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Naturkatastrophen nehmen zu und die Landwirtschaft ändert sich

Die Auswirkungen des Klimawandels auf Japan

Der Klimawandel ist eines der wichtigsten Themen unserer Zeit, auch wenn er kontrovers diskutiert wird. Eins dürfte unumstritten sein, die Auswirkungen kosten und das merkten viele Länder, auch Japan.

Daher ist der Plan des Premierministers, Japan bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu machen, nicht nur ein Weg zu mehr Umweltschutz, es gilt auch das Land zu schützen.

Klimawandel führt zu mehr Naturkatastrophen

Die Taifun-Saison 2019 war die teuerste in Japans Geschichte und hat damit 2018 überholt. Zudem verzeichnet Japan bereits einige Hitzewellen, die 2018 und 19 viele Menschen im Land ins Krankenhaus gebracht haben.

Dann gab es einige Rekordregenfälle, die dazu geführt haben, dass Millionen Menschen evakuiert werden mussten und mehrere Menschen starben.

Mehr zum Thema:  Japans Wachstumsstrategie sieht erneuerbare Energien und umweltfreundliche Technologien vor

Viele Aspekte des Klimawandels, die von „Leugnern“ gerne und schnell abgetan werden, sind Realität in Japan.

Im Jahr 2018 sagte das Umweltministerium, dass die jährlichen Temperaturen in Japan schneller steigen, als im globalen Durchschnitt und dass das Land einmal alle fünf Jahre einen zusätzlichen Tag mit einem „Hitzewellen-Wetter“ bekommt.

Außerdem hieß es im Bericht, dass es mehr Tage mit Starkniederschlägen geben wird, allerdings insgesamt weniger Regentage und eine Verringerung der Schneehöhe von etwa 13 Prozent pro Jahrzehnt.

Die Folgen des Klimawandels und seine Auswirkungen auf das Land haben sich in jüngster Zeit besonders gezeigt. Denn Stürme, die die lokale Infrastruktur zerstören und damit Unternehmen in den Ruin treiben und Schäden in der Landwirtschaft sind spürbare Auswirkungen.

Die dramatischste Folge der Klimakrise sind verstärkte Regenfälle und starke Taifune. Extreme Niederschläge haben in Japan seit den 1970er-Jahren um 50 Prozent zugenommen und das hat sich auch so angefühlt: Taifun Lan im Jahr 2017, Taifun Jebi im Jahr 2018, Taifun Hagibis im Jahr 2019 und sintflutartigen Regenfällen, die Millionen von Menschen im Westen Japans im Jahr 2018 und auf Kyushu in den Jahren 2017, 2019 und 2020 zur Evakuierung zwangen,

Im Jahr 2019 überstiegen die durch den Taifun Hagibis verursachten Schäden 1,8 Billionen Yen, ein Rekord. Der vorherige Rekord war der schwere Regen, der 2018 in Okayama und Westjapan verzeichnet wurde.

Tropische Stürme bilden sich als Folge von Hitze, und so gilt allgemein, je heißer das Wetter, desto mehr Taifune treten auf. Studien zeigen, dass die globale Erwärmung den Anteil schwerer tropischer Stürme auf der ganzen Welt erhöht hat.

Der größte Teil der wirtschaftlichen Schäden bei solchen Stürmen entsteht an Infrastruktur und Gebäuden.

Im letzten Sommer töteten schwere Regenfälle in Kyushu 64 Menschen, 200.000 Einwohner wurden evakuiert, führten zum Überschwemmen an 105 Flüssen, 316 Schlammlawinen und verursachten nach Angaben der Präfektur Kumamoto einen Schaden von mehr als 556 Milliarden Yen. Das Gebiet um den Kuma-Fluss war besonders stark betroffen, Häuser und Brücken wurden weggeschwemmt.

Es gibt auch einen Ripple-Effekt auf regionale Unternehmen und die lokale Wirtschaft. Im November 2019 berichtete Nikkei Asia, dass der Taifun Hagibis die Tourismussaison in Hakone erheblich gestört hat, indem er die Bergbahn sowie die Versorgung von Hotels und Gasthäusern mit Quellwasser unterbrochen hat.

Selbst die vorübergehende Aussetzung eines Hochgeschwindigkeitszuges kann große Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft in der nahen Region haben.

Und obwohl der steigende Meeresspiegel in Japan für viele Bewohner des Landes kein unmittelbares Problem darstellt, schätzt der World Wide Fund for Nature, dass etwa 12 Billionen Yen benötigt werden, um die Infrastruktur und die Küsten vor einem Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter zu schützen.

Und als ob das nicht genug wäre, ist der Ersatz der Infrastruktur, die jedes Jahr durch Stürme beschädigt wird, schon schwierig genug, ohne dass man auch noch finanzielle Mittel für den Kampf gegen COVID-19 bereitstellen muss.

Japans Landwirtschaft spürt die Auswirkungen

Der Klimawandel hat auch bereits zu Veränderungen bei einigen der wichtigsten landwirtschaftlichen Produkte Japans geführt, insbesondere beim Reis.

Beim Reisanbau können hohe Temperaturen sowohl weiße unreife Körner als auch rissige Körner verursachen, indem sie sich auf Stärkeproduktion auswirken und die Schale aufbrechen.

Das Umweltministerium berichtete, dass in ganz Japan vermehrt Fälle von weißem, unreifem Korn und rissigem Korn zu beobachten sind,  ebenso wie Ertragsminderungen in ungewöhnlich warmen Jahren. Bereits 2012 meldeten 25 Präfekturen eine Zunahme von Reiskornschäden.

Laut JA Oita, der regionalen Kooperative von Landwirtschaftsbetrieben in der Präfektur Oita, haben die hohen Temperaturen und die unregelmäßigen, aber extremen Regenfälle dazu geführt, dass die Reisernte im vergangenen Jahr extrem schlecht ausfiel.

Die Auswirkungen der extremen Hitze auf die Reisqualität und -erträge wirken sich auf das Geschäft aus. Wenn die tatsächlichen Lieferungen nicht mit den prognostizierten Erträgen übereinstimmen, wird das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage gestört, was zu einem Über- oder Unterangebot und einem unerwarteten Wettbewerb zwischen verschiedenen Regionen führt.

Hochrechnungen deuten darauf hin, dass in den nächsten 50 Jahren in den meisten Teilen Japans außerhalb von Hokkaido und Tohoku ein Rückgang der Reiserträge um 30 Prozent möglich ist.

Steigende Temperaturen haben auch Folgen für die Früchte. Japans Umweltministerium hat berichtet, dass hohe Temperaturen und geringe Sommerniederschläge Schäden an Trauben, Äpfeln, Kakis, Orangen und Pfirsichen verursacht haben.

Eine Studie über Äpfel zeigte, dass in der Präfektur Nagano negative Auswirkungen der hohen Temperaturen beobachtet wurden und prognostizierte, dass das Klima bis zum Jahr 2060 zu warm sein wird, um Äpfel in Japan anzubauen.

Die in der Studie zitierten Landwirte waren besonders besorgt über blassere Äpfel, die keinen guten Preis erzielen, da der japanische Markt bunte Früchte sehr schätzt.

Die Bauern aus Nagano beschrieben eine frühere Blüte sowie höhere Herbsttemperaturen, spätere Fröste und mehr Hagelstürme. Alles Auswirkungen des Klimawandels.

Stürme können auch verheerende Folgen für die Landwirte haben, wie z. B. der Taifun Hagibis, der an Kulturen wie Reis, Äpfeln und Gurken Schäden in Höhe von 102 Milliarden Yen verursachte.

Außerdem kommt es zu Dürreperioden durch die Sommerhitze wie 2019 in Tokai.

Auswirkungen des Klimawandels auf die Fischerei

Japans einzigartige Geografie bringt gemäßigte Gewässer in Kontakt mit tropischen Gewässern. Fische reagieren empfindlich auf Temperaturschwankungen, sodass tropische Arten nach Norden drängen.

Herausforderungen für die Fischereiindustrie sind in ganz Japan entstanden, von Hokkaidos Lachs, Pazifik-Fische und Tintenfischfängen bis hin zum Verschwinden von Abalone und Sardellen in der Bucht von Tokyo.

Obwohl es schwierig ist, einen direkten Zusammenhang mit dem Klimawandel herzustellen, ist der Lachsfang in Hokkaido in den letzten 15 Jahren um 70 Prozent gesunken.

Bereits 2013 wurden in Kyushu und der Präfektur Yamaguchi großflächige Verluste von Algenanbaugebieten verzeichnet. Dann, im Sommer letzten Jahres, berichteten Taucher und Fischer in Tokyo Bay über den zusätzlichen Verlust von Seegraswiesen. Erst 2007 wurden erstmals tropische Riffe in Kanto-Gewässern bestätigt.

Auswirkungen auf die einzigartige Kultur Japans

Anpassungen an den Klimawandel sind möglich und bereits im Gange. Landwirte in ganz Japan haben sogar ihre Anbaupflanzen gewechselt, um über die Runden zu kommen.

In der Region Nanyo in der Präfektur Ehime haben die Landwirte begonnen, Tarocco-Orangen anzubauen, die eine höhere Sommerhitze vertragen können. Auf den Inseln und in den Küstengebieten von Matsuyama, Präfektur Ehime, haben Landwirte begonnen, Avocados anzubauen.

Eine Sake-Brauerei, die fast 150 Jahre lang in Nakatsugawa, Gifu, betrieben wurde, ist vor Kurzem aufgrund der globalen Erwärmung nach Hokkaido umgezogen.

Die Fischereibetreiber in Hokkaido, die bereits unter schlechten Lachsfängen leiden und zum ersten Mal mit ungenießbarem Sonnenbarsch konfrontiert werden, steigen auf Gelbschwanz und sogar Blauflossenthunfisch um, um sich über Wasser zu halten.

Doch der kulturelle Verlust lässt sich nicht beziffern. Das indigene Volk der Ainu hatte 133 Wörter für Lachs, die entscheidende Zutat in Hokkaidos beliebter Sashimi-Reisschale. Die Fischer können stattdessen Gelbschwanz fangen, aber was ist Hokkaido ohne Lachs?

Um ihre Apfelbäume zu schützen, verzögern Bauern in der Präfektur Nagano die Ernte und legen reflektierende Materialien auf den Boden. Aber selbst diese Maßnahmen können nicht verhindern, dass schwere Taifune ganze Ernten vernichten, wie es Hagibis vor zwei Jahren tat.

Die Präfektur Nagano ist bekannt für ihre Äpfel und trägt derzeit zu 18 Prozent der nationalen Ernte bei. Was wäre die Präfektur Nagano ohne Äpfel?

So hat der Klimawandel begonnen, alteingesessene regionale Spezialitäten und die lokale Kultur zu bedrohen. Die Preise und die Zugänglichkeit von Fisch, Obst, Getreide und Gemüse können das wirtschaftliche und kulturelle Leben und das Image von Regionen in Japan nachhaltig verändern.

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