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Die Wildtiere in Fukushima kontaminieren sich oft über ihre Nahrung

Verstrahlte Natur – Wie die nukleare Katastrophe von Fukushima Flora und Fauna noch heute belastet

AS: Selbst elf Jahre nach der nuklearen Katastrophe in der japanischen Präfektur Fukushima sind die Folgen dieses Ereignisses immer noch spürbar. In dem betroffenen Gebiet sind zwar heute wieder viele Tier- und Pflanzenarten zu finden, aber das bedeutet nicht, dass sie gegen die Strahlung vor Ort immun wären.

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Forschende, wie der Strahlenbiologe Masatoshi Suzuki, beobachten schon seit Jahren unablässig die Entwicklung der Natur in Fukushima. Sie versuchen, das Ausmaß der Schäden und die Auswirkungen der Strahlung auf die Tiere und Pflanzen einzuschätzen.

Die Makaken von Fukushima

Für Suzuki ist die Erforschung der Makakenpopulation in der Region von besonderer Relevanz. Die Affen ähneln dem Menschen noch am meisten. Erkenntnisse über sie könnten auch gleichzeitig wertvolle Hinweise auf mögliche Auswirkungen der Strahlung auf den Menschen bedeuten.

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Seit 2012 hat das Forschungsteam, zu dem auch Suzuki gehört, 709 Makaken in der Präfektur Fukushima untersucht.

Ab und zu werden die Affen auch aufgrund der Schäden, die sie auf den Feldern und Plantagen in dem Gebiet anrichten, getötet. Eines solchen Vorfalls ist es zu verdanken, dass Suzuki Anfang Februar die Gelegenheit bekam, die toten Körper von vier Tieren, die in der Nähe der Stadt Namie gelebt hatten, in seinem Labor zu untersuchen.

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Aufgrund der hohen Strahlungswerte in diesem Gebiet sind einige Teile der Stadt Namie immer noch gesperrt. Gleiches gilt für die Stadt Minami-Soma. Einige der dort lebenden Makaken hatten die Forschenden ebenfalls bereits untersuchen können.

Zelluläre Schäden wahrscheinlicher als körperliche Deformationen

Die Forschenden sezieren die Tiere, um zu überprüfen, ob ihre Organe von der Strahlung gezeichnet sind. Bei allen werden Lunge, Leber, Schilddrüse sowie das Muskelgewebe untersucht.

Nach dem Beginn der Katastrophe in Fukushima häuften sich die Fälle, bei denen von augenscheinlichen Verformungen von Blattläusen und Tannen berichtet wurde.

Suzuki hat sich inzwischen zu diesen Berichten positioniert. Der Strahlenbiologe hält die Berichte für wenig glaubwürdig. Belege für äußerlich sichtbare Anomalien bei Wildtieren gäbe es nicht, aber Schäden auf zellulärer Ebene seien durchaus möglich.

Er selbst habe bei seinen Studien im Hinblick auf die Makaken feststellen können, dass es die Muskeln der Tiere waren, die die höchste Konzentration an radioaktivem Cäsium aufwiesen. Die anderen Organe waren alle weniger betroffen gewesen.

Die Tiere kontaminieren sich oft über ihre Nahrung

Da die Bergwälder in dieser Region bisher in keiner Form aktiv dekontaminiert worden sind, sind dort auch heute noch die Werte der Hintergrundstrahlung deutlich höher als in den Wohngebieten.

Die Tiere kontaminieren sich zumeist erst, wenn sie andere Tiere oder Pflanzen fressen, die zu diesem Zeitpunkt selbst bereits kontaminiert waren.

Radioaktivitätswerte sinken von Jahr zu Jahr

Radioaktive Substanzen werden in der Einheit Becquerel gemessen. Mit ihr kann die mittlere Anzahl der Atomkerne angegeben werden, die pro Sekunde radioaktiv zerfallen.

2013 betrug die durchschnittliche Radioaktivität in den Oberschenkelmuskeln der Makaken, die in der Nähe der Stadt Namie gefangen wurden, noch etwa 40.000 Becquerel pro Tier. Bis 2018 war die Zahl auf etwa 20.000 Becquerel pro Tier gesunken.

Weniger Blut produzierende Zellen und mehr Chromosomenanomalien

Eine weitere Erkenntnis des Forscherteams: Die Tiere, die insgesamt höheren Strahlendosen ausgesetzt gewesen waren, hatten weniger Blut produzierende Zellen im Knochenmark als die Tiere, die in weniger kontaminierten Gebieten gelebt hatten.

Suzuki entdeckte außerdem Chromosomenanomalien, die auf genetische Strahlenschäden zurückzuführen waren.

„Bisher haben wir bei den einzelnen untersuchten Makaken keine signifikanten Gesundheitsgefahren entdeckt“, sagte er. „Aber sie zeigen weiterhin Veränderungen in ihren Zellen und Organen, wenn auch geringfügige. Wir wissen nicht, wie sich diese Änderungen langfristig auswirken werden.“

Auch aufgrund dessen sei er davon überzeugt, dass sie ihre Forschungsarbeit vor Ort in jedem Fall fortführen müssen, wenn sie die Auswirkungen einer längeren Strahlenexposition bestimmen wollen.

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