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Auch Politiker sind empört

Tod von inhaftierter Sri Lankerin macht auf Japans Umgang mit Ausländern aufmerksam

Im März verstarb eine Sri Lankerin in einer Einwanderungshaftanstalt unter unmenschlichen Bedingungen. Ihr Tod wird zurzeit stark in Japan diskutiert und gleichzeitig wird zum ersten Mal der Bevölkerung bewusst, wie in ihrem Land Ausländer behandelt werden.

Ratnayake Liyanage Wishma Sandamali wurde inhaftiert, weil sie ihr Visum überzogen hatte. Sie war 2017 nach Japan gekommen, um Englischlehrerin zu werden. Nachdem sich jedoch einen Mann kennengelernt hatte, wurde sie beim Japanisch-Unterricht nachlässig und verschwand schließlich, woraufhin sie von der Schule gemeldet wurde.

Sri Lankerin hält ihren Leidensweg fest

Sie beantragte später Asyl, zog den Antrag jedoch zurück, nachdem ihre Verlängerung ihres Visums abgelehnt wurde. Letzten August meldete sie sich bei der Polizei, weil ihr Freund sie misshandelt hatte und sie nach Hause wollte, aber kein Geld hatte.

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Die Behörde interessierte sich nur für das abgelaufene Visum und inhaftierte sie in einer Einrichtung in Nagoya. Nach Monaten erhielt sie Post von ihrem Ex-Freund, der von ihrer Anzeige wusste und drohte, sich bei ihrer Heimkehr nach Sri Lanka zu rächen. Ratnayake bat daraufhin, in Japan zu bleiben.

Nachdem sie weiter ohne eine Erklärung und großer Ungewissheit in der Haftanstalt festgehalten wurde, erkrankt sie letzten Dezember. Sie wurde zu Ärzten gebracht, die eine psychische Erkrankung feststellen, die durch den enormen Stress verursacht wurde. Sie bekam Medikamente und es wurde empfohlen, sie vorübergehend freizulassen, was abgelehnt wurde.

Ratnayake ging es jedoch trotz Medikamenten nicht besser und sie konnte kaum noch Nahrung zu sich nehmen. In ihrem Tagebuch hält sie fest, dass sie furchtbar hungrig ist und dringend Hilfe will. Die Bitte, in einem Krankenhaus behandelt zu werden, wird ihr jedoch wiederholt abgeschlagen, obwohl Ärzte eine Behandlung empfehlen.

Nicht der erste Todesfall

Die Behörden vermuteten, dass die Sri Lankerin alles nur vortäuscht, um nicht abgeschoben zu werden. Dass die Frau immer schwächer wurde und sich kaum noch bewegen konnte, wird ignoriert. Sie versuchte einen zweiten Antrag auf vorübergehende Freilassung zu stellen, der auch abgelehnt wird.

Am 4. März wird Ratnayake in ein Krankenhaus gebracht, der Arzt kann ihr jedoch nicht wirklich helfen. Er empfiehlt jedoch eine medizinische Freilassung. Am 6. März 2021 stirbt Ratnayake im Alter von 33 Jahren alleine in ihrer Zelle. Vermutlich an akuter Unterernährung.

Der Todesfall ist nicht der Erste in Japans Einwanderungshaftanstalten, die für ihre unmenschlichen Zustände berüchtigt sind. Mindestens 24 Personen sind seit 1997 umgekommen. Im Fall von Ratnayake lässt sich ihre Familie aber nicht von den Behörden abspeisen. Sie wollen Antworten und sammeln Unterstützer.

Das sorgt für Aufsehen und Empörung, die bis zur Regierungspartei vordringt. Ratnayake wurde ein Opfer von Japan Einwanderungssystem, das aus einer undurchsichtigen und launischen Bürokratie besteht, heißt es. Wer sein Visum überzieht oder illegal im Land ist, wird teilweise über Jahre ohne weitere Erklärungen inhaftiert.

Ausländer sind gegenüber den Behörden machtlos

Einwanderungsentscheidungen werden im Geheimen beschlossen, Migranten haben kaum rechtliche Unterstützung, Aufenthaltsgenehmigung werden plötzlich annulliert und Asylsuchende werden unter so strengen sowie veralteten Regelungen behandelt, dass so gut wie niemanden den Status erhält.

Japan hat in den letzten Jahren deutlich gemacht, dass Geflüchtete unerwünscht sind. Alleine letztes Jahr wurden nur 47 Asylsuchende aufgenommen, was gerade mal ein Prozent aller Antragssteller ist. Für die Mehrheit der Anderen droht mit der Ablehnung Verfolgung, Folter und der Tod.

Doch nun tut sich etwas in Japan und die Menschen wollen ein Ende von den Diskriminierungen. Wegen Ratnayake Todes verweigert die Opposition eine Abstimmung und weitere Beratung der Änderung des Einwanderungsgesetzes so lange, bis der Fall aufgeklärt ist.

Der Gesetzesentwurf selbst wird international dafür kritisiert, dass er weiterhin gegen die Standards der weltweiten Menschenrechte verstößt und die Lage für Ausländer nur verschlimmbessert. Die regierende Liberaldemokratische Partei musste nach den Protesten aus den eigenen Reihen einsehen, dass sie die Gesetzesänderung nicht durchsetzen können und gaben sie vorerst auf.

Die Hinterbliebenen wollen nur eins: Antworten

Am selben Tag traf sich Justizministerin Yoko Kamikawa mit den zwei Schwestern von Ratnayake und drückte ihr Beileid aus. Zuvor wollte die Ministerin mit dem Fall nichts zu tun haben. Wirklich zum Tod will sie sich auch erst äußern, wenn es einen umfassenden Bericht von der Einwanderungsbehörde gibt. Dazu weigert sie sich, Videoaufnahmen von den letzten Lebensstunden der Sri Lankerin zu veröffentlichen.

Der Versuch der Schadensbegrenzung stoppt jedoch nicht die Wut der Menschen. Fast täglich gibt es Proteste vor dem Parlament. An ihrer Seite stehen Abgeordnete, die Änderungen wollen und welche der Regierung schwere Vorwürfe machen. Hinzu kommt, dass offizielle Berichte sich widersprechen.

Zwischen all dem stehen Ratnayakes Mutter und ihre Schwestern, die nur wissen wollen, warum erst so spät geholfen wurde und warum die Frau so sehr leiden musste. Fragen sind zurzeit alles, was ihnen geblieben ist, weil Antworten bekommen sie nicht.

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