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Kinder gelten als Familienmitglieder

Tokioter Bezirk erkennt LGBTQ-Familien an

Letztes Jahr sorgte der Kommentar eines Abgeordneten aus dem Adachi-Bezirk von Tokyo für Empörung, da er massiv sexuelle Minderheiten diskriminierte. Der Bezirk hat nun ein System gestartet, um LGBTQ-Familien anzuerkennen.

Am Donnerstag startete Adachi offiziell die Zertifizierung von LGBTQ-Paaren und ihren Familien als Teil ihrer Bemühung für LGBTQ-Menschen. Es ist damit bereits die 100. Gemeinde in Japan, die sexuelle Minderheiten mit besonderen Systemen anerkennt und ihnen so fast die gleichen Rechte wie heterosexuellen Paaren ermöglicht.

Reaktion auf diskriminierenden Kommentar

Unter dem „Partnerschafts- und Familienzertifikaten“ können sich LGBTQ-Paare nun offiziell eintragen lassen und erhalten eine Karte für ihren Beziehungsstatus. Auch Ausländer können das System verwenden. Ebenfalls werden Minderjährige unter 20 Jahren als Mitglied der LGBTQ-Familien registriert.

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Mitsuhiro Terajima, Leiter der Abteilung des Bezirksbüros für das System, erklärte, dass sie lokale Einrichtungen angewiesen haben, die Paare wie reguläre Ehepaare zu behandeln. Die Zertifikate ermöglichen zwar eine Anerkennung der LGBTQ-Familien, bieten aber keine rechtliche Grundlage, weswegen niemand verpflichtet ist, Paare gleichwertig zu behandeln.

Im Fall von Adachi sorgt das System für besonders viel Aufsehen, da es eine indirekte Reaktion auf eine Aussage des Abgeordneten Masateru Shiraishi ist. Im September hatte er bei einer Versammlung behauptet, dass der Bezirk aufhört zu existieren, wenn sie sexuellen Minderheiten Rechte zusichern und sie gesetzlich schützen.

Anerkennung von LGBTQ-Familien mit Kindern ist selten

Der 79 Jahre alte Shiraishi, der zur regierenden liberaldemokratischen Partei gehört, musste seinen Kommentar später zurücknehmen und er entschuldigt sich halbherzig dafür. Umso mehr wird sich nun gefreut, dass sich der Bezirk für das System entschieden hat, nachdem sie die Meinung von sexuellen Minderheiten miteinbezogen.

Eine Besonderheit daran ist, dass auch LGBTQ-Familien mit Kindern anerkannt werden. Adachi ist damit die erste Gemeinde in Tokyo, die Kinder von LGBTQ-Paaren registriert, unabhängig, ob sie der biologische Nachwuchs sind oder nur adoptiert. Normalerweise können verheiratete Paare ganz einfach für ihr Kind ein Dokument erhalten, das sie unter dem Familienregistrierungssystem als ein Haushalt einträgt. Da LGBTQ-Paare jedoch nicht heiraten können, können sie auch nicht ihre Kinder gemeinsam eintragen lassen.

Neben Adachi haben bisher nur die Städte Akashi und Tokushima ebenfalls ein System zur Anerkennung von Kindern. Es wird deswegen gehofft, dass der Bezirk weitere Gemeinden dazu inspiriert, dem Beispiel zu folgen und sie sich gegen die veralteten Gesetz der Zentralregierung stellen. Allgemein scheint es in Japan ein großes Umdenken zu geben, was sich zuletzt in dem Gerichtsurteil zeigte, welches die Ablehnung von gleichgeschlechtlichen Paaren durch die Regierung als verfassungswidrig bezeichnete.

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