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Natur wird von Besuchern zerstört

Weltnaturerbe Iriomotejima schwebt in Gefahr

AS: Iriomotejima wird nachgesagt, Japans letztes natürliches Welterbe zu sein. Um die Schönheit der Natur auf dieser Insel zu ehren und zu bewahren, wurde die Region am 26. Juli von der UNESCO offiziell zu der Liste des Weltnaturerbes hinzugefügt. Eine eigentlich schätzenswerte Maßnahme, die die Natur selbst allerdings nur noch mehr in Gefahr brachte.

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Die Ernennung der Insel zu einem Weltkulturerbe hatte geradezu den Effekt einer schlecht platzierten Werbung. Iriomotejimas Popularität wächst und mit ihr die Menschenmassen, die sie besuchen wollen.

Ein Naturparadies als Tourismusmagnet

„Japans letzte unerforschte Region“ ist ein Anziehungspunkt für all jene, die selbst mal abseits gepflasterter Wege auf eine abenteuerliche Entdeckungsreise gehen wollen.

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Fahrten mit dem Kanu sind besonders beliebt, aber auch sie belasten die Umwelt. Gerade die Sanitäreineinrichtung, die extra dafür errichtet wurden, sorgen für Probleme.

„Wir wollten etwas dagegen tun, weil wir uns wegen des Geruchs Sorgen machten“, sagte Yuji Kunimi, 43, Mitglied einer Kanugewerkschaft, und zeigte auf eine öffentliche Toilette auf einem Parkplatz in der Nähe des Ausgangspunkts für Kanutouren.

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Vor der Errichtung solcher öffentlichen Toiletten seien die Teilnehmenden einer solchen Tour üblicherweise darum gebeten worden, sich auf dem Weg zu einem der Ausgangspunkte an einem „Toilettenplatz“ am Wegesrand zu erleichtern.

Von Umweltverschmutzung und viel Eigeninitiative

Der Bequemlichkeit von Halbtagestouren ist es zu verdanken, dass allein 30.000 Menschen jährlich den Pinaisara-Wasserfall besuchen. Und seine Beliebtheit gereicht ihm nicht gerade zum Vorteil. Auch hier verpesten inzwischen üble Gerüche die Luft und weggeworfene Taschentücher verschmutzen die einst so unberührte Landschaft.

Um dem entgegenzuwirken, nutzte die Gewerkschaft im Dezember 2020 Subventionen des Umweltministeriums, um Komposttoiletten einzurichten, die menschliche Abfälle mithilfe von Mikroorganismen zersetzen. Allerdings ist auch dies nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, denn die Komposttoiletten können täglich nur von bis zu 60 Personen genutzt werden

Die einheimische Bevölkerung bemüht sich sehr um den Schutz ihrer Insel und der vielen gefährdeten Arten, die auf ihr leben. Die Menschen vor Ort haben im Sinne des Naturschutzes bereits ein „Kooperations“-Spendensystem ins Leben gerufen sowie ebenfalls eigenhändig Komposttoiletten aufgestellt.

Mehr Schutzmaßnahmen werden gefordert

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Der Andrang durch die Besuchenden nimmt zu und der Kampf um die Erhaltung der japanischen Naturschätze geht in die nächste Runde. Man will die Insel und ihre Natur vor eine übermäßige Nutzung schützen. Eine große Herausforderung für alle Beteiligten.

Eine internationale Organisation, die selbst die Aufnahme von Iriomotejima auf die Liste des Weltnaturerbes empfahl, forderte alle relevanten Parteien dazu auf, entsprechende Schutzmaßnahmen für die Insel zu ergreifen. Dabei wurden auch Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen der Maßnahmen auf das Leben der einheimischen Bevölkerung laut.

Inzwischen hat die Präfektur Okinawa im vergangenen Jahr die Höchstzahl der Touristen, die nach Iriomotejima kommen, auf 330.000 pro Jahr oder 1.230 pro Tag festgelegt.

Nicht nur eine Insel in Not

Zusammen mit Iriomotoejima, das zur Stadt Taketomi gehört, erhielten die Inseln Amami-Oshima und Tokunoshima in der Präfektur Kagoshima sowie der nördliche Teil der Hauptinsel der Präfektur Okinawa den Status des Weltnaturerbes.

Die Insel Yakushima liegt nördlich von Amami-Oshima und der Hauptinsel Okinawas und ist für ihre viele Jahrtausende alte japanische Jomon-sugi-Zeder bekannt.

Wer dem bekannten Symbol der Insel und seinem Berg einen Besuch abstatten möchte, dem wird am Anfang des Arakawa Trails ein Schild begegnen, auf dem die Aufforderung steht, bitte etwas Kooperationsgeld zu zahlen.

2017 wurde das Spendensystem dort eingeführt. Man begann damals damit, gerade die kletterbegeisterten Besuchenden anzusprechen und jeden um eine kleine Spende zu bitten, der im Realschulalter oder älter war. Wer nur einen Tagesausflug dorthin machen wollte, den bat man um eine freiwillige Spende von 1.000 Yen (ca. 7,76 Euro). Diejenigen, die über Nacht in den Bergen bleiben wollten, bat man um 2.000 Yen (ca. 15,35 Euro).

Das Geld wird für die Instandhaltung des Weges, die Beseitigung menschlicher Abfälle aus den Toiletten der Berghütten sowie für andere Zwecke verwendet.

Yakushima wurde 1993 zusammen mit der Bergregion Shirakami-Sanchi zu Japans erstem Weltnaturerbe und auch hier wuchs die Zahl der Besuchenden mit der Anerkennung der Insel durch die UNESCO. 1993 waren es noch insgesamt 200.000 Menschen, die der Insel einen Besuch abstatteten. 2007 waren es bereits 400.000.

Rote Zahlen trotz Massenandrang

Inzwischen kommt es am Berg zu regelrechten Touristenstaus und wer eine Toilette aufsuchen möchte, muss teilweise über eine Stunde vor ihr in der Schlange warten.

Beamte versuchen längst, die Lage mithilfe von Spendenaktionen zu verbessern und gerade für die Beseitigung der Abfälle aufzukommen, aber die Gemeinde schreibt weiterhin rote Zahlen. Auch die Erhebung einer Einreisesteuer wurde bereits in Erwägung gezogen, aber diese Idee konnte sich nicht durchsetzen.

Im Jahr 2011 legten die Beamten einen Verordnungsentwurf vor, um die Zahl der Besuchenden in der Umgebung des Jomon-sugi auf 360 Tagesausflügler pro Tag zu beschränken. Aber dieser Vorschlag wurde von der Versammlung abgelehnt. Übrig blieb eine Diskrepanz zwischen den beiden Parteien über das Gleichgewicht zwischen dem Schutz und der Nutzung der Natur.

Viele dieser Diskussionen dauern bis heute an und die meisten Probleme können nur mühevoll gelöst werden.

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