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HomeNachrichten aus JapanTechnikBesondere Prothesen aus Japan sollen Menschen mit Behinderung das Musizieren ermöglichen

Projekt “MusiArms”

Besondere Prothesen aus Japan sollen Menschen mit Behinderung das Musizieren ermöglichen

Muss das Tragen einer Prothese das Ende einer musikalischen Karriere bedeuten? Nicht, wenn es nach Kaito Hatakeyama geht. Mit seinen “MusiArms” möchte der IT-Experte neue Möglichkeiten für Menschen mit körperlichen Einschränkungen eröffnen.

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Der 28-jährige Hatakeyama aus der Präfektur Chiba studierte zuerst Maschinenbau, bevor er sich an der Graduate School of Media Design der renommierten Keio Universität in Tokyo einschrieb. Seit 2017 arbeitet er an Arm-Prothesen, die gleichzeitig als Musikinstrument dienen.

Prothesen inspiriert von Full Metal Alchemist

Ausgangspunkt des Projekts war ein Gespräch des Erfinders mit einer Person mit Behinderung. Die erzählte ihm, wie schwer es für sie wäre, zu musizieren. Hatakeyama überlegte, wie er selbst etwas dazu beitragen könnte, die Situation zu verändern. Denn er ist ebenfalls Musiker, spielt in seiner Freizeit in einer Band. Wie belastend es sein kann, keine Musik mehr spielen zu können, konnte er sich nur zu gut vorstellen.

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Also machte er sich an die Arbeit und kombinierte seine Erfahrungen im Maschinenbau und als Musiker. Inspiration für seine ersten Entwürfe holte sich Hatakeyama aus der bekannten Serie “Full Metal Alchemist”. Deren Protagonist trägt eine fortgeschrittene Armprothese, in der Serie “Automail” genannt. So stellte sich auch Hatakeyama seine “MusiArms” vor – praktisch, vielseitig und gleichzeitig cool aussehend.

Das Interesse des jungen Mannes für Prothesen geht weit zurück. In seiner Kindheit sah er im Fernsehen einen Bericht über Kinder, die durch Landminen Körperteile verloren hatten. Er wünschte sich, für sie Prothesen bauen zu können. Denn jedes Kind, so sein Wunsch, sollte wie er und seine Freunde ohne Einschränkungen draußen spielen können.

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Erst viele Jahre später hatte er sich die nötigen Fähigkeiten durch seine Studien angeeignet, den Kindheitswunsch endlich in die Tat umzusetzen. Aus Entwürfen für die Instrument-Prothesen entstanden erste Prototypen, die im Austausch mit betroffenen Menschen weiter optimiert wurden. Planung, Entwicklung, Evaluation – das alles erledigt Hatakeyama in seiner Freizeit, hauptberuflich ist er für ein IT-Unternehmen tätig.

Prothesen für alle Lebenslagen

Die Instrumente sind leicht konstruiert, wiegen maximal 800 Gramm. Gespielt werden können sie mit jeweils einer Hand. Dazu musste sich der Erfinder Hatakeyama einige Tricks einfallen lassen. Die Bedienung soll einfach sein, damit die Instrumente von jedem erlernt werden können. Sein Gitarren-Arm etwa funktioniert mit Gummi-Saiten, über die verschiedene Töne gespielt werden. Die Tonlage des Instruments ändert sich außerdem, wenn es in verschiedenen Positionen gehalten wird.

Mittlerweile sind aus dem Projekt sechs “MusiArms” entstanden, die für Menschen konzipiert wurden, die ihren Unterarm verloren haben. Sie können anstelle einer Unterarmprothese getragen und so benutzt werden. Verfügbar sind unter anderem Saiten- und Tasteninstrumente sowie Schlagzeug. Ihren großen Auftritt hatten die Instrumente im vergangenen Jahr. Da wurden sie von Musizierenden in der Abschlusszeremonie der Paralympischen Spiele in Tokyo verwendet.

Die “MusiArms” sind nur der erste Schritt für Hatakeyama. Er möchte weiterhin Prothesen für alle Lebenslagen gestalten. “Ich könnte in der Lage sein, einen künstlichen Arm zu bauen, mit dem sein Träger Dart spielen kann. Und einen prothetischen Fuß, der als Musikinstrument dient”, sagt er. “Ich möchte nicht, dass Menschen ihre Träume aufgeben müssen. Ich will ihnen dabei helfen zu sein, wer sie sein möchten.”

Zu sehen sind einige der von Hatakeyama entwickelten Prothesen aktuell in Tokyo. Dort sind sie Teil der Austellung “You and Robots” im Miraikan – National Museum of Emerging Science and Innovation.

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