Anzeige
HomeNachrichten aus JapanToei Animation lehnt Zusammenarbeit mit Gewerkschaft wegen LGBTQ-Mitglied ab

Animationsstudio schreibt diskriminierenden Brief

Toei Animation lehnt Zusammenarbeit mit Gewerkschaft wegen LGBTQ-Mitglied ab

Toei Animation ist eins von Japans erfolgreichsten Animationsstudios, das zahlreiche weltweit bekannte Anime produzierte. Nun rückte das Studio kürzlich aus einem negativen Grund ins Rampenlicht. Sie lehnten die Zusammenarbeit mit einer lokalen Gewerkschaft ab, da ein*eine Vertreter*in sich als sexuelle Minderheit identifiziert.

Anzeige

Eigentlich wollte die Precariat Union wegen eines Mitarbeiters Arbeitsverhandlungen durchführen. Dazu kam es nicht und stattdessen erhielt die Gewerkschaft einen Brief von Toei. Sie werfen einen*einer Vertreter*in vor einen falschen Namen verwendet zu haben. Bei der Person (A-san) handelt es sich um jemanden des sogenannten X-Gender, welches in Japan Menschen beschreibt, die weder Frau noch Mann sind.

Animationsstudio geht die Geschlechtsidentität nichts an

A-san hat deswegen einen Namen als Alias gewählt, der besser zur Geschlechtsidentität passt. Toei zeigte sich aber in keiner Hinsicht tolerant. Sie beschuldigten xie einen falschen Namen verwendet zu haben und dass sie getäuscht worden wären. In den Schreiben nennt Toei A-san dazu durchgehend beim alten Namen und beschuldigt xie das Vertrauensverhältnis zum Unternehmen und der Gewerkschaft massiv beschädigt zu haben.

LESEN SIE AUCH:  Japanische Firma entschädigt ehemaligen Mitarbeiter nach unfreiwilligem Outing

A-san zeigte sich von den Anschuldigungen schockiert. Das Alias sei überhaupt nichts Ungewöhnliches in der Branche. Unter anderem arbeiten verheiratete Paare gerne unter einem anderen Namen. Xie erklärte weiter, dass xie den Namen nur für Tarifverhandlungen verwende und dieser nichts mit dem Namen im Familienregister zu tun habe.

Tarifverhandlungen sind eine von der Gewerkschaft festgelegte Verpflichtung und sind laut A-san keine Frage der Vertrauensverhältnisse. Xie vermutet deswegen, dass Toei xie nicht bei den Diskussionen dabeihaben will, da sie überhaupt kein Interesse daran haben, die Streitigkeiten zu beseitigen.

Es herrscht große Enttäuschung

Anzeige

A-san vertritt nämlich einen ehemaligen Abteilungsleiter, der Toei der unfairen Behandlung beschuldigt. Er sei zu Unrecht von dem Animationsstudio degradiert worden und habe sieben Jahren unter Machtmissbrauch sowie Überarbeitung gelitten. Er wurde von einem Animationsdirektor nach einer Auseinandersetzung herabgestuft. Es geht demnach überhaupt nicht um A-san und die Frage nach der Geschlechtsidentität, sondern um die Behandlung des Mitarbeiters.

A-san selbst fühlte sich sehr verletzt davon, das Toei absichtlich den alten Namen verwendete, der xier schon beim Anschauen im Familienregister weh tut. Das xie nun Opfer einer diskriminierenden Handlung des Unternehmens geworden ist, enttäuscht xie und macht xie traurig.

Das aggressive Verhalten des Animationsstudios hatte allerdings nicht mit Brief angefangen. Die Gewerkschaft selbst hat bereits dreimal mit Toei wegen der Verhandlungen gesprochen. Alle drei Treffen wurden aufgrund der Pandemie über Online-Konferenzen durchgeführt.

Verhalten von Toei überrascht

Das vierte Treffen sollte vor Ort stattfinden und A-san hatte vorab das Studio angerufen, um sich dann mit einem Anwalt und weiteren Personen an dem Studiogelände zu treffen. Vorort regierte der Anwalt jedoch sehr aggressiv und rief am Ende sogar den Sicherheitsdienst, um die Gruppe zu vertreiben.

Anzeige

Danach schrieb Toei noch etwas mit der Gewerkschaft, jedoch ohne auf eine Einigung zu kommen. Schließlich erreichten die Streitigkeiten mit dem diskriminierenden Brief ihren Höhepunkt. Dass die Situation so weit eskalieren würde, könnte der Mitarbeiter nicht glauben.

Der Mitarbeiter arbeitet immer noch bei Toei, allerdings ohne jegliche offen Unterstützung und er erledigt nur noch niedrige Arbeit. Allgemein sei er enttäuscht, dass sich die Situation so stark verschlechtert hat, da er zu Beginn sich viel von dem Studio erhoffte und einen guten Eindruck hatte.

Petition gestartet

Die Gewerkschaft hat mittlerweile eine Petition gestartet, um sich gegen das unmögliche Verhalten von Toei zu wehren. In Bezug auf A-san und dem Mitarbeiter sollte sich das Animationsstudio schämen, gerade weil sie für Anime für Kinder bekannt sind, die Hoffnung machen und für Vielfalt in der Gesellschaft stehen. Toei streitet hingegen alle Vorwürfe der Diskriminierung ab und hat nicht vor sich zu entschuldigen.

Es läuft ebenfalls gerade eine weitere große Petition in Japan, die ein Antidiskriminierungsgesetz für sexuelle Minderheiten erreichen soll. Dabei wird vor allem auf Unterstützung aus dem Ausland gesetzt, die weiteren Druck aus die Regierung aufbauen soll.

Anzeige
Anzeige