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18 Tonnen Herbizid sind vergraben

Vergrabene Pestizide werden in Japan zu giftigen Zeitbomben

Japan hat strenge Regulierungen zur Entsorgung von Müll, besonderes was gefährliche Stoffe wie Pestizide angeht. Manchmal sind die Behörden jedoch auf fragwürdige Methoden gekommen. So befinden sich in Japan zahlreiche Orte mit vergrabenem Unkrautvernichter, der nun immer mehr zu einer Bedrohung wird.

Um die 26 Tonnen des Dioxin-geschürten Herbizids 2, 4,5-T wurden ab 1971 in den Bergen Japans vergraben. Es sollte so verhindert werden, dass der Stoff in falsche Hände gerät. Laut der Forestry Agency sind davon insgesamt 42 Gemeinden in 15 Präfekturen betroffen. Die Pestizide sollten dabei nach einem besonderen Verfahren vergraben werden, das als sicher galt.

Betonblöcke sind gar keine Betonblöcke

Forstämter hatten die Anweisung die Pestizide in einem Gemisch aus Erde und Zement einzufassen. Die Betonblöcke sollten anschließend so tief und weit entfernt von Wasserquellen vergraben werden wie nur möglich. Wie sich später herausstellte, hielten sich aber 20 Gemeinden in 12 Präfekturen nicht an diese Anweisung, darunter die Präfektur Ehime.

Mehr zum Thema:  Dekontaminierte Erde befindet sich immer noch in Städten von Fukushima

Wie Kenji Sakata, Professor für Betontechnologie, erklärte, wurde extrem schlampig gearbeitet. Es ließe sich in den Fällen nicht mal von Beton sprechen, da nur Erde und kein Kies verwendet wurde. Selbst die sei von so schlechter Qualität, dass die meisten Blöcke wohl bereits in der Erde zerbröselt sind.

Das Resultat ist nun, dass sich 18 Tonnen Herbizid im Boden befinden und regelrecht giftige Zeitbomben sind. In Japan nimmt nämlich die Häufigkeit von Starkregen zu und damit die Gefahr, dass das Gift frei gespült wird und in die Umwelt gelangt.

Entfernung der Pestizide ist eine Herausforderung

Die Forestry Agency gibt an, dass die Herbizide keine Gefahr für Menschen darstellen. Es ist jedoch bereits nachgewiesen, dass der Stoff unter anderem bei Mäusen tödliche Deformationen auslöst. Behörden von den Präfekturen und Städten wie Fukuoka trauen der Regierung nicht ganz.

Sie fordern eine Entfernung der giftigen Stoffe, da sie Angst haben, dass Starkregen oder Erdrutsche die Pestizide freisetzten. Auch wenn eine Entfernung sinnvoll wäre, stellt sie nur ein weiteres Problem dar. Wenn die Pestizide bereits freigesetzt sind, könnten sie bei Ausgrabungen in die Atmosphäre gelangten. Die Regierung gibt deswegen zu, dass sie noch gar keine etablierte Methode zur Säuberung haben.

Die Regierung hatte 2,4,5-T genutzt, wenn sie Bäume in den staatseigenen Wäldern pflanzte. Als jedoch Anfang der Siebziger klar wurde, dass das Mittel Tieren massiv schaden kann, haben sie die Nutzung eingestellt. 60 Prozent des Pestizids wurde den Herstellern zurückgegeben. Den Rest sollten dann die Gemeinden in staatlichen Wäldern vergraben, da keine andere Entsorgungsmöglichkeit gefunden werden konnte.

Regierung vergisst Risiken einfach

Takahisa Tsukamoto, der damals für die Maßnahme zuständig war, sieht heute den Fehler ein. In dem Zeitraum hatten sie sich extra mit dem Gesundheitsministerium und anderen Ministerien beraten, um die beste Entsorgungsmöglichkeit zu finden. Sie hatten allerdings nie an Starkregen oder Erdbeben gedacht.

Der Grund, warum viele sich nicht an die Anweisungen hielten, ist simpel. Sie hatten einfach noch keine bekommen und die regionalen Forstämter vergruben das Gift nach eigenen Standards. Zur Sicherheit wurden die Stellen jedoch zweimal im Jahr von der Zentralregierung überprüft, ob etwas freigelegt wurde.

Es kann so aber niemand sagen, was unter der Erde bereits alles passiert ist. Wie gefährlich Chemikalien in der Umwelt werden können, zeigte sich zuletzt an den Gewässern in der Nähe von US-Militärbasen. Unter anderen wurde in Okinawa ein krebserregender Stoff im Wasser nachgewiesen, der vermutlich durch Löschschaum ins Wasser kam.

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