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Tourismusboom stellt japanische Medizinbranche vor große Herausforderungen

Höhere Kosten und Zwei-Klassen-Medizin befürchtet

Die Touristikbranche freut sich, dass Japan so viele Menschen aus dem Ausland anzieht. Die Medizinbranche stellt der Boom allerdings vor eine große Herausforderung.

Insbesondere die Sprachbarriere ist eine große Hürde, sowohl für Patienten als auch für das Personal. Natürlich wird versucht ein Dolmetscher einzubeziehen, allerdings gibt es zu wenig, die Übersetzten können.

Die Direktorin der in Tokyo ansässigen International Medical Interpreter Academy dazu: „Ein Patient muss sich auch mit einem Dolmetscher wohlfühlen, damit sie sich öffnen können.“

Die International Medical Interpreter Academy gehört zu einer wachsenden Zahl von Schulen in Japan, die Studenten zu Dolmetschern ausbilden.

40 Millionen Touristen 2020 erwartet

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums besuchten im vergangenen Jahr 31,19 Millionen Menschen Japan und die japanische Regierung hofft, diese Zahl im nächsten Jahr auf 40 Millionen zu erhöhen, wenn Japan Gastgeber der Olympischen Spiele sein wird.

Dadurch werden medizinische Notfälle allerdings zunehmen. Laut einer Umfrage der Japan Tourism Agency vom November 2018 bis Februar dieses Jahres schätzt die Regierung, dass 5 Prozent der Touristen erkranken oder sich Verletzungen zuziehen.

Allerdings sind nur wenige medizinische Einrichtungen in Japan auf ausländische Patienten eingerichtet. Bis zum 3. Juli nahmen landesweit nur 65 Einrichtungen die ausländischen Patienten offiziell auf.

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Task Force für Dolmetscher

Um diesen Mangel zu beseitigen, werden in ganz Japan medizinische Dolmetscher ausgebildet. Dafür wurde eine Task Force gegründet, die daran arbeitet, ein Netzwerk aufzubauen, das Patienten den Kontakt zu Dolmetschern erleichtern soll.

2020 wird die japanische Regierung auch die Zulassung für medizinische Dolmetscher ändern, um die Qualität zu verbessern. Im Rahmen dieses Programms gründete das Gesundheitsministerium die Internationale Gesellschaft für Klinische Medizin und beauftragte sie, ab 2020 das medizinische Dolmetscherprogramm zu überwachen.

Zurzeit sind viele Dolmetscher in Japan entweder nach Programmen zertifiziert, die von medizinischen Dolmetscherschulen und -gruppen angeboten werden, oder sie arbeiten ohne Zertifizierung.

Eine Lehrerin von der International Medical Interpreter Academy sagte, sie sei sich der Nachfrage nach mehr Dolmetschern bewusst. Sie unterrichtet Dolmetschen von Japanisch auf Englisch und umgekehrt, aber die Schule hat auch ein chinesischsprachiges Programm mit zwei chinesischen Lehrern, die ehemalige Ärzte sind.

Ein weiteres Problem, auf das ausländische Touristen in Japan stoßen, ist der Unterschied zwischen den Versicherungssystemen. Auch hier müssen Dolmetscher helfen, damit ein Patient genau versteht, was er zum Beispiel bezahlen muss.

Ärzte befürchten Medizin-Tourismus

Auch hier sollen die Reformen helfen, allerdings sind Ärzte besorgt, dass diese auch Probleme bringen. Insbesondere den medizinischen Tourismus sollte die japanische Regierung nicht aus den Augen lassen.

Wenn Japan auf die Bedürfnisse von Touristen eingeht, dann muss die Regierung darauf achten, dass die mit wenig Geld nicht von denen, die vermögend sind, an den Rand gedrängt werden. Die Befürchtung der Ärzte nach einer Zweiklassen-Gesundheitsversorgung ist dementsprechend hoch.

Eine weitere Befürchtung der Kliniken und Ärzte ist es, wer die Kosten für die Dolmetscher trägt. Zwar hat die japanische Regierung noch keine Obergrenze für medizinische Einrichtungen festgelegt, allerdings wird jeder Dolmetscher die medizinische Behandlung teurer machen. Die Regierung plant dafür, den ausländischen Patienten einen Teil der Kosten aufzuerlegen.

Das wiederum führt zu der Befürchtung, dass zertifizierte Dolmetscher lieber in Einrichtungen arbeiten, die auf medizinischen Tourismus ausgelegt sind, da dort die Gehälter höher sind. Die Regierung der Präfektur Kanagawa gestattet es einigen, hauptsächlich privaten medizinischen Einrichtungen, Gebühren von bis zu 1.000 Yen zu erheben.

Bei einem Symposium zu Gesundheitsstrategien für Ausländer im Mai in Tokyo äußerte sich Serina Okamura, Professorin für Gesundheit und Wohlfahrt, besorgt darüber, dass die japanische Regierung trotz der verschiedenen untersuchten Szenarien noch keine Maßnahmen zur Vorbereitung aller medizinischen Einrichtungen, insbesondere auf dem Lande, auf ausländische Patienten erarbeitet habe.

Sie befürchtet, dass die Maßnahmen zu Kapazitätsproblemen in Krankenhäusern führen könnten, insbesondere in den bei Touristen beliebtesten Gegenden.

„Damit das Programm längerfristig funktioniert, werden medizinische Einrichtungen mehr finanzielle Mittel und mehr Personal benötigen als geplant, wenn die Zahl der Touristen weiter zunimmt“, so die Professorin.

Quelle: TJT,  MA

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