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Smarte Landwirtschaft

Wie Startups Japans Landwirtschaft ins Digital-Zeitalter befördern

Landwirtschaft spielt in Japan seit jeher eine zentrale Rolle. Insbesondere der Anbau von Reis hat Japans Gesellschaft nachhaltig geprägt und ist auch heute für die Ernährung der Bevölkerung wichtig. Um die eigene Produktion zu sichern, steigern und effektiver zu machen, rücken nun immer mehr neue Technologien in den Fokus.

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Bisher ist Japan, wenn es um Lebensmittel geht, stark auf Exporte aus dem Ausland angewiesen. Rund 40 Prozent der konsumierten Lebensmittel produziert das Land selbst. Rund 12 Prozent der Landesfläche sind Anbaugebiet, das von über einer Million Betrieben bewirtschaftet wird.

Landwirtschaft und Web 3.0

Die sind, wie so viele Branchen in Japan, stark von zunehmender Überalterung betroffen. Ohne Nachwuchs und Innovation blickt Japans Agrarindustrie auf eine düstere Zukunft. Darum entstehen im Land immer mehr Startups, die mit innovativen Ideen neue Technologien in die Landwirtschaft einführen möchten.

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Eines der wohl ungewöhnlichsten Projekte existiert bereits seit März 2022 und nennt sich Metagri-Labo. Ziel von Metagri ist die Verknüpfung von Landwirtschaft und Blockchain-Technologie, um gezielt benachteiligte Regionen wirtschaftlich neu zu beleben.

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Bis 2024 soll nach dem Willen von Metagri ein Netzwerk entstehen, das es den Landwirten erlaubt, ihre Waren per Blockchain direkter und gewinnbringender an Endverbraucher zu bringen. Teil des Projekts sind dabei auch sogenannte NFT (non-fungible token), die in den letzten Jahren vor allem im Bereich digitaler Kunst kontrovers diskutiert wurden.

Zusammen mit der Shimada-Wassermelonen-Farm in der Präfektur Kumamoto im Südwesten Japans brachte Metagri eine NFT-Kollektion mit zwanzig limitierten Wassermelonen-Bildern heraus. Das Besondere: mit dem Kauf eines der NFT erhielten die Käufer nicht nur das Besitzrecht an einem der Bilder, sondern bekamen auch eine echte Shimada-Melone zugeschickt.

Auch für Tomaten, Trauben und Reis gibt es bereits Metagri-NFT-Kollektionen, bald soll ein Set rund um Zitronen folgen, um die Insel Nakajima bei Shikoku zu unterstützen. Zudem unterhält Metagri eine digitale Farm im Metaverse, auf der sich Projektmitglieder treffen und austauschen können.

Ob aus dem Weltall oder am Boden – Landwirtschaft entwickelt sich weiter

Den Fokus auf neue Anbauflächen legt wiederum das Compass-System, das vom Startup Tenchijin Inc. der Japan Aerospace Exploration Agency entwickelt wurde. Compass sammelt Satellitendaten und wertet sie mithilfe von Big-Data-Verfahren aus, um Landflächen für eine optimale Reisproduktion zu bewerten.

Mit Compass soll Landwirtschaft weltweit in die Lage versetzt werden, Orte mit guten Bedingungen für hochqualitativen Reisanbau zu identifizieren. Auch Veränderungen der Ökosysteme durch den Klimawandel können erkannt werden, um rechtzeitig mit angepassten Anbaumethoden zu reagieren. Sogar sozioökonomische Faktoren der betrachteten Landfläche soll das System nach Aussage des Gründers von Tenchijin berücksichtigen.

In der Präfektur Nagano wiederum wird ganz praktisch an der Automatisierung von landwirtschaftlichen Prozessen gearbeitet. Das dort ansässige Startup Emi Lab entwickelt einen Roboter zum Versprühen von Pestiziden.

Der würfelförmige Roboter bewegt sich auf vier Rädern, kann ferngesteuert werden und erreicht durch seine Bauart effektiv alle Teile der zu behandelnden Pflanzen. Rund 100 Liter Pestizide kann der Roboter mit sich herumfahren. Für die Landwirte selbst bleibt nicht mehr viel zu tun: sie müssen dem Roboter nur eine Route vorgeben, die dieser dann per GPS abfährt.

Emi Lab produziert die Roboter derzeit nach Bestellung, zwei Millionen Yen (rund 14,400 Euro) kostet ein Exemplar. Das Unternehmen hofft, dass Landwirte ihre Erfahrungen mit den Maschinen teilen werden, um sie bekannter zu machen. Auch Drohnen als Hilfsmittel in der Landwirtschaft sind in Japan immer beliebter. Sie können etwa zum Düngen eingesetzt werden.

Ob die neuen Technologien ausreichen werden, um Japans Landwirtschaft langfristig zukunftsfest zu machen, steht noch in den Sternen. Während der Pandemie stieg zwar die Nachfrage nach Tätigkeiten in der Landwirtschaft und mehr junge Menschen zog es von der Stadt aufs Land. Doch ob diese Entwicklung auch nach dem Ende der Pandemie anhält, ist ungewiss.

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