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HomeNachrichten aus JapanIm Bahnhof Shinjuku steht der erste Apotheken-Automat Japans

Testlauf zur Versorgung ländlicher Regionen

Im Bahnhof Shinjuku steht der erste Apotheken-Automat Japans

Für seine Verkaufsautomaten ist Japan weltbekannt. An etwa vier Millionen Automaten im Land bekommt man ein breites Angebot verschiedenster Waren und Dienstleistungen. Für Arzneimittel war man bisher jedoch auf Apotheken angewiesen, das soll sich ändern.

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Verkaufsautomaten prägen das japanische Straßenbild wie kaum ein anderes Objekt. So bieten sie beispielsweise zuverlässigen Zugang zu heißen und kalten Getränken sowie kleinen Leckereien. Manche der Maschinen bieten Gegenstände des täglichen Bedarfs an, einige sogar heiße Speisen zum Mitnehmen. In Katastrophenfällen können einige der Automaten sogar zur Grundversorgung in betroffenen Gebieten beitragen, indem sie ihre Waren kostenlos abgeben.

Automat soll den Service der Apotheken ergänzen

Medikamente gehörten bis jetzt allerdings nicht zum Repertoire der vielseitigen Maschinen. Für die ist weiterhin ein Gang zur Apotheke notwendig. Während man eine solche in japanischen Städten ohne weiteres in kurzer Zeit findet, geht die Versorgung in ländlichen Regionen immer weiter zurück. Schnelle Medizin für kleine gesundheitliche Beschwerden zu besorgen ist dann keine Option. Genau hier möchte ein japanisches Pharmaunternehmen mit neuen Apotheken-Automaten ansetzen.

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Die Firma Taisho Pharmaceutical Co. ließ einen Prototypen ihres Apotheken-Automaten jetzt in Tokyo aufstellen. Der Automat ist für den Einsatz an Bahnhöfen konzipiert und steht in der JR Shinjuku Station, einem der am meisten frequentierten Bahnhöfe Japans. Bis Ende August soll der Testlauf andauern.

Der Verkaufsautomat bietet Kunden dreißig verschiedene Produkte an, darunter Augentropfen, Verdauungsmedizin, aber auch Mittel gegen Erkältung und Schmerzen. Damit soll eine ganze Bandbreite häufiger Bedarfe abgedeckt werden. Im Laufe der Testphase sollen mögliche Probleme der Maschine aufgedeckt werden, damit diese vor einer Serienproduktion behoben werden können. Am aktuellen Standort rechnet man damit, eine hohe Zahl von Kunden gewinnen zu können und so die Performance des Automaten umfassend testen zu können.

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Denn eigentlich ist der Automat gar nicht für belebte Orte wie Tokyo gedacht. Vielmehr soll er dort zum Einsatz kommen, wo das Angebot an Apotheken zu dünn ist, um eine gute Versorgung zu gewährleisten. Der Wegfall von Infrastruktur und Handel in ländlichen Regionen ist ein anhaltendes Problem in Japan. Gerade in diesen Regionen leben jedoch auch viele ältere Menschen, die eher auf Medikamente angewiesen sein können.

Ganz ohne Menschen geht es noch nicht

Ganz ersetzen soll der Automat die herkömmlichen Apotheken aber nicht. Zum einen können dort nur rezeptfreie Arzneimittel verkauft werden. Zum anderen geht es trotz aller Automatisierung im Moment noch nicht ohne menschliche Mithilfe. Der Prototyp ist nämlich mit einer Apotheke von “Eki RESQ” des Bahnhofsbetreibers JR East verbunden, die sich im gleichen Bahnhof befindet. Das dortige Personal steht den Kunden am Automaten bei Bedarf für Fragen zur Verfügung. Darum kann der Automat aktuell nur von 10 Uhr morgens bis 6 Uhr abends genutzt werden. Für die zukünftige Nutzung möchte man die Zeiten jedoch ausweiten.

Außerdem macht man sich beim Herstellen Gedanken darüber, dass insbesondere Medikamente wie Schmerzmittel zweckentfremdet werden könnten. Bevor der Automat darum eine Bestellung ausspuckt, benötigt es derzeit noch der Freigabe durch die verbundene Apotheke. Zusätzlich ist die Maschine mit einer Kamera und Gesichtserkennungs-Software ausgestattet. Die soll erkennen, wenn eine Person mehrfach den Automaten nutzt um Medikamente in großer Zahl zu kaufen und blockiert dann weitere Transaktionen.

Ungewöhnlich ist auch, wie an dem Apotheken-Automaten gezahlt wird. Denn mit Bargeld oder Kreditkarten kann der Automat nichts anfangen. Zum Bezahlen ist stattdessen eine Prepaid-Karte nötig, wie sie in Japan für den öffentlichen Personennahverkehr genutzt wird. In Tokyo ist das etwa die “Suica”-Karte der Bahngesellschaft JR East oder die Pasmo-Card.

Diese Art von Karten kann an bestimmten Terminals mit Geld aufgeladen werden und erlaubt das Passieren der Ticketschranken in Bahnhöfen. Beim Verlassen des Zielbahnhofs wird die Karte erneut gescannt und der angefallene Betrag abgezogen. Schon heute lassen sich manche der Karten auch zum Bezahlen an Verkaufsautomaten nutzen, mit dem Apotheken-Automat kommt ein neues Angebot dazu.

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