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Komplett geschlossen, bis 20 Uhr oder Take-Out und Lieferung

Tokyo bei Nacht fast ausgestorben

In Japan nehmen die Infektionen mit dem Coronavirus immer weiter zu. Gerade Tokyo ist besonders betroffen, weshalb seit dieser Woche für die Hauptstadt und drei weitere Präfekturen der Ausnahmezustand gilt.

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In diesem wurden unter anderem Restaurants und Bars gebeten, bereits um 20 Uhr zu schließen. Eine Verpflichtung dazu gibt es allerdings nicht. Daher haben die Institutionen gewisse Entscheidungsspielräume, weshalb überall im Großraum Tokyo Bars und Restaurants ganz unterschiedliche Wege eingeschlagen.

Gespenstige Ruhe im Shibuya-Viertel

Freitagabend, traditionell eine Zeit, in der die Tokyoter am Ende einer arbeitsreichen Woche die Seele baumeln lassen, war der Inbegriff von Ruhe im geschäftigen Shibuya-Viertel der Hauptstadt, das normalerweise ab 20 Uhr erst zum Leben erwacht.

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Am 8. Januar hingegen schlossen die meisten Bars und Restaurants bereits um 20 Uhr, um die Einhaltung der Vorschriften zu gewährleisten. Das führte allerdings auch zu einem Ansturm auf die Shibuya-Station, da die Menschen früh nach Hause gingen, anstatt wie üblich um Mitternacht die letzten Züge erreichen zu wollen.

Bei der Bekanntgabe des Ausnahmezustands am 7. Januar forderte Ministerpräsident Yoshihide Suga die Einwohner von Tokyo und den drei benachbarten Präfekturen Kanagawa, Saitama und Chiba auf, von unnötigen Ausflügen nach 20 Uhr abzusehen.

Viele Restaurants ganz geschlossen

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Im Viertel Nonbei Yokocho (Trinkergasse), das für seine zahlreichen kleinen Bars und Gaststätten bekannt ist, blieb am 8. Januar etwa die Hälfte der Lokale geschlossen.

Diejenigen, die noch geöffnet hatten, schlossen ihre Türen ausnahmslos um 20.00 Uhr.

Eine Restaurantbetreiberin sagte, dass es im letzten Jahr Tage gab, an denen kein einziger Kunde kam. Sie öffnete zwar am 8. Januar, kam aber der Aufforderung der Regierung nach, ihr Lokal um 20 Uhr zu schließen.

Einige Restaurants bieten auch nach 20 Uhr Lieferung und Abholung an

Aber nicht alle Lokale kooperierten. Ein Hostess-Barmanager sagte, sein Lokal würde bis etwa Mitternacht geöffnet bleiben.

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„Wir können nicht plötzlich dazu übergehen, nur noch tagsüber zu öffnen“, sagte der Manager und fügte hinzu, dass das Angebot der Regierung, 60.000 Yen pro Tag an Betriebe zu zahlen, die mit der Geschäftsstrategie kooperieren, nicht annähernd ausreiche, um die Gehälter der Mitarbeiter zu bezahlen.

Die Betreiber von Restaurantketten reagierten unterschiedlich auf die Aufforderung, um 20 Uhr zu schließen. Während die meisten großen Ketten ihre Filialen zu dieser Zeit schlossen, entschieden sich einige, den Take-out-, Liefer- und Drive-In-Service weiterzuführen.

McDonald’s Japan hat etwa 920 Filialen in den vier Präfekturen, die von dem Ausnahmezustand betroffen sind. Während der Essensbetrieb täglich zwischen 20 Uhr und 5 Uhr morgens in allen Filialen eingestellt wird, laufen der Take-Out-, Liefer- und Drive-In-Service weiter. Die Maßnahme trat am 8. Januar in Tokyo in Kraft und wird am 12. Januar in den drei anderen Präfekturen beginnen.

Die „Gyudon“-Restaurantketten Yoshinoya Co., Matsuya Foods Co. und Sukiya Co. werden den Take-Out-Service nach 20.00 Uhr fortsetzen.

Sorgen um Mitarbeiter und wirtschaftliche Zukunft

Die Fast-Food-Ketten Kentucky Fried Chicken und Mos Burger hingegen haben sich entschieden, nach 20 Uhr keinen Take-Out- oder Lieferservice mehr anzubieten.

Viele „Izakaya“-Kneipenketten im japanischen Stil beschlossen, während des Ausnahmezustands geschlossen zu bleiben.

„Die Sicherheit unserer Mitarbeiter hat oberste Priorität“, sagte ein Mitarbeiter der Kette Kushikatsu Tanaka.

Watami Co., die etwa 100 Izakaya-Pubs in den vier Präfekturen betreibt, sagte, dass 83 von ihnen für die Dauer des Ausnahmezustands geschlossen bleiben werden.

Etwa 200 Angestellte des Unternehmens werden in den geöffneten Lokalen eingesetzt.

„Wir können keine Geschäfte machen, wenn wir nur bis 19 Uhr Alkohol ausschenken können“, sagte der Vorsitzende des Unternehmens, Miki Watanabe. „Wenn nicht etwas getan wird, wird Japans Restaurantgeschäft zusammenbrechen.“

Branchenverbände fordern weitere Unterstützung

Branchenverbände forderten unterdessen die Regierung auf, zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen.

Die Japan Food Service Association reichte am 8. Januar einen Antrag ein, dass die Regierung die Auszahlung von Geldern an Unternehmen, die mit der Aufforderung, um 20 Uhr zu schließen, kooperieren, auch auf große Ketten ausweiten solle.

Eine andere nationale Organisation von Restaurants brachte schriftlich ihre Enttäuschung über die Regierung zum Ausdruck, die den Eindruck erweckt hatte, dass Bars und Restaurants in erster Linie für die Ausbreitung der COVID-19-Fälle verantwortlich seien, die den jüngsten Ausnahmezustand auslösten, den zweiten seit letztem April.

Auch die Menschen in Japan reagieren gemischt auf den Ausnahmezustand.

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