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HomeNachrichten aus JapanUniversitäts-Clubs kämpfen als Folge von Corona-Einschränkungen um ihr Überleben

Wegen ausgefallener Rekrutierungsevents

Universitäts-Clubs kämpfen als Folge von Corona-Einschränkungen um ihr Überleben

Die Geschichte von Sport- und Kultur-Clubs an Schulen und Universitäten in Japan, denen wegen fehlender neuer Mitglieder die Schließung droht, kennt man aus so manchen Anime und Manga. Doch für immer mehr Universitäts-Clubs wird sie zur bitteren Realität. In den letzten Jahren konnten sie kaum Mitglieder rekrutieren und spüren nun die Folgen.

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Die Teilnahme an außerschulischen Aktivitäten ist in Japan zwar nicht immer vorgeschrieben, wird aber gerade in der Schulzeit faktisch vorausgesetzt. Wer nicht in einem der schulischen Sport- oder Kunst-Clubs aktiv ist oder sich etwa bei der Schülerzeitung engagiert, gerät schnell ins Abseits. Die Aktivitäten der Clubs finden täglich nach dem Unterricht statt, teils auch am Wochenende. An den Universitäten herrscht zwar eine lockerere Atmosphäre, doch viele Studierende setzen ihre Club-Aktivitäten aus der Schulzeit hier fort oder nutzen die Angebote, um Neues auszuprobieren.

Immer mehr Clubs melden Ende ihrer Aktivitäten

Die Clubs sind dabei in der Regel von den Studierenden selbst organisiert. Solange bestimmt Richtlinien, die von der Universität vorgegeben werden, eingehalten werden, kann aus fast jedem Interesse ein eigener Club entstehen. Zu den wichtigsten Richtlinien gehört eine bestimmte Mindestzahl an Mitgliedern, damit ein Club bestehen bleiben darf. Die zu gewinnen, war unter den Corona-Einschränkungen der letzten zwei Jahre für manche Clubs jedoch unmöglich. Das macht sich jetzt in Club-Schließungen bemerkbar.

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An der Gunma Universty in Maebashi im östlichen Japan etwa sank die Zahl der aktiven Clubs von 180 in 2019 auf 151 im aktuellen Jahr. Das ergab sich aus der jährlichen Abfrage zu den Club-Aktivitäten, die von allen Clubs eingereicht werden müssen, die die nötigen Voraussetzungen erfüllen – etwa, dass sie wenigstens fünf Mitglieder haben. In den letzten zwei Jahren registrierte man an der Gunma University jedoch immer mehr Mitteilungen von Studierendengruppen, die sich aufgelöst und ihre Aktivitäten eingestellt haben.

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So traf es etwa eine Gruppe, die ehrenamtliche Arbeiten übernahm. Sie bestand bereits 2020 nur aus Studierenden im vierten Studienjahr. Die verließen die Universität 2021 nach ihrem Abschluss und hatten keine Chance, Nachwuchs für den Club zu gewinnen. Eine Double-Dutch-Springseilgruppe ereilte Anfang des Jahres ein ähnliches Schicksal. Insbesondere spezialisierte Gruppen haben mit Problemen zu kämpfen. Für beliebte und weitläufig anerkannte Aktivitäten wie Baseball oder Kendo finden sich auch in den härtesten Zeiten genug Interessenten.

Beginn des Studienjahrs ist die wichtigste Zeit für Rekrutierung

Das Leid der Clubs begann während der ersten Coronawelle in Japan im April 2020, als die Universität aufgrund der Notstandsverordnungen alle außerschulischen Aktivitäten vom Campus verbannte. Ausgerechnet der April ist für die Clubs jedoch die wichtigste Zeit für die Gewinnung von Nachwuchs. Denn dann beginnt das akademische Schuljahr in Japan und die Clubs rekrutieren gezielt die neuen Erstsemestler.

In Ermangelung der üblichen Rekrutierungs-Aktivitäten versuchte man es durch Einladungen zu Zoom-Veranstaltungen und Werbung für die Clubs auf Social-Media-Kanälen. Auch auf der Webseite der Universität wurden alle Gruppen veröffentlicht, die nach neuen Mitgliedern suchten. Und schließlich erlaubte man im Sommer 2020 bereits wieder Club-Aktivitäten an der Universität, jedoch nur, wenn dabei Maßnahmen zum Infektionsschutz eingehalten werden konnten.

Für die Gruppen war das eine komplizierte Herausforderung. Die eigenen Aktivitäten wiederzubeleben und gleichzeitig strenge Präventionsmaßnahmen umzusetzen, war für manche schlichtweg nicht möglich. Immer wiederkehrende Infektionswellen und damit einhergehende neue Einschränkungen machten es zudem schwierig, die wenigen neuen Mitglieder nachhaltig in die Clubs zu integrieren.

Selbst unter den erschwerten Bedingungen starteten sogar neue Clubs an der Gunma University. Der heute 21-jährige Masayuki Aida gründete in seinem ersten Semester im April 2020 ein Lacrosse Team für Männer. Aus dem Ein-Personen-Club konnte er über das nächste Jahr eine elfköpfige Mannschaft aufbauen. 2022 jedoch konnte auch seine Gruppe keine neuen Mitglieder für ihren Sport begeistern.

Universitäts-übergreifende Events für mehr Aufmerksamkeit

Im Mai veranstaltete das Team ein Lacrosse-Event, bei dem Interessierte den Sport selbst ausprobieren konnten. Dazu schlossen sie sich mit dem Frauen-Lacrosse-Team der Takashi City University of Economics aus dem benachbarten Ort Takasaki zusammen, das ebenso unter fehlenden neuen Mitgliedern litt. Für das Gunma-Team brachte die Veranstaltung zwar keinen Gewinn, immerhin vier neue Studentinnen aus Takasaki nahmen jedoch teil.

“Ich möchte gemeinsam mit anderen Universitäten in der Präfektur Gunma Begeisterung für Lacrosse aufbauen und hoffe, solche Veranstaltungen werden auch neue Studierende an die Gunma University locken”, so Aida. Neben der Anziehungskraft beliebterer Sportarten macht er aber auch die Studienbedingungen an der Gunma University als Faktor aus, der die Rekrutierung erschwert. Denn je nach Studienfach müssen manche Studierende für einige Veranstaltungen bis in die Städte Ota und Kiryu pendeln. Immerhin eine Strecke von anderthalb Kilometern mit dem Zug. Da vergeht manchen dann die Lust auf zusätzliche Aktivitäten nach dem Uni-Tag.

Die Clubs hoffen nun, dass es mit den wiederkehrenden Corona-Einschränkungen bald endgültig vorbei ist. Sonst wird die Zahl der Gruppen an der Gunma University und im ganzen Land wohl bald noch weiter fallen. Im nächsten April, so der Wunsch, möchte man wieder persönlich neue Studierende ansprechen und auch für weniger bekannte Sportarten und Angebote rekrutieren.

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