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Wer krank ist oder aus sonstigen Gründen nicht zur Schule kommt, soll trotzdem weiterlernen können

Immer mehr japanische Kinder lernen mit Tablets

Immer mehr Schulen in Japan setzen auf Tablets, wenn es darum geht, Schulkindern, die nicht persönlich zum Unterricht erscheinen können, virtuell die Möglichkeit zu geben, weiterzulernen.

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Verschiedene Experten sind der Meinung, dass Fernunterricht eine Möglichkeit darstellen könnte, Kinder wieder daran zu gewöhnen, mit Gleichaltrigen im Klassenzimmer zu sitzen. An der Kyoto Sowa Highschool läuft aktuell ein entsprechendes Pilotprojekt. Ein Erstklässler, der wegen psychischer Probleme die Schule nicht mehr besuchen konnte, nimmt nun mit einem Tablet, getrennt von seinen Mitschülern, am Unterricht teil.

Moderne Tablets machen das Lernen leichter

Dem Jungen fällt es schwer, ein volles Klassenzimmer zu betreten und auch die Interaktion mit anderen Kindern sei für ihn ein Problem. Trotzdem ist er weiterhin sehr neugierig und wolle lernen. Anfänglich stellte die Schule dem Jungen ein einfaches Schultablet zum Lernen zur Verfügung sowie einen separaten Raum, in dem er sich aufhalten konnte. Allerdings erwies sich das als wenig wirksam, denn er konnte trotz der Lektionen dem Unterricht nicht richtig folgen.

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Die Schule entschloss sich, ein Gerät mit eingebauter Kamera anzuschaffen. Vor dem Lehrerpult wurde ein Tisch aufgestellt, auf dem eine Kamera steht, die alles filmte. Per App kann der Schüler die Kamera steuern und somit Bilder vergrößern oder den Kamerawinkel verändern, sodass er die Tafel immer im Blick hat. „Kubi„, so der Name des Systems, entstand bei einem Technikunternehmen aus Kobe (Präfektur Hyogo). „Kubi“ heißt übersetzt Hals. Die Kamera lässt sich seitlich um 300 Grad drehen und kann in einem 90-Grad Winkel nach oben und unten bewegt werden.

Für die Lehrenden ist das Tablet-System eine Möglichkeit, Schulkinder, die nicht in die Schule kommen, am Unterricht teilhaben zu lassen. In der Zukunft soll das System auch bei der Gruppenarbeit zum Einsatz kommen. Außerdem sollen auch bald Kinder aus dem Krankenhaus heraus, die Chance bekommen, wieder zu lernen.

Aus dem Krankenhaus ins Klassenzimmer

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Ein Schüler der sechsten Klasse der Katsurazaka-Grundschule aus Kyoto litt an einer schweren Krankheit. Deswegen verbrachte er fast das gesamte erste Halbjahr im Krankenhaus. Nach seiner Entlassung konnte er immer noch nicht sofort am Unterricht teilnehmen und musste von Zuhause lernen. Dank „Kubi“ kann er jetzt ebenfalls per Tablet wieder im Klassenzimmer dabei sein. Per Tablet kann der Junge seinen Lehrern Fragen stellen und mit seinen Klassenkameraden interagieren. Aktuell besucht er zwei bis drei Tage die Woche den Online-Unterricht und ist sehr froh, wieder mit seinen Freunden lernen zu können.

Aus dem Krankenhaus ins Klassenzimmer
Modernes Lernen. Bild: iPresence/Kyodo

Nach Angaben des Bildungsministeriums haben 2020 rund 240.000 Schüler der Grund-, Mittel- und Oberstufe in Japan aus gesundheitlichen oder anderen Gründen nicht am Unterricht teilgenommen. Ein wichtiger Grund war der Umgang mit Mitschülern. Das Ministerium gestattete den Schulen den Einsatz moderner Technologien, sodass die Kinder ihrer Schulpflicht trotzdem nachkommen können. Solange bestimmte Bedingungen erfüllt sind, wird die Online-Teilnahme am Unterricht als Schulbesuch gewertet.

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