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Steigende Preise und knapper Strom

Umfrage zeigt Stromspar-Bemühungen junger Menschen in Japan

Steigende Strompreise und die Sorge vor weiträumigen Stromausfällen im kommenden Winter setzen Japans Bevölkerung stark unter Druck. Eine aktuelle Umfrage zeigt, wie junge Menschen mit der Situation umgehen.

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Bereits seit über zehn Jahren kämpft man Japan mit der Sicherstellung der Stromversorgung im Land. Das Stromnetz des Landes ist isoliert, anders als in Europa kann man sich nicht auf Nachbarländer als Stromlieferanten bei Engpässen verlassen. Das führt seit Jahren zu Schwierigkeiten.

Überwiegender Wegfall des Atomstroms bis heute nicht kompensiert

Die Schwierigkeiten begannen mit der Nuklear-Katastrophe von Fukushima im Jahr 2011. Als Folge des Reaktorunglücks wurden sämtliche Atomkraftwerke im Land heruntergefahren, nur einige gingen später wieder in Betrieb. Die Kraftwerke generierten zu diesem Zeitpunkt aber rund ein Viertel des Stroms im japanischen Netz.

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Die Folge waren Jahre der Stromknappheit, in denen die Regierung ihre Bevölkerung und die Wirtschaft zum Stromsparen aufrief. Kritische Zeiten sind jährlich die Sommer- und Wintermonate. Denn wenn die besonders heiß oder kalt ausfallen, laufen Klimaanlagen und elektrische Heizkörper auf Hochtouren und treiben das Stromnetz an den Rand des Zusammenbruchs.

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Geplante und ungeplante Stromausfälle kamen in den letzten Jahren mehrfach vor. Dazu kommt das ständige Risiko, dass einzelne Kraftwerke wegen Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Überschwemmungen zeitweise vom Netz gehen müssen. Zuletzt belastete der Ukraine-Krieg die Energiewirtschaft zusätzlich.

Denn die in 2011 ausgefallenen Anteile der Atomkraftwerke am Strommix wurden in den kommenden Jahren durch Kohle und Gas kompensiert. Auch wenn einige der Kernreaktoren später wieder in Betrieb genommen wurden, betrug der Anteil an der Gesamt-Stromproduktion zuletzt nur rund 5 Prozent.

Mit jeweils 33 Prozent und 37 Prozent sind es Kohle und Gas, die den japanischen Energiebedarf überwiegend abdecken. Rund 19 Prozent des Stroms stammen aus regenerativen Quellen. Entsprechend leidet auch Japans Strombranche unter dem angespannten Energiemarkt und den steigenden Preisen, insbesondere für Gas.

Japans Jugend spart bereits bewusst Energie – und befürwortet Atomkraft

Die Strompreise sind bereits im vergangenen Jahr um durchschnittlich 30 Prozent gestiegen, und bis 2023 wird mit einem weiteren Anstieg um 30 Prozent gerechnet. Ein Maßnahmenpaket der Regierung soll dieses Szenario im besten Fall verhindern. Zu den Gründen für das Stromsparen in Japan kommt neben der Sorge um Stromausfälle auch die Sorge um finanzielle Engpässe hinzu.

Im 48. „Awareness Survey – Energy“, einer Umfrage der Nippon Foundation unter eintausend Jugendlichen, zeigte sich, dass diese bereits sehr bewusst auf ihren Stromverbrauch achten. Von den befragten 17-19-Jährigen gaben zwei Drittel an, sich täglich um einen geringen Energieverbrauch zu bemühen. Viele erreichen das durch einen bewussteren Umgang mit Klimaanlagen und Licht.

Nur rund die Hälfte der Befragten gab an, sich aktiv für die Energiepolitik Japans zu interessieren, doch das Wissen um die schwierige Stromsituation im Land war weit verbreitet – 69.7 Prozent antworteten, sich der Abhängigkeiten Japans in Energiefragen bewusst zu sein.

Umfrage zu regenerativen Energien
Ein Auszug aus den Umfrageergebnissen zeigt: nur wenige Jugendliche sind bereit, für regenerative Energien auch mehr zu bezahlen. Bild: Nippon Foundation

Bonusprogramme, die zum Energiesparen anregen sollen, schnitten in der Umfrage nicht gut ab. Mit Punkte-Systemen wollen Regierung und einige Energie-Anbieter Haushalte belohnen, die Sparmaßnahmen umsetzen. Doch die Programme kommen bei den Bürgern nicht an. In der Umfrage gaben gerade mal 17.3 Prozent der Antwortenden an, die Punkte-Systeme zu verstehen.

Auch um die Zukunft des japanischen Stromnetzes ging es in der Umfrage. Denn Japans Regierung plant, den Anteil nuklearer Energie am Strommix in den kommenden Jahren weiter zu erhöhen, um die Stromversorgung zu sichern. Gerade erst stellte Mitsubishi erste Details zur Entwicklung einer neuen Generation von Atomreaktoren vor, an der auch vier große japanische Energieunternehmen beteiligt sind.

Ziel der Regierung ist, mit Atomstrom rund 20-22 Prozent des japanischen Strombedarfs abzudecken. Von den Jugendlichen sprachen sich 43,6 Prozent für diesen Plan aus, wobei rund 17 Prozent einen noch stärkeren Ausbau forderten. Gleichzeitig lehnte rund ein Drittel die Nutzung erneuerbarer Energien ab, wenn dies zu einer Preiserhöhung für die Verbraucher führen würde.

Im Hinblick auf die Reduzierung von Treibhausgasen befürwortet etwas mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer erneuerbare Energien und einen starken öffentlichen Verkehr als wirksame Methoden. Auch der Erhalt von Wäldern sowie eine umweltfreundliche Stadtentwicklung – insbesondere die Begrünung innerstädtischer Bereiche – stießen bei den Befragten auf Zustimmung.

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