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Tod durch Überarbeitung in Japan – Werbegigant Dentsu vor Gericht

Zwei Jahre nach dem Suizid einer Angestellten hat nun der öffentlichkeitswirksame Prozess gegen das größte Werbeunternehmen Japans begonnen. Firmenchef Toshihiro Yamamoto bekannte sich dabei im Namen des Unternehmens als schuldig und versprach verbesserte Arbeitsbedingungen für die Angestellten von Dentsu Inc.

22.09.2017 Tokyo: In der ersten Anhörung des Prozesses forderte die Staatsanwaltschaft eine Strafe von 500,000 Yen (knapp 3,800 Euro). Ein Urteil wird für den 6. Oktober 2017 erwartet. Firmenchef Toshihiro Yamamoto bekannte sich als schuldig, illegale Arbeitspraktiken angewendet zu haben. „Ich fühle mich zutiefst verantwortlich für den Verlust des wertvollen Lebens unserer Mitarbeiterin. Jetzt, wo ich hier vor Gericht stehe, realisiere ich die Ernsthaftigkeit und die Schwere des Falls.“

Auf einer Pressekonferenz nach dem Gerichtsverfahren äußerte Unternehmenschef Toshihiro Yamamoto, dass er den Tod der 24-Jährigen Matsuri Takahashi zutiefst bereue und dass er sich aufrichtig bei der Verstorbenen und ihrer Familie entschuldige. „Wir haben es nicht geschafft, unserer sozialen Verantwortung als Unternehmen nachzukommen“, so Yamamoto.

100 Überstunden und 2 Stunden Schlaf

Matsuri Takahashi hatte sich Weihnachten 2015 im Firmen-Wohnheim das Leben genommen, nach dem sie jeden Monat rund 100 Überstunden machte und nur 2 Stunden täglich schlief. In einem Tweet kurz vor ihrem Tod schrieb die junge Frau, dass sie jegliche Emotionen verloren habe und nur noch den Wunsch verspüre, zu schlafen.

Nach ihrem Suizid, der offiziell als Karoshi, Tod durch Überarbeitung, klassifiziert wurde, forderten die Behörden die Staatsanwaltschaft dazu auf, in dem Fall zu ermitteln. Der Fall von Takahashi hatte die Problematik Karoshi wieder ins öffentliche Bewusstsein gerufen. Hiroshi Kawahito, der Anwalt der Mutter von der 24-Jährigen, betonte dabei, dass ein öffentlichkeitswirksamer Prozess wie der gegen Dentsu Inc. dabei helfe, das Unternehmensbewusstsein japanischer Firmen zu stärken.

Dentsu Inc. – Most Evil Corporation in Japan

Dentsu Inc, die einflussreichste und größte Werbeagentur Japans, ist für harte Arbeitsbedingungen bekannt. 2016 wurde das Unternehmen sogar mit dem sogenannten Black Company Award für das „teuflischste“ Unternehmens (Most Evil Corporation) Japans ausgezeichnet. Der Preis wird in der Regel an Firmen verliehen, die für exzessive Überstunden, Diskriminierung und Schikane am Arbeitsplatz bekannt sind.

Nach dem Tod von Matsuri Takahashi begann Dentsu Inc. damit, neue Arbeitsrichtlinien einzuführen. Unter anderem soll um 22 Uhr das Licht ausgeschaltet werden und den Angestellten wird morgens ein Frühstück bereitgestellt.

Ob Dentsu Inc. in Zukunft allerdings tatsächlich verbesserte Arbeitsbedingungen für seine Angestellten einführt, bleibt abzuwarten. Die Mutter von Matsuri Takahashi, Yukimi Takahashi, zweifelt jedenfalls daran: „Dentsu hat schon vor Anstellung meiner Tochter immer wieder versprochen, die Arbeitsbedingungen zu bessern. Weil ich das weiß, fällt es mir schwer, den Worten des Unternehmenschefs Glauben zu schenken.“

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1 Kommentar

  1. Da wird sich nichts ändern. Leere Versprechungen und weiterhin krasse Überstunden sind in Japan doch schon Gang und Gebe geworden. Es dauert nicht lange, bis der nächste Karoshi-Fall in den Nachrichten erscheint. Und vermutlich wird es auch ein Angestellter von Dentsu Inc. sein.

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