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Tokyos Taxifahrer polieren für die Olympischen Spiele ihr Englisch auf

Fahrer sollen zumindest einfache Sätze auf Englisch beherrschen

In etwa sechs Monaten gehen in Tokyo die Olympischen und Paralympischen Spiele los. Zu dem riesigen Event werden zahlreiche Besucher aus dem Ausland erwartet und die Stadt versucht sich so gut wie möglich auf die Gäste vorzubereiten. Die Taxifahrer gehören ebenfalls dazu und wollen den Ausländern denselben Service bieten wie den Einheimischen. Deswegen lernen sie bis zu den Spielen fleißig Englisch.

Letztes Jahr gaben 46,5 Prozent von 900 Touristen an, dass sie ein Taxi benutzen. Für die Taxibranche könnten die Spiele eine einmalige Chance sein und sie wollen sich dafür ordentlich ins Zeug legen. Deswegen gab es Anfang des Monats bereits die ersten Englisch-Stunden für Taxifahrer.

Zwei Lehrer, ein Japaner und ein Amerikaner, sorgten für eine lehrreiche, praktische und ebenfalls humorvolle Stunde. Den überwiegend männlichen Fahrern im mittleren Alter erklärten sie, dass sie sich einige kurze wichtige Sätze merken sollten. Unter anderem lernten sie, Fahrgäste darum zu bitten, den Sicherheitsgurt anzulegen und ihnen zu danken, wenn sie einem mehr Geld geben.

Englisch als Voraussetzung für internationale Kunden

Der Amerikaner James Fishel spornte sie beim Nachsprechen an, ruhig laut und deutlich zu sprechen. Er half ebenfalls bei einigen genaueren Fragen. So wollte die japanische Lehrerin Chiho Kusaka wissen, was Fahrer sagen sollen, wenn sie nur wenige Yen mehr bekommen. Fishel sagte dazu, dass sie einfach nur Danke sagen sollen. Er wies dazu darauf hin, dass sie dabei nicht so laut sprechen sollen, da es sonst sarkastisch wirkt.

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Während die einigen noch ordentlich lernen, sind andere Fahrer bereits auf ausländische Touristen vorbereitet. Am internationalen Flughafen Haneda arbeiten nur Taxifahrer, die bereits einen Englischkurs der mittleren Stufe absolviert haben. Seit 2014 wurde die Reglung schrittweise umgesetzt. Das führte dazu, dass immer mehr Fahrer die Sprachkurse besuchten, um ihr Englisch zu verbessern. Mittlerweile besitzen um die 500 von ihnen ein offizielles Zertifikat.

An den Prüfungen, die auf die Kommunikationsfähigkeiten ausgelegt sind, dürfen nur Personen teilnehmen, die einen Englischkurs abgeschlossen haben. Das Tokyo Taxi Center, das Fahrer ausbildet, bietet die Kurse mittlerweile mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden zweimal im Monat an.

Die Schüler freuen sich dabei über das Angebot. Der 65-jährige Minoru Ishibashi erklärte, dass es einen Anstieg an ausländischen Fahrgästen gibt und er fühlt, dass es viele Chancen draußen gibt. Er will definitiv das Zertifikat bekommen, wenn er mit dem Fortgeschritten-Kurs fertig ist. Dazu fügte er hinzu, dass er schon hofft, dass die Olympischen Spiele ihm höhere Einnahmen bescheren. Zusätzlich will er das Image von einem freundlichen und sauberen Tokyo bewahren, das viele Menschen im Ausland haben.

Schicke und geräumige neue Wagen

Tatsächlich hat sich der japanische Verband der Miettaxiverbände Gedanken um die Spiele gemacht. Im Januar 2018 erstellten sie mehrere Maßnahmen, um sich auf die Events vorzubereiten. Sie wollen, dass ausländische Besucher bequem und sicher die Taxis nutzen können. Die Fahrgäste sollen nicht mit Sprachbarrieren oder Bezahlungsproblemen kämpfen, wie der Geschäftsführer des Verbandes, Tatatsugu Kosuge, erklärte.

Dazu sollen Fahrer nicht Ausländer meiden, weil sie sich ihnen nicht gewachsen fühlen. Sie führten deswegen das Programm ein, damit sie ihre Kunden am besten behandeln können. Bis zum April will der Verband 9.000 Fahrer im Rahmen eines Aktionsplans zum Englischunterricht bewegen. 16.000 haben hingegen die Kurse bereits abgeschlossen. Schwierige Kommunikationsfähigkeiten sind dabei jedoch nicht nötig. Für das Erste reicht es aus, wenn sie Hallo und Danke sagen sowie einfache Fragen stellen können.

Doch nicht nur bei der Kommunikation soll es zu den Spielen Veränderungen geben. Schon jetzt sind auf den Straßen von Tokyo Elektrotaxis von Toyota Motor mit dem olympischen Logo zu sehen. Die indigofarbenen Fahrzeuge haben genug Platz für einen Rollstuhl und große Koffer. Dazu gibt es immer mehr Fahrzeuge von der Stadtregierung, die mit einem mehrsprachigen Tablet-PC ausgestattet sind, der das bargeldlos Zahlen mit Kreditkarte und QR-Code ermöglicht.

Staus und hohe Preise schrecken ab

Die Preise sind dabei für viele Touristen das größte Problem. Sie finden die Kosten zu hoch und weisen darauf hin, dass sie ein Taxi nicht wirklich benötigen, da Tokyo ein gutes öffentliches Verkehrssystem hat.

Zusätzlich werden wahrscheinlich viele Straßen zu den Spielen gesperrt sein, was zu Staus führen kann. Es soll zwar Gegenmaßnahmen geben, die in den Testläufen jedoch nicht erfolgreich waren. Tetsuro Hyodo, Experte für Verkehrspolitik, glaubt jedoch, dass es eine besondere Nachfrage gibt und dass die Taxis ein unverzichtbares Transportmittel bei den Spielen sind.

Die Regierung selbst hat große Erwartungen an die Spiele. Sie geht davon aus, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen in einem Zeitraum von 17 Jahren einen Wert von 266 Milliarden Euro haben. Die Taxiindustrie geht von einem Jahresumsatz von etwa 13,3 Milliarden Euro aus, die Auswirkungen von den Spielen sind dabei noch nicht einbezogen.

Kyodo

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