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Japan greift nach den Sternen

Japanische Raketen sollen bald von Hokkaido in den Orbit starten

Japans nördliche Insel Hokkaido ist vor allem bekannt für unberührte Natur und raues Klima. Doch schon bald soll sie auch einer der wichtigsten Standorte für Raketenstarts in Japan sein.

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Zentral dafür ist das Projekt „Hokkaido Spaceport“. Nahe der Kleinstadt Taiki an der Küste Hokkaidos entstehen aktuell neue Startplattformen, die kommerzielle und wissenschaftliche Raketenstarts ermöglichen werden.

Hokkaido wird Standort für Japans dritten Weltraumbahnhof

Bereits seit Langem betreibt Japans Weltraumagentur JAXA in der Region den Taiki Multi-Purpose Aerospace Park, zu dem unter anderem eine Start- und Landebahn, sowie eine Startplattform für kompakte Raketen zur Sammlung von Daten in der Atmosphäre gehören.

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Doch mit der zunehmenden Nachfrage nach Satellitentechnologie erkannte man in Taiki eine Chance, die Stadt wirtschaftlich aufblühen zu lassen. Mit dem Ausbau des Aerospace Park zum Weltraumhafen „Hokkaido Spaceport“ sollen schon bald erste Satelliten von Hokkaido aus in die Umlaufbahn gebracht werden.

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Die Anlage wird neben dem Tanegashima Space Center und dem Uchinoura Space Center, beide im Süden Japans gelegen, der dritte Weltraumbahnhof Japans sein. An kleineren Startplattformen wird zudem in mehreren Regionen des Landes gebaut. Denn mit Raketenstarts lässt sich derzeit viel Geld machen. Genau 146 Raketenstarts wurden in 2021 weltweit durchgeführt – 70 Prozent mehr als noch fünf Jahre zuvor. Und die Nachfrage steigt.

Unternehmen aus Taiki entwickelt eigene Träger-Raketen

Lange Zeit lagen die meisten Kapazitäten für Raketenstarts bei den USA, Europa, China und Russland. Unternehmen, die für ihre Geschäfte Satelliten ins All bringen wollten, nutzten die Angebote dieser Länder. Doch mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine wurden die Starts der Soyuz-Trägerraketen eingestellt. Das ermöglicht anderen Ländern nun, in das lukrative Geschäft einzusteigen.

Das sieht auch die japanische Regierung so und kündigte im Mai an, die Startkapazitäten landesweit auszubauen und die Forschung an eigenen Raumfahrzeugen voranzutreiben. Der Bau des Hokkaido Spaceport wird zur Hälfte durch den Staat gefördert, die weiteren Kosten werden von beteiligten Unternehmen getragen. Insgesamt 2,23 Milliarden Yen (ca. 15,4 Millionen Euro) soll das Projekt insgesamt kosten, für dessen Durchführung das Unternehmen Space Cotan gegründet wurde.

Im September begannen die Bauarbeiten an Launch Complex-1, der ersten von zwei Startanlagen für Orbitalraketen. Die Fertigstellung ist für das Haushaltsjahr 2023 geplant, dann sollen bereits die ersten Raketenstarts stattfinden.

Wem die Ehre gebührt, die erste Rakete vom Hokkaido Spaceport zu starten, steht auch schon fest. Das in Taiki ansässige Unternehmen Interstellar Technologies Inc. (IST). Das Unternehmen ist eine der beteiligten Firmen am Spaceport-Projekt und betreibt bereits die Startplattform 0.

Von der aus starteten in den vergangenen Jahren insgesamt sieben MOMO-Raketen des Unternehmens, die mit Messtechnik bestückt waren – vier der Missionen schlugen kurz nach dem Start jedoch fehl. Unter den drei erfolgreichen Raketen war eine, die weltweit Schlagzeilen machte: Sie war gesponsert vom japanischen Sexspielzeug-Hersteller Tenga und brachte neben Messgeräten auch Sexspielzeug ins All.

Modell der Rakete Zero
Noch ist sie nur ein Modell – doch schon bald soll die „Zero“-Rakete Satelliten ins All tragen. Bild: AS

Nun arbeitet IST mit Hochdruck an „Zero“, einer Rakete, die in der Lage sein soll, Satelliten in die Umlaufbahn zu bringen. Durch eine kompakte Größe ist „Zero“ nur für kleine Satelliten geeignet – dafür aber günstiger als viele Konkurrenz-Raketen. Bis zu 600 Millionen Yen (ca. 4,15 Millionen Euro) soll ein Zero-Start kosten – ein Schnäppchen im Vergleich zu den mehreren Milliarden Yen, die bisher für vergleichbare Missionen fällig werden.

Taiki möchte Japans „Space Town“ sein

Zehn Raketen möchte das Unternehmen künftig pro Jahr starten lassen, so IST-Präsident Takahiro Inagawa. Er vergleicht die Rakete wegen ihrer geringen Größe mit einem Taxi, weil sie von einer Vielzahl an kleinen Weltraumhäfen aus gestartet werden kann, wo immer der Kunde es wünscht.

Im Städtchen Taiki erhofft man sich vom Hokkaido Spaceport und dem wachsenden Geschäft mit den Raketen einen Aufschwung für die wirtschaftlich abgehängte Region. Schon seit den 80er-Jahren ist Raumfahrt ein Thema in Taiki – damals wurde die Stadt wegen ihrer Lage am Meer und dem zuverlässig klaren Wetter als Kandidat für Weltraumprojekte auserkoren.

Bürgermeister Masato Sakamori sieht die Anstrengungen zur Entwicklung der Gemeinde nun endlich Früchte tragen. Wenn der Weltraumhafen erst einmal seinen vollen Betrieb aufnimmt, möchte Taiki Japans „Space Town“ sein. Die Startanlagen und Unternehmen wie IST sollen dann Arbeitsplätze schaffen, die Menschen dazu bewegen, in die Stadt zu ziehen.

Gleichzeitig sollen die Raketenstarts Touristen nach Norden locken. Ob Taiki jemals zu dem futuristischen „Silicon Valley“ wird, das in einer Konzeptzeichnung auf der Webseite des Hokkaido Spaceport zu sehen ist, steht noch in den Sternen. Doch zumindest bis zur Anerkennung als dritter Weltraumhafen Japans sollte es nur noch einige Monate dauern.

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