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Von der Straße in den Garten

Stadt Akita verkauft Kanaldeckel an Liebhaber

Eine eigene Kanaldeckel-Kultur, das gibt es wohl nur in Japan. Die ungewöhnlichen Abdeckungen machen seit Jahren Schlagzeilen – und mancherorts darf man sie sogar ganz legal mit nach Hause nehmen. So wie jetzt in Akita.

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Der Name Akita steht in Japan, neben der von dort stammenden Hunderasse, vor allem für grüne Natur und Reis von bester Qualität, die Markenzeichen der Präfektur im Norden der Insel Honshu. Doch auch für Liebhaber japanischer Kanaldeckel ist die gleichnamige Präfektur-Hauptstadt Akita seit einigen Jahren von Interesse.

Ein Kanaldeckel für 3000 Yen

Denn Akita verkauft seit 2018 ausgemusterte Kanaldeckel an Sammler und Liebhaber. Nach zwei Jahren Pause steht aktuell wieder ein kleines Kontingent zum Verkauf. Zehn Deckel mit dem Motiv festlicher Laternen warten auf neue Besitzer. Sie wurden im Zuge des Akita Kanto Matsuri verwendet, einem der drei größten Volksfeste im Nordosten Japans, das als wichtiges Kulturerbe im Land gilt.

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Preislich sind die Kanaldeckel ein Schnäppchen, gerade einmal 3000 Yen, rund 21 Euro, verlangt die Stadtverwaltung für die vierzig Kilogramm schweren Eisenscheiben. Allerdings gehört ein bisschen Glück zum Kauf dazu, denn weil die Nachfrage nach den Kanaldeckeln meist größer ist als das Angebot, müssen sich interessierte Personen über ein Formular bewerben.

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Das ist noch bis zum 21. Oktober möglich, danach wird – wenn mehr als zehn Bewerbungen eingegangen sind – ausgelost, wer tatsächlich einen Deckel erhält. Beim ersten Verkauf im Jahr 2018 kamen 22 Interessenten auf zehn Kanaldeckel, 2019 standen zwar doppelt so viele Deckel zum Verkauf – dafür bewarben sich aber auch 86 Käufer.

Kanaldeckel sind in Japan ein ganz eigenes Kulturergut. Denn viele Städte lassen Deckel mit einzigartigen Motiven herstellen, um den Straßen einen besonderen Charakter zu verleihen und Besucher anzulocken. Oft handelt es sich um Abbildungen lokaler Sehenswürdigkeiten, jedoch gibt es insbesondere in den letzten Jahren auch vermehrt Kooperationen mit bekannten Marken.

So wurden in der Stadt Odawara im vergangenen Jahr zwei Kanaldeckel mit Gundam-Motiven vorgestellt. Pokemon-Deckel wiederum findet man mittlerweile im ganzen Land, über 100 Stück gibt es für Liebhaber der Serie zu sehen. Und natürlich gibt es auch ganz ausgefallene Deckel, wie in der Stadt Tokorozawa.

Dort wurde 2020 ein Straßenabschnitt vom Bahnhof bis zu einem Einkaufszentrum mit 28 elektrischen Kanaldeckeln versehen. Die werden mit Solar-Strom gespeist und zeigen bunt leuchtende Motive zu bekannten Manga und Anime.

Die Schachtschlacht – per Handy-Spiel zu einer besseren Infrastruktur

Höhepunkt des Kanaldeckel-Kults ist wohl die „Große Schachtschlacht“. In dem über App gespielten Spiel geht es darum, besondere Kanaldeckel zu fotografieren und online zu stellen. So lernen die Teilnehmenden nicht nur mehr über ihre eigene Stadt, sondern sehen auch die Motive der Deckel in anderen Teilen Japans.

Immer wieder findet das Spiel in verschiedenen Regionen statt, im Juni etwa in der Kanto-Region. Zuletzt traten Kanaldeckel-Fans aus dem ganzen Land im August zum großen Schachtschlacht-Obon-Fest an. Auf der Webseite der Veranstalter gibt es regelmäßig neue Infos zur nächsten „Schlacht“ und den Preisen, die auf fleißige Fotografen warten.

Der Spaß hat dabei auch einen praktischen Hintergrund. Denn die Teilnehmenden sind angehalten, die Fotos mit Informationen zum Zustand der Kanaldeckel zu versehen. So erhalten Stadtverwaltungen Informationen darüber, welche Deckel womöglich repariert oder ausgetauscht werden müssen. Immerhin sind rund ein Fünftel der über 15 Millionen Schachtabdeckungen in Japan bereits über 30 Jahre alt, den Gemeinden fehlt aber oft der Überblick über deren Zustand.

Ausrangierte Deckel werden dann teilweise, so wie jetzt wieder in Akita, an Privatpersonen verkauft. Die dürfen dann mit den Abdeckungen machen, was sie wollen – außer sie weiterzuverkaufen. Viele, so sagt die Stadt, nutzen die Deckel als Dekoration im eigenen Garten oder bemalen die Deckel in bunten Farben.

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