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HomeNachrichten aus JapanVeraltete soziale Einstellungen machen es schwer, einen Ehepartner in Japan zu finden

Ein Viertel der Japaner sind unverheiratet - Tendenz steigend

Veraltete soziale Einstellungen machen es schwer, einen Ehepartner in Japan zu finden

In Japan finden immer weniger Menschen einen Ehepartner, laut Daten der Regierung sind ein Viertel der Japaner zwischen 20 und 49 ledig.

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Experten sehen verschiedene Gründe, aber besonders erschweren die veralteten sozialen Einstellungen und ein zunehmender wirtschaftlicher Druck die Möglichkeit zu heiraten.

Bei den Eltern bis zur Hochzeit wohnen – nur eines von vielen Problemen

Der Soziologieprofessor Masahiro Yamada von der Chuo-Universität in Tokyo ist der Meinung, dass die Norm, dass Menschen bis zu ihrer Heirat bei ihren Eltern leben, ein Grund dafür ist.

„Sie halten es für eine Zeitverschwendung, eine Beziehung zu jemandem zu haben, der ihre Bedingungen nicht erfüllt“.

In Japan werden diese Menschen „Parasiten-Singles“ genannt.

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Obwohl langfristige finanzielle Sicherheit mit einem Ehemann oder einer Ehefrau als wichtig angesehen wird, sorgt die Schwierigkeit, bezahlbaren Wohnraum zu finden dafür, dass viele lieber bei den Eltern wohnen bleiben.

Shigeki Matsuda, ein Soziologieprofessor an der Chukyo-Universität in der Präfektur Aichi, gibt einem Phänomen namens Hypergamie die Schuld an der sinkenden Heiratsrate in Japan.

„Japanische Frauen tendieren dazu, Männer mit einem stabilen Beschäftigungs- und Bildungsniveau zu suchen“, erklärte er.

Dies scheinen die Partnervermittlungen auch zu bestätigen. Immer wieder stehen die Frauen Schlage bei den Männern, die das höchste Einkommen unter allen Anwesenden auf einer Partnervermittlungs-Party haben.

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„Das hohe Verhältnis von unverheirateten Männern und Frauen wird sich nur ändern, wenn mehr Frauen davon abkommen, unbedingt einen Mann mit einem höheren Einkommen als sie selbst zu heiraten“, so Yamada.

Ehepartner auf der Arbeit finden ist auch nicht mehr so einfach

Außerdem finden viele Menschen ihren zukünftigen Ehepartner im Büro, doch das Arbeitsumfeld in Japan ändert sich.

Nach dem Zweiten Weltkrieg baute Japan seine Wirtschaft größtenteils durch große Unternehmen wieder auf. Die Firmen boten Arbeitnehmern einen lebenslangen Arbeitsplatz an und erwarteten dafür, dass die Arbeitnehmer sich stark an die Firma binden.

Aber diese Zeiten sind vorbei, die Arbeitsplatzsicherheit nimmt ab.

Seit Anfang der neunziger Jahre ist der Anteil der nicht fest angestellten Arbeitnehmer und Vertragsbediensteten laut Statistik des Arbeitsministeriums in Japan von rund 15 Prozent auf knapp 40 Prozent gestiegen.

„Niedrigere Einkommen und eine Zunahme der Befürchtung, jederzeit entlassen zu werden, helfen den Menschen nicht, darüber nachzudenken, zu heiraten und eine Familie zu gründen“, sagte Shuchiro Sekine, Vorsitzender einer Gewerkschaftervertretung von Leiharbeitnehmern.

Frauen achten mehr auf den Inhalt der Brieftasche

Selbst wenn diese Arbeitnehmer hoffen, einen Partner zu finden, ist die Chance, einen Ehepartner zu finden, mit geringerer Arbeitsplatzsicherheit und geringerem Einkommen geringer.

Und so werden die Heiratsvermittlungs-Partys immer beliebter. Doch die Menschen, die ein niedriges Einkommen haben, denken oft nicht daran, an so einer Party teilzunehmen, da sie befürchten müssen, ignoriert zu werden.

Partnervermittlungen versuchen mittlerweile die Klienten dazu zu bringen, dass sie auf andere Werte als den Verdienst achten. Aber besonders Frauen achten lieber weiter darauf, dass ein möglicher Ehekandidat eine gute Brieftasche anstelle eines guten Charakters hat.

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