mittlere Sonntag im 15 Tage andauernden Basho.

Shimpan: Die Ringrichter sitzen zu fünft um den Ring verteilt und beobachten, welcher Kämpfer zuerst den Boden berührt. Shimpan sind ehemalige Rikishi, die in dieser Funktion der Sumowelt erhalten bleiben.

Sumotori: Wie ,Rikishi‘ ein weiterer Begriff für Kämpfer.

Bilanz: 10-2 bedeutet, der Rikishi hat bereits 10 Siege und 2 Niederlagen errungen. Es bedeutet auch, dass schon 12 Turniertage verstrichen sind. Manchmal findet man auch die Schreibweise 10-2-1, das bedeutet, der Kämpfer war zusätzlich einen Tag abwesend.

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