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HomeNachrichten aus JapanTaxifahrerin verklagt Taxiunternehmen in Osaka wegen Diskriminierung

Vorgesetzte beschimpften sie, drängten sie zu einer Kündigung und bezahlten sie nicht

Taxifahrerin verklagt Taxiunternehmen in Osaka wegen Diskriminierung

Das Taxiunternehmen Yodigawa Kotsu in Osaka fällt aktuell mit negativen Nachrichten auf. Grund dafür ist die Klage von einer Fahrerin, die dem Unternehmen massive Diskriminierung am Arbeitsplatz vorwirft.

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Am Freitag reichte der 59 Jahre alte Fahrerin Klage gegen das Unternehmen beim Bezirksgericht Osaka ein. Sie wurde nicht bezahlt und man sprach ein Arbeitsverbot aus, da bei ihr eine Geschlechtsidentitätsstörung festgestellt wurde. Da sie dadurch seelisches Leid erfahren hat, fordert sie eine Entschädigung von 16.626 Euro.

Geschlechtsidentität war bei der Einstellung kein Problem

In der genauen Erklärung heißt es, dass der Fahrerin gesagt wurde, dass sie nicht arbeiten darf, weil sie krank und widerlich sei. Derartige Äußerungen und das Arbeitsverbot verursachten starke Depressionen. Die Fahrerin gab weiter an, dass sie direkt diskriminiert und aktiv zu einer Kündigung gedrängt wurde.

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Die Frau ist zurzeit noch legal unter dem männlichen Geschlecht eingetragen. Nach persönlichen Angaben fühlte sie sich seit der Grundschule mit dem zugeordneten Geschlecht nicht wohl. November 2018 wurde dann offiziell bei ihre eine sogenannte Störung der Geschlechtsidentität (GID) festgestellt. Zu dem Zeitpunkt war die Frau bereits als Taxifahrer tätig und im selben Monat von Yodigawa Kotsu fest eingestellt.

Bei der Bewerbung erklärte sie, dass sie GID hat, eine Frau ist und unter anderem Make-up verwende. Das schien so weit kein Problem zu sein und es gab zu Beginn keine Einschränkungen. Im Februar 2020 wurde die Frau jedoch zu einem Gespräch mit drei Vorgesetzten gerufen.

Fahrerin wird zur Kündigung gedrängt

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Angeblich gab es eine Beschwerde von einem Fahrgast. Er beschwerte sich, dass die Fahrerin ihn fast am Unterkörper berührt hat. Aufgrund des Vorfalls nahm das Unternehmen die Frau bis aufs Weitere aus dem Dienst. Die Frau erklärte hingegen, dass sie sich an so einen Vorfall nicht erinnern kann und bat als Belege um die Fahraufzeichnungen und andere mögliche Beweise. Das Unternehmen weigerte sich allerdings.

Stattdessen kam es bei dem Treffen zu Beschimpfungen. Die Vorgesetzten bezeichneten die Fahrerin als widerlich, krank und unheilbar. Als die Frau schließlich fragte, ob sie nun gefeuert wird, würde ihr nur gesagt, dass es an ihr liegt und sie Verantwortung übernehmen soll. Nach dem Gespräch wurde so getan, als ob sie bereits gekündigt hätte und nicht mehr arbeitet.

Taxiunternehmen will sich nicht äußern

Der Anwalt der Frau bezeichnet das Verhalten als Verletzung der Menschenrechte, die auf einer falschen Wahrnehmung von GID beruhen. Die Fahrerin gab dazu an, dass viele Menschen unter diesem Unverständnis leiden. Sie hofft deswegen, dass solche Diskriminierungen schnell behoben werden. Die Weltgesundheitsbehörde hat GID bereits nicht mehr als Erkrankung des psychischen Zustands eingestuft und betrachtet es mehr als eine Inkongruenz zwischen den Geschlechtern. Von einer Krankheit zu sprechen gilt deswegen als Diskriminierung.

Yodigawa Kotsu selbst wollte sich nicht zu der Klage äußern. Ein Anwalt des Unternehmens gab nur an, dass die Klage noch nicht bestätigt ist und sie deswegen keinen Kommentar abgeben.

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